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Start-up-Kultur : Gründer gesucht

  • -Aktualisiert am

Machen Industrielofts kreativer? Unser Bild zeigt den Blick in das Spin-Lab der Leipziger Business School. Bild: HHL

An deutschen Business Schools blüht die Start-up-Kultur. Die Erfolgsgeschichten häufen sich, Netzwerke werden größer. Und echte Stars der Szene bauen Talente auf.

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          Leipzig war schon mal eine Boom-Stadt und hat in der Gründerzeit derart viele Gebäude gebaut, dass die Stadt heute das größte Flächendenkmal Deutschlands ist. Dieser architektonische Reichtum entspringt einer Zeit, als sich die Zahl der Einwohner und Beschäftigten versechsfachte, fast ein Fünftel aller deutschen Großbetriebe hatte 1907 seinen Sitz in Leipzig. In diese Zeit fällt die Gründung der ersten deutschen Handelshochschule 1898, die nach der Wende als private Hochschule wiedergegründet wurde. Die Business School Leipzig, kurz HHL, versteht sich als Gründerhochschule, sie gehört mit 650 Studierenden zu den kleineren Standorten in Deutschland - und kann, anders als manche Wettbewerber, auf keine Stiftung oder großen Unternehmen zurückgreifen. Umso erstaunlicher liest sich eine Bilanz der HHL, die sie von anderen deutschen Business Schools unterscheidet. Sie zeigt, was das Etikett Gründer-Uni in Zahlen bedeutet: Seit dem Jahr 2000 haben HHL-Absolventen knapp 200 Unternehmen gegründet und 2800 Arbeitsplätze in Sachsen geschaffen. So akribisch hat das bisher kaum jemand zusammengetragen. Zuletzt hat - ein Höhepunkt des Gründer-Trends - das von Absolventen gegründete Reiseportal Trivago den Börsengang in New York gewagt.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sogenanntes Entrepreneurship hat an allen deutschen Business Schools große Bedeutung. An der HHL geht es dabei nicht in erster Linie um zukünftige Startup-Unternehmer, zumal nur 2 Prozent der Absolventen direkt nach dem Studium diesen Weg gehen. „Viele gehen nach dem Studium in die Unternehmensberatung oder in Strategieabteilungen“, sagt Volker Stößel, Pressesprecher der HHL. Für Martin Schlichte gilt das nicht, aber auch der Gründer des E-Learning-Unternehmens Lecturio konnte von seinem HHL-Studium profitieren. Jeder dort denke unternehmerisch, sagt der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens mit 60 Festangestellten und Sitz in Leipzig. Große Gründer, Investmentbanker und Berater seien ständig in die Hochschule gekommen, sagt er.

          Aber nicht nur die Lehre, auch die Qualität und Größe des Netzwerks einer Hochschule ist ihr Kapital. Alumni, Stifter und Spender nähren und sorgen sich um den Nachwuchs. Und so finden sich in ihren Reihen spätere Risikokapitalgeber für Start-ups, Ideengeber, Coaches, zukünftige Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Die bloße Namensnennung der gemeinsamen Nachwuchsschmiede reicht häufig, um ein Entrée zu erhalten. Für dauerhaften Unternehmenserfolg reicht das allerdings nicht. Martin Schlichte ist dafür ein gutes Beispiel. Er verwarf seine erste Geschäftsidee und war erst im zweiten Anlauf erfolgreich. Zu Lecturio nach Leipzig kommen Mediziner aus den Vereinigten Staaten und nehmen die Vorlesungen des gesamten Medizinstudiums auf, die Nutzer auf ihren Endgeräten auch offline verfolgen können. 7000 aufgezeichnete Lerneinheiten - großteils in englischer Sprache - gehören zum Herzstück des Unternehmens, in das mittlerweile Holzbrinck Digital als Investor eingestiegen ist.

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