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Sportstipendien in Amerika : Fast wie ein Profi

  • -Aktualisiert am

Doch nach einem Praktikum beim Deutschen Fußball-Bund ging es plötzlich ganz schnell: Ein Freund, der gerade in Zürich bei dem Flugzeugteile-Unternehmen SR Technics ein Trainee-Programm machte, empfahl seinen Kollegen, einmal einen Blick in Fagas Lebenslauf zu werfen. Das Unternehmen sortierte sich gerade neu, und wie der Zufall es will: Fagas späterer Chef war ein großer Fußballfan. „Wir haben ein sehr gutes Gespräch geführt, dabei ging es fast nur um Fußball“, sagt Faga. Prompt bekam er seine erste feste Stelle - im Verkaufsbereich. Rasch musste er sich in die Luftfahrtbranche einarbeiten. Weil die Fluglinien Wartungsleistungen oder neue Getriebe oder Komponenten oft binnen weniger Stunden oder Tage benötigen, ist die Arbeit mit viel Zeitdruck verbunden. Trotzdem gelassen zu bleiben und hochkonzentriert zu arbeiten ist nicht jedermanns Sache.

„Ich arbeite gern selbständig und konnte immer schon sehr gut mit Druck umgehen, das war ich vom Sport her so gewöhnt. Deshalb macht mir mein Job auch sehr viel Spaß, obwohl viele ihn vielleicht als zu stressig empfänden“, sagt Faga. Dass im Unternehmen durchweg Englisch gesprochen wird, war für ihn aufgrund seiner Vita auch kein Problem. Rückblickend stellt er daher fest: „Für jeden jungen Sportler, der auf anspruchsvollem Niveau studieren und auch Sport machen will, sind die Vereinigten Staaten die perfekte Lösung. Denn dort sind beide Aspekte optimal aufeinander abgestimmt.“

Herzblut ist nötig

Die Berliner Karriereberaterin Martina Bandoly unterstützt diese positive Sichtweise grundsätzlich, mahnt aber zu sorgfältiger Vorbereitung und Planung: „Arbeitgeber könnten sich sonst später fragen: Wie intensiv hat der Kandidat überhaupt studiert, wenn er dort so viel Sport gemacht hat?“ Für den Berufseinstieg sei zudem wichtig, dass die Studiengänge zu den Gegebenheiten am deutschen Arbeitsmarkt passen. „Bei vielen kleineren Hochschulen in den Vereinigten Staaten muss man sehr genau hinschauen: Wie kompatibel sind deren Studieninhalte eigentlich mit dem Job-Markt?“ Wenn das Herz nach wie vor für die Heimat schlage, sei man klug beraten, schon während der Semesterferien gezielte Praktika in Deutschland zu machen, um später den Wiederanschluss nicht zu verpassen und sein altes Netzwerk nicht zu verlieren.

Grundsätzlich sei der „enorme Reifungsprozess“ aber sehr positiv zu bewerten, wenn man ein paar Jahre Selbständigkeit in den Vereinigten Staaten bewiesen habe, sagt Bandoly. Wichtig sei, dass der Kandidat den Schritt in die Ferne aus freien Stücken unternehme. Angehende Studenten sollten sich nicht zu stark von Trainern, Mannschaftskollegen oder Eltern hineinreden lassen. Auch solle sich jeder Einzelne fragen, wie viel Zeit er seinem Ausbildungsweg insgesamt einräumen möchte, welche Firma für ihn persönlich interessant sein könnte und wie seine Lebensplanung bis zum 30. Lebensjahr grundsätzlich aussehe. Die Karriereberaterin erlebt immer wieder junge Menschen, die bei der Studien- und Berufswahl zu wenig auf die eigenen Neigungen achten. „Die meisten sind irgendwann Anfang 30 völlig enttäuscht. Sie wurden Apotheker oder Ärzte, weil die Eltern Apotheker oder Ärzte waren.“ Oder sie haben Maschinenbau studiert, nur weil der beste Kumpel es auch studiert hat. „So etwas kann hinhauen, aber meist rächt es sich irgendwann.“ Das Gleiche gelte für das Sportstipendium in Amerika: „Man sollte es nur dann anstreben, wenn das Herz wirklich daran hängt. Und nicht, weil es sich im Lebenslauf so schön macht.“

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