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Sportliche Bewerbungsgespräche : Entscheidend ist auf'm Platz

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Badehose und Trikot statt Schlips und Kragen: Weil Bewerbungsgespräche oft ziemlich steif ablaufen laden Ingolstädter BWL-Studenten Bewerber und Personalverantwortliche zum Kennenlernen auf den Sportplatz ein.

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          Die Trommeln und Tröten sind schon von weitem zu hören. Irgendwer übt einen Fan-Gesang: „Ohne uns wärt ihr gar nicht hier!“ Auf einem der Beachvolleyballplätze spielt eine Mannschaft locker den Ball hin und her, nebenan läuft sich jemand warm und lässt die Arme kreisen. In Flipflops schlappen sie nach und nach auf das Gelände, die Unternehmensvertreter mit extra designten Polohemden, die Studententeams mit selbstbemalten Trägertops, zwischendrin ein Kandidat in Hawaiihemd und Badehose. Kaum zu glauben, dass sie alle hier sind, um Bewerbungsgespräche zu führen. Doch genau darum geht es. Rings um die Sportplätze sind weiße Zelte mit bunten Firmenslogans aufgebaut: Unternehmensberatungen, Banken, Industrieunternehmen. Überall Flugblätter und Plakate. „It's character that creates impact“ hat Roland Berger an sein Sportmassagezelt gepinnt. Vodafone hat rote Strandliegestühle aufgestellt. Zwei schicke Audi-Sportwagen parken am Rand der Wiese.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          „Willkommen zur WFI Summer Challenge.“ Maria Deml aus dem studentischen Organisationsteam der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt breitet die Arme aus. „Das ist unser Wettkampfgelände.“ Drei Tage lang werden Firmenvertreter aus elf Unternehmen und rund 550 Wirtschaftsstudenten aus ganz Deutschland hier gemeinsam Sport treiben, in gemischten Teams gegeneinander antreten - und nebenher Bewerbungsgespräche führen. Ausgedacht haben sich das die Studenten der Ingolstädter Gastgeber-Universität. Bezahlt haben die Unternehmen - die Veranstaltung lassen sie sich einen fünfstelligen Betrag kosten.

          Fabian Fölsch ist mit Feuer und Flamme dabei. Er studiert im sechsten Semester BWL und spielt im Völkerballteam der Strategieberatung Oliver Wyman. Mit seinen 23 Jahren hat sein Lebenslauf schon beachtliche Länge. Vier hochkarätige Praktika kann er vorweisen, ein halbes Jahr Australien, ein Stipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung. Schon sein Opa war Unternehmer, hatte einen Betrieb für Werkzeugteile. „Bei uns in der Familie war Wirtschaft einfach immer ein Thema“, sagt er. Dass Fabian Unternehmensberater werden will, ist schon seit Schülertagen klar. Jetzt liegt sein Lebenslauf bei Oliver Wyman. Heute ist der nächste Schritt dran.

          „Der Sport kann viel zeigen über eine Person“

          „In Kürze starten wir die Wettbewerbe auf den Volleyball-, Soccer- und Völkerballcourts“, dröhnt eine Ansagerstimme aus den Lautsprechern. Fabian und sein Team stehen pünktlich bereit. „Kurze Strategiebesprechung“, verkündet ein Oliver-Wyman-Berater und beginnt etwas über angetäuschte Würfe zu erzählen. Im Lärm aus Musik und Anfeuerungsrufen ist er kaum zu verstehen. Er lächelt tapfer und klatscht mit den Teammitgliedern ab. Dann werfen, fangen und rennen die Studenten, als gäbe es nicht nur ein Spiel, sondern den neuen Job gleich mit zu gewinnen. Bald kleben Sandreste in Fabians dunkelbraunen Locken, Schweiß läuft ihm die rechte Schläfe entlang. Als begeisterter Diskuswerfer ist er einer der Besten im Team, feuert mit Kraft den Softball in alle Richtungen. In Momenten, in denen der Schiedsrichter nicht richtig hinschaut, beansprucht er knapp hinter der Linie liegende Bälle für die eigene Mannschaft.

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