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Sport als Wissenschaft : Fit und feierfreudig

  • -Aktualisiert am

Mit ein bisschen Hopsen ist es nicht getan Bild: Wonge Bergmann

Sportwissenschaftler lernen an sich selbst, wie Spitzenleistungen zustande kommen. Wenn sie nicht trainieren oder Anatomie pauken, bringen sie beim Feiern Höchstleistungen. Auch das macht sie für Arbeitgeber interessant.

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          „Gut gemacht“, ruft Trainer Jürgen Klopp nach einem gelungenen Spielzug über den Trainingsplatz des Fußballzweitligisten FSV Mainz 05, während der Wind ihm seine blonden Haare ins Gesicht wirft. "Wenn der Gegner im Mittelfeld den Ball hat, dann gehen wir drauf. Wenn da einer schläft, ist das unsere Chance", weist er die Spieler an, bevor sie sich wieder auf ihre Positionen verteilen. Klopp hat 1995 in Frankfurt seinen Abschluss zum Diplom-Sportwissenschaftler gemacht und ist einer der prominentesten Absolventen dieses Studiengangs. Nicht nur in der Fußballszene hat sich der temperamentvolle Schwabe einen Namen gemacht. Während der Fußball-WM im vergangenen Jahr erklärte er an der Seite von Johannes B. Kerner im ZDF mit Rotstift und Rhetorik, wie das Spiel funktioniert, und erzielte durch seine humorvolle Art nicht nur bei eingefleischten Fans Wirkung.

          "Mein Sportstudium ist eigentlich die Basis für alles, was ich heute mache", sagt Klopp über seine achtjährige Studienzeit. Durch sein Studium kenne er sämtliche Abläufe des menschlichen Organismus, was ihm bei der Trainingsplanung helfe, ebenso wie sportpsychologische Aspekte, was für die Spielerführung bedeutsam sei. Bei den Mainzer Sportstudenten ist "Kloppo" schon lange ein Idol. Wenn der 40 Jahre alte ehemalige Zweitligaspieler Gastvorträge an der Uni hält, bleibt kein Stehplatz frei im Vorlesungssaal.

          Fußballtrainer im Profibereich - für Sportstudenten ist das ein Traumjob. "Viele von uns, die sich auf den Leistungssport spezialisieren, hätten Lust auf einen Trainerjob in der höchsten Spielklasse. Aber leider werden die Positionen meist mit ehemaligen Profisportlern besetzt, obwohl so mancher von uns vielleicht besser wäre", sagt der Mainzer Sportstudent Nik Alberding selbstbewusst.

          Tests im Wasser und auf dem Parkett

          Knapp 30.000 Sportstudenten gibt es bundesweit, von den Volluniversitäten stellt Mainz mit 1400 Studenten die meisten. Am meisten Sport gemacht und gedacht wird jedoch an der Deutschen Sporthochschule (Spoho) in Köln. 6500 Studenten verkehren auf dem Campus der weltweit größten Sportuniversität im Grüngürtel der Domstadt. Mehr als tausend Bewerber erscheinen jedes Semester zur Aufnahmeprüfung. Nach Angaben der Hochschule besteht davon nicht einmal die Hälfte. Wer sich durchkämpft, hat zwar die Eintrittskarte in das Studium, muss seine Leistungen aber weiter verbessern. Neben geistes- und naturwissenschaftlichen Vorlesungen müssen im Grundstudium insgesamt sieben Sportarten von Tanzen bis Handball erfolgreich absolviert werden. Die Leistungskriterien sind dabei deutlich härter als beim Eignungstest.

          In Mainz sind die Kriterien kaum weniger anspruchsvoll. Das hat Stefan Kahl insbesondere beim Turnen und Schwimmen gemerkt. Sein Körper strahlt Kraft und Dynamik aus, doch wie er diese im Wasser in Geschwindigkeit umwandeln kann, weiß er nicht so genau. "Wir hatten im Laufe des Semesters im Schwimmen fünf Einzelprüfungen. Beim ersten Mal bin ich jedes Mal durchgerasselt", sagt er. Nun heißt es: So lange trainieren, bis er die geforderten Zeiten schafft. Und wenn nicht, muss er in einem Jahr wieder ran.

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