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Selfpublishing : Der Traum vom eigenen Buch

  • -Aktualisiert am

Dozenten schauen ganz genau hin

Arbeiten, die bei Selfpublishing-Plattformen im Internet angeboten werden, müssen in kein Verlagsprogramm passen. Deshalb zieht Selfpublishing neben neugierigen Jungakademikern und sendungsbewussten Hobbypublizisten auch freiheitsliebende Autoren an. Jona Kirchner, promovierte Philosophin aus Berlin, etwa fand keinen renommierten Verlag, der ihre Arbeit über die Symbolik der Hebräischen Bibel drucken wollte. Also veröffentlichte sie das Buch über Grin. Das war für sie zuerst eine Notlösung, gibt sie zu. Inzwischen ist sie froh, dass Autoren die Möglichkeit haben, über Selfpublishing-Plattformen zu veröffentlichen. Ihrer Meinung nach haben etablierte Verlage zu viel Macht darüber, was veröffentlicht wird und was nicht. Sie sieht nur ein Problem: „Ich habe Bedenken, wenn es um die Qualitätssicherung der bei Selfpublishing-Plattformen eingereichten Arbeiten geht.“

Jona Kirchner spricht damit das größte Manko der Selfpublishing-Plattformen für ernsthafte Wissenschaftler an: Die Zweifel an der Qualität der angebotenen Texte sorgen für ein schlechtes Image. Für akademische Rezipienten funktionieren die Namen großer Verlage im Gegenzug wie ein Qualitätssiegel. Kommerziellen Selfpublishing-Plattformen fehlt bislang jede Reputation beim Fachpublikum. Wenn Hochschullehrer in Literaturverzeichnissen ihrer Studenten einen Titel aus Selfpublishing-Verlagen finden, dann schauen sie schon genauer hin, sagt auch der Mainzer Buchwissenschaftler David Oels. Oels steht dem akademischen Selfpublishing durchaus aufgeschlossen gegenüber. Gemeinsam mit der Tutorin Owena Reinke leitet der Juniorprofessor sogar ein Projekt der Mainzer Buchwissenschaftler zum Selfpublishing in der Wissenschaft.

Für den Start einer wissenschaftlichen Karriere sind Veröffentlichungen auf kommerziellen Selfpublishing-Plattformen seiner Meinung nach trotzdem nicht geeignet: „Noch ist es nicht möglich, sich über solche Plattformen in der Wissenschaft einen Namen zu machen“, sagt Oels. Studenten, die ernsthaft am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen wollen, sollten ihre Arbeiten besser erst einmal Professoren vorlegen, die dann mit ihren Kontakten zu Kollegen und Verlagen möglicherweise den Weg zu einer Veröffentlichung in Fachjournalen ebnen könnten. Oels selbst bietet den Studenten diese Möglichkeit auch über die Plattform sachbuchforschung.de an, die er betreibt: „Schließlich gehört es zu den schönsten Aufgaben eines Hochschullehrers, begabte Studenten zu fördern“, sagt er - und das gilt sowohl on- als auch offline.

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