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Schreibtrainerin Bärbel Harju : „Die Angst vor dem weißen Blatt Papier verlieren“

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Schreibtrainerin Bärbel Harju Bild: Privat

Wissen Sie einfach nicht, wie Sie mit dem Schreiben von Texten anfangen sollen? Rituale, ein Gespür für Pausen und kleine Tricks erleichtern das Schreiben - sagt die Leiterin des Schreibzentrums an der LMU München.

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          Woran scheitert das Schreiben von Hausarbeiten?

          Viele unterschätzen die Zeit und schreiben auf den letzten Drücker. Am 10. ist Abgabe, am 9. wollen sie fertig sein. Dabei übersehen sie die Zeit, die fürs Überarbeiten und Gegenlesen benötigt wird.

          Was hilft, wenn ich in der Materialflut untergehe und zu keiner Struktur finde?

          Andere können helfen, den roten Faden zu finden. Beim aktiven Zuhören in der Schreibberatung geht es darum, Fragen zu stellen, beispielsweise: Was ist dir bei dem Thema am wichtigsten? Was ist deine These, trägt sie?

          Welche Schreibtypen gibt es?

          Es gibt strukturfolgende Schreiber, sie haben ein klares Konzept, das sie mit Inhalt füllen. Andere sind strukturschaffend, sie schreiben viel und drauflos, arbeiten assoziativ. Da landet manches in der Tonne.

          Und was hilft beiden?

          Stichpunkte notieren, mit Karteikarten arbeiten. Visualisieren bringt auf neue Zusammenhänge. Um die Angst vor dem weißen Blatt Papier zu verlieren, ist es wichtig, zumindest ein paar Zeilen zu Papier zu bringen, die müssen ja nicht perfekt ausformuliert sein. Dazwischen bewusst anspruchslosere Arbeiten einplanen, zum Beispiel Bibliographieren oder Formatieren. Das vermittelt ein Erfolgsgefühl.

          Einen Königsweg gibt es nicht?

          Nein, den gibt es nicht. Wichtig ist, Schreibroutinen und Rituale zu entwickeln. Also sich in die Bibliothek zu setzen, dann zwei Runden Solitär zu spielen, weiterzuschreiben. Bewährt hat sich zeitliche Verknappung. Anstatt von null auf hundert zu gehen, kann es befreien, zu sagen: Ich darf morgen nur zwei mal 20 Minten arbeiten. Das wird gesteigert.

          Und wenn ich gar keinen Einstieg finde?

          Dann fahre ich die Ansprüche herunter und stelle mit kleinen Schritten mein Arbeitsverhalten um. Wer fünf Minuten Gedankenskizzen notiert, ohne abzusetzen, der kommt schneller ins Schreiben rein. Es kann auch helfen, das Schreibwerkzeug zu wechseln, zu einem schönen Füller zu greifen, Texte auszudrucken, sich am Rand Notizen zu machen und nicht nur auf dem Tablet zu lesen.

          Viele scheinen am Schreibtisch regelrecht zu vereinsamen?

          Leider gilt das nicht nur für Doktoranden. Es ist gut, sich Mitstreiter zu suchen. In der Gruppe kann man sich gegenseitig Tipps geben und Absprachen treffen - in zwei Wochen ist die Gliederung überarbeitet. Durch die Salamitaktik ist das nicht mehr so furchterregend und klingt machbarer. Nach einer Stunde Arbeit sollte man zehn bis fünfzehn Minuten Pause machen. Länger kann man sich nicht gut konzentrieren. Dieser Rhythmus ist gut für den Schreibfluss.

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