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Recruiting an Hochschulen : Talentspäher auf dem Campus

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Schnelles Kennenlernen: Studenten des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam beim Speeddating mit potentiellen Arbeitgebern. Bild: obs

Geschenke, Praktika, Stipendien: mit immer größerem Aufwand suchen Unternehmen an Hochschulen nach den Mitarbeitern von morgen. Oft profitieren beide Seiten - aber die Kritik wächst.

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          Der Stuttgarter Automobilzulieferer Mahle ist mit seinen mehr als 60.000 Mitarbeitern ein ganzes Stück davon entfernt, in der ersten Liga der deutschen Wirtschaft mitzuspielen - jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. Vielen Maschinenbaustudenten dürfte das Unternehmen trotzdem wohlbekannt sein. Denn Mahle bemüht sich intensiv darum, Studenten auf sich aufmerksam zu machen: Der Zulieferer geht regelmäßig auf Campus-Tour und verteilt Geschenke und Info-Broschüren, bietet Auslandspraktika und Stipendien an, veranstaltet Fachvorträge und schreibt Wettbewerbe für Bachelor-Studenten aus. All das tut das Unternehmen natürlich nicht uneigennützig. „Unsere Aktivitäten an Hochschulen haben sich bislang ausgezahlt“, sagt Joachim Reichle, Leiter der Personalentwicklung bei Mahle. „Wenn wir Stellen ausschreiben, bekommen wir viele Bewerbungen.“ Es ist ein Beispiel von vielen. Denn Deutschlands Unis sind längst keine Elfenbeintürme mehr. Im Gegenteil: Unternehmen, ob nun Konzerne oder Mittelständler, gehen dort inzwischen ein und aus - und es werden immer mehr.

          Aus Sorge über den Fachkräftemangel suchen diese Unternehmen immer früher nach potentiellen Nachwuchs-Mitarbeitern. Mitunter sprechen sie Studenten schon bei Erstsemesterveranstaltungen an. Und die Universitäten bieten ihnen dafür gerne die nötige Plattform. Denn von der Kooperation zwischen den Unternehmen und den Unis profitieren in der Regel auch die Studenten. Kritiker dieses Modells mit seinen zahlreichen Facetten gibt es natürlich trotzdem.

          Die Universität Köln zum Beispiel kann sich vor Anfragen von Unternehmen kaum noch retten. „Das Interesse an einer Kooperation mit der Universität ist unglaublich groß und wächst stetig weiter“, sagt deren Sprecher Patrick Honecker. Die Uni bietet in Zusammenarbeit mit Unternehmen unter anderem Workshops an, veranstaltet Events, auf denen sich Firmen vorstellen können, und unterhält eine Stellenbörse. Einzelne Fakultäten arbeiten im Rahmen ihres jeweiligen Karriere-Services mit Firmen zusammen, allen voran die Wirtschaftswissenschaftliche und die Sozialwissenschaftliche Fakultät. „Die Namen aus dem deutschen Aktienindex Dax sind fast alle bei uns vertreten“, sagt Honecker. Und damit nicht genug: „Auch der Mittelstand kommt verstärkt auf uns zu.“

          Besonders interessiert: Juristen, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler

          Bei der Zielgruppe komme die Kooperation zwischen Uni und Unternehmen meistens gut an. „Die meisten unserer Studierenden haben großes Interesse an Informationsveranstaltungen mit Unternehmen“, sagt Honecker. Besonders interessiert zeigten sich Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Geisteswissenschaftler. Naturwissenschaftler strebten dagegen häufiger eine Karriere in der Forschung an. Andere Hochschulen berichten Ähnliches, etwa die Uni Erlangen-Nürnberg. „Wir erhalten von Studierenden grundsätzlich sehr positive Rückmeldungen zu unseren Kooperationen mit Unternehmen“, sagt Sprecherin Katrin Piecha. „Sie bekommen direkten Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern und können sich ein persönliches Bild von Unternehmen und den Möglichkeiten dort machen.“

          Für Studenten ist es womöglich schmeichelhaft, von Unternehmen umworben zu werden. Sie sollten sich allerdings keine Illusionen darüber machen, warum immer mehr Firmen engen Kontakt zu ihnen suchen: Dahinter steht eine Strategie, oft geboren aus der Personalnot. „Kooperationen mit Universitäten lohnen sich für Unternehmen in jedem Fall. Aber es wird schwieriger, denn der Wettbewerb nimmt zu“, sagt Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer in der PR-Sparte der Personalberatung Kienbaum. Vor allem kleine Unternehmen müssen sich immer mehr strecken, um potentielle Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen. Mit ein paar Infobroschüren und Gummibärchen ist es heute jedenfalls nicht mehr getan. „Unternehmen wollen Beziehungen zu Studierenden aufbauen, die über das gesamte Studium hinweg halten“, sagt Bethkenhagen über die ehrgeizigen Ziele der Personalfahnder.

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