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Psychische Belastungen im Studium : Ängste statt Sinnkrisen

  • -Aktualisiert am

Überforderung und Zukunftssorgen: Ängste im Studium werden häufiger. Bild: dpa

Mehr Studenten als früher suchen wegen psychischer Probleme Beratungsstellen auf. Es sei viel Angst im System, glauben Fachleute. Eine neue Studie des Hochschul-Informationssystem bestätigt das.

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          Rund ein Fünftel mehr Studenten suchen psychische Beratungsstellen auf als vor der Umstellung von den Diplom- auf die Bachelor- und Master-Studiengänge, heißt es an der FU Berlin. „Es ist viel Angst im System“, sagt der Psychologische Berater Hans-Werner Rückert.

          Eine neue Studie des Hochschul-Informationssystems HIS in Hannover im Auftrag des Deutschen Studentenwerks hat das Ausmaß der Ängste unter 4087 Bachelor-Studenten an deutschen Hochschulen abgefragt: 59 Prozent gaben im Jahr 2011 an, in den vergangenen Wochen nervös und gestresst gewesen zu sein. 47 Prozent berichten von Erschöpfungs- und Überforderungsgefühlen, 44 Prozent von psychosomatischen Beschwerden, 42 Prozent von Ängsten. Knapp ein Drittel gab an, sich über finanzielle Knappheiten und die Vereinbarkeit des Studiums mit dem Nebenberuf zu sorgen.

          Zukunfts- und Abstiegsängste unter Geisteswissenschaftlern

          Während unter den Studenten von natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Fächern Ängste überwogen, dem Studium fachlich nicht gewachsen zu sein, berichteten angehende Geistes- und Sozialwissenschaftler zu einem weit größeren Teil von Zukunfts- und Abstiegsängsten. Dass diese Ängste zunehmen, dürfte daran liegen, dass die derzeitige Studentengeneration die erste oder höchstens die zweite ist, die nicht - wie zu Zeiten der Bildungsexpansion der siebziger Jahre - qua Studium eine Gewissheit hat, später ein Akademikereinkommen zu beziehen und finanziell mindestens so gut gestellt zu sein wie ihre Elterngeneration.

          Die Abstiegsängste zeigen sich statistisch auch im Studierenden-Survey der Universität Konstanz. Unsichere Berufschancen haben laut der neuesten Erhebung (von 2007) ein Drittel der Kulturwissenschaftler und ein Viertel der Sozialwissenschaftler, während die Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftler sich zu 44 oder 34 Prozent stark belastet fühlen aufgrund aktuellen Prüfungsstresses.

          Die Ängste könnten auch mit großen materiellen Erwartungen an ein Gelingen zusammenhängen: In den vergangenen 20 Jahren stieg der Anteil der Studenten, die sich vom Abschluss ein hohes Einkommen versprechen, deutlich. Drei Viertel der Bachelor-Studenten gaben an, das Studium nützlich zu finden, weil es bessere Chancen auf eine interessante Arbeitsstelle eröffne. Eigene Ideen entwickeln zu können, nennt gut die Hälfte als Motiv fürs Studium.

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