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Privatstudium : So teuer wie ein Auto

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

Ein Studium an einer privaten Hochschule kostet viel Geld. Dafür bieten sie intensive Betreuung und gute Berufsaussichten. Das überzeugt immer mehr Studienanfänger.

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          Marco Ziemski hat bei seiner Sparkasse einen Kredit aufgenommen, um sich sein Studium an der privaten Handelshochschule Leipzig (HHL) finanzieren zu können. Ganze 22 500 Euro wird er für das 18-monatige Master-of-Science-in-Management-Programm berappen müssen. Dabei hätte der 29-Jährige seinen Abschluss auch viel billiger haben können, wenn er an einer der gebührenfreien staatlichen Hochschulen studiert hätte.

          „Den finanziellen Einsatz ist mir das Studium an einer Privathochschule wert“, sagt Ziemski, der nach seinem Studium als Berater für Start-up-Unternehmen arbeiten will. „Ich will in kleineren Lerngruppen studieren und von Menschen mit Leidenschaft für ihr Studium umgeben sein.“ Zuvor hatte Ziemski an einer staatlichen Fachhochschule seinen Bachelor gemacht. „Das war sehr anonym, und die meisten Kommilitonen waren nur halb so motiviert wie hier an der HHL.“

          Die Privatstudenten werden immer mehr

          Ziemski ist einer von rund 95 000 Studierenden in Deutschland, die sich bewusst für ein Studium an einer Privathochschule entschieden haben – im Gegensatz zu den mehr als 1,9 Millionen Studierenden an staatlichen Einrichtungen. Nach Angaben des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft sind zwar nur 4,5 Prozent aller Studierenden an staatlich anerkannten Hochschulen in privater Trägerschaft eingeschrieben. Doch es werden immer mehr: Vor zehn Jahren hatte der Anteil erst 1,4 Prozent betragen.

          “Immer mehr Studierende haben erkannt, dass die privaten Hochschulen mit ihrem flexiblen Angebot, einer kürzeren Studiendauer und einem traumhaften Betreuungsschlüssel eine äußerst attraktive Alternative zu staatlichen Trägern darstellen“, sagt Piret Lees, Sprecherin des Verbandes der Privaten Hochschulen (VPH). Auf einen Dozenten kämen nur 30 Studierende, an staatlichen Hochschulen seien es mehr als doppelt so viele. „Zudem werden Dozenten an privaten Hochschulen nach Leistung bezahlt. Daraus ergeben sich für die Studierenden ganz andere Möglichkeiten“, erläutert Lees.

          Allerdings hat das Studieren seinen Preis

          Zwischen 4000 und 12 000 Euro fallen jährlich an Studiengebühren an, im staatlichen Sektor wurde diese Form der Finanzierung gänzlich abgeschafft. Dabei variieren die Beträge je nach Angebot und Hochschule. An der renommierten Bucerius Law School muss man in ein Jurastudium jährlich mehr als 10 000 Euro stecken.

          „Zahlreiche private Hochschulen bemühen sich allerdings, Stipendien bereitzustellen, um den finanziellen Aufwand auszugleichen“, sagt Andrea Frank vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Leiterin der bislang umfassendsten Studie zur Rolle und Zukunft privater Hochschulen in Deutschland. Dass generell nur Wohlhabenden ein Privatstudium möglich ist, sei eine Legende.

          Private Hochschulen auf der Gründungswelle

          Die Gründungswelle privater Hochschulen in Deutschland setzte zu Beginn der neunziger Jahre ein und entwickelte sich ab dem Jahr 2000 rasant: Allein im Jahrzehnt bis 2010 gab es mit 47 Neugründungen eine Verdoppelung, die Zahl der Studierenden an privaten Hochschulen hat sich in dieser Zeit mehr als vervierfacht. „Dieser Trend wird sich künftig zwar fortsetzen, aber er wird sich deutlich verlangsamen“, schätzt Andrea Frank. „Durch den Boom der letzten Jahre hat sich im privaten Sektor eine heterogene Landschaft entwickelt, in der viele kleinere, spezialisierte Anbieter noch zeigen müssen, dass sie überlebensfähig sind.“

          Da Studiengebühren die Haupteinnahmequelle der privaten Anbieter sind, können sie schnell in Schieflage geraten, sobald sie nicht ausreichend Studienanfänger für ihr Angebot begeistern können. Laut Stifterverband muss es einer Hochschule gelingen, 1000 bis 1200 Studierende anzulocken. Erst dann lasse sich ein solides Studienangebot finanzieren.

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