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Privathochschule : Die neuen Herren der EBS wissen hart zu rechnen

Alles auf Anfang: Hörsaal der EBS auf dem Campus in Oestrich-Winkel. Bild: Michael Kretzer

Was hat die Privathochschule von ihrem künftigen Eigentümer zu erwarten? Die Heidelberger SRH Holding ist eine gemeinnützige Stiftung, aber kein Wohltätigkeitsverein.

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          Oestrich-Winkel steht jetzt in einer Reihe mit Asunción. Jedenfalls auf der Internetseite der SRH-Gruppe. Dort sind die Standorte der zehn Hochschulen aufgelistet, die das in Heidelberg ansässige Unternehmen betreibt - darunter die Hauptstadt von Paraguay und das Rheingaustädtchen. Aber auch die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden. Dort sitzt die noch junge Jurafakultät der EBS-Universität für Wirtschaft und Recht, während die EBS Business School seit Jahrzehnten ihr Domizil in Oestrich hat.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          18 Millionen Euro teuer war die jüngste Investition des Bildungs- und Gesundheitskonzerns SRH, der bei der EBS eingestiegen ist. Mehr als 12.000 Studenten zählt die SRH in ihren Einrichtungen insgesamt. Nach Worten von Kommunikationschef Nils Birschmann handelte es sich bisher durchweg um Fachhochschulen. Das Studienangebot reicht von Musiktherapie über Maschinenbau bis Mittelstandsmanagement, wobei die Wirtschafts- und Medienfächer besonders stark vertreten sind.

          Die EBS ist also die erste Universität im SRH-Portfolio, auch wenn manchem das Wort „Universität“ für eine Zwei-Fakultäten-Hochschule immer noch etwas unpassend erscheint. Auf jeden Fall aber ist sie eine wissenschaftliche Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht, und insofern betritt die SRH mit ihrem Einstieg dort Neuland. Auf der Pressekonferenz, bei der die Übernahme verkündet wurde, sah sich der SRH-Vorstand auch gleich genötigt, der Sorge entgegenzutreten, es drohe nun eine „Fachhochschulisierung“ der EBS. Skeptische Stimmen gibt es dennoch weiterhin. „Die SRH hat keinen Fokus auf wissenschaftlichem Arbeiten“, glaubt etwa Hanna Binder, Fachbereichsleiterin für Bildung im Verdi-Landesbezirk Baden-Württemberg. Das kann SRH-Sprecher Birschmann so natürlich nicht stehenlassen. Auch an Fachhochschulen spiele die Forschung eine wichtige Rolle, und selbstverständlich werde die EBS-Universität „weiterhin exzellente Forschung und Lehre anbieten“.

          Man versteht sich aufs Geldverdienen

          Gespannt werden die Beschäftigten in Oestrich und Wiesbaden auch darauf schauen, wie der neue Hauptgesellschafter ihrer Hochschule als Arbeitgeber agiert. Skandale, die deutschlandweit Schlagzeilen machten, sind von den SRH-Instituten - anders als von der EBS, Stichwort: Jahns-Affäre - nicht überliefert. Ein Wohltätigkeitsverein ist die SRH-Holding allerdings nicht, auch wenn sie den Status einer gemeinnützigen Stiftung hat. Gewerkschafterin Binder beschreibt das Unternehmen als „renditeorientiert“, und die jüngsten Geschäftszahlen aus Heidelberg lassen erkennen, dass man sich dort aufs Geldverdienen versteht: 2015 erzielte der SRH-Konzern bei einem Umsatz von 840,7 Millionen Euro einen Überschuss von 55,3 Millionen Euro.

          Die EBS kommt also unter die Kontrolle eines Eigentümers, der hart zu rechnen weiß - was kein Schaden sein muss, hatte die Hochschule doch nach der Jahns-Krise große Finanzprobleme. Andererseits wird sie ihre in den vergangenen Jahren durch Hiobsbotschaften geplagten Mitarbeiter vermutlich nicht durch kräftige Gehaltserhöhungen motivieren können. In den Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, die von der SRH betrieben würden, verdiene man „deutlich schlechter als im Öffentlichen Dienst“, sagt Verdi-Vertreterin Binder. Dass an Privathochschulen weniger gezahlt werde als in staatlichen Einrichtungen, sei aber ein „generelles Problem“, meint Karla Neschke vom Hochschullehrerbund. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Berufsverbandes, der Fachhochschullehrer vertritt, bezeichnet SRH als „unauffälligen“ Arbeitgeber. Klagen darüber, dass der Konzern in seinen Bildungsstätten die Rendite über alles stelle, sind ihr noch nicht zu Ohren gekommen.

          SRH-Sprecher Birschmann betont, dass wirtschaftliche und akademische Angelegenheiten in den Hochschulen der Holding streng getrennt behandelt würden. So werde es auch in Oestrich und Wiesbaden gehandhabt. „Als Gesellschafter sind wir verantwortlich für die wirtschaftliche Führung der EBS gGmbH.“ Für die Inhalte von Forschung und Lehre seien die akademischen Gremien zuständig. Deren Sache sei es auch zu entscheiden, ob die EBS wieder einen Präsidenten bekommen oder wie derzeit von einem Präsidialteam geführt werden solle.

          „Festanstellung, unbefristet, mit Festgehalt“

          Gerne werden Gewerkschafter hören, was Birschmann zum Thema Arbeitsverhältnisse sagt. Die SRH-Hochschulen stellten ihre Mitarbeiter „in der Regel“ fest an; es gebe „bei weitem“ nicht so viele befristete Verträge wie an staatlichen Unis. Eher gering sei auch der Anteil der variablen Lohnbestandteile. „Festanstellung, unbefristet, mit Festgehalt, das ist bei uns das normale Modell.“

          Negativ aufgefallen ist die SRH in Frankfurt allerdings auch einmal - nicht wegen ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse, sondern durch den Streit an der Mundanisschule, die 2010 mit der SRH als Partner und Kapitalgeber gegründet worden war. 2014 wurde dem Schulleiter nach einer Auseinandersetzung mit dem Träger gekündigt, es kam zu einem Prozess vor dem Arbeitsgericht. In dem Konflikt war es auch um die wirtschaftliche Situation der Schule gegangen. Ein Sprecher der Holding hatte damals wissen lassen, die SRH sei zwar kapitalstark, aber „kein Subventionsbetrieb“. 2015 verkaufte das Unternehmen die Mundanisschule an den Arbeiter-Samariter-Bund.

          „Unbefriedigend“ sei diese ganze Angelegenheit gewesen, sagt Sprecher Birschmann rückblickend - auch wenn die SRH vor dem Arbeitsgericht „in allen Punkten recht bekommen“ habe. Solche misslichen Geschichten könnten eben passieren, „wenn man auf die falschen Leute setzt“. Auch das wird man in der EBS zur Kenntnis nehmen: Wenn es schlecht läuft, ist der neue Eigentümer um Ausstiegsstrategien nicht verlegen.

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