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Perspektiven für Architekten : Sie bauen auf das Ausland

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Tresckow

Prestigeträchtig ist das Architekturstudium noch immer. Dabei sieht der Arbeitsmarkt für Architekten in Deutschland seit Jahren schlecht aus. Viele gut ausgebildete Absolventen kehren darum ihrer Heimat den Rücken - manche für immer.

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          So fühlt sich eine Krise an. "Nach meinem Diplom rief ich in Architekturbüros an, die noch junge Mitarbeiter suchten", erzählt Christina Mayer. "Dann erfuhr ich zunächst, dass bis zu 1000 Bewerbungen eingegangen sind. Und dass die Stellen, die zu besetzen waren, unglaublich schlecht bezahlt werden." Auch die Praktika, die sie während des Studiums absolviert hatte, halfen nicht weiter. Fast alle Architekturbüros verkündeten einen Einstellungsstopp oder Stellanabbau, einige mussten sogar schließen. Christina Mayer war 27 Jahre alt, hatte einen Abschluss von der RWTH Aachen - aber für einen Berufseinstieg in Deutschland sah sie keine Chancen.

          Zwei Jahre sind seitdem vergangen, verändert hat sich die Situation kaum. Selbst die besten Absolventen suchen lange Zeit nach einer bezahlten Stelle. Unterbezahlt, oft sogar unbezahlt, nehmen sie Praktika an, um doch irgendwie Fuß zu fassen. Nur in wenigen Fällen führte dies zum Erfolg. Dabei ist die Mitarbeit in einem etablierten Büro von existentieller Bedeutung. Denn nur wer - je nach Bundesland - zwei bis drei Jahre fest in einem in die Architektenrolle eingetragenen Büro gearbeitet hat, darf sich später selbständig machen. Als "Architekt im Praktikum" wird diese Zeit oft bezeichnet, erst danach ist man "Architekt" und darf etwa Bauanträge einreichen.

          Da geht man lieber ins Ausland

          Doch immer weniger junge Architekten gehen tatsächlich diesen Weg. "Architekten sind vielleicht leidensfähiger, was ihren Beruf angeht. Da geht man lieber ins Ausland, als etwas anderes zu machen", sagt Christina Mayer. Die Leidensfähigkeit wird schon im Studium getestet. Regelmäßig müssen bis in die Nachtstunden Modelle gebaut oder Prüfungen vorbereitet werden. Dafür zeugt der Abschluss dann von großer Kompetenz und hoher Einsatzbereitschaft. Im Ausland sind deutsche Diplomanden daher gerne gesehen - wie auch Christina Mayer. In ihrer alten Heimat wurde sie mit ihrem Abschluss mit offenen Armen empfangen, nun ist sie im Denkmalamt von Luxemburg für den Aufbau der Inventarisation zuständig und untersteht direkt der Staatskonservatorin Christiane Steinmetzer. "Ich liebe meine Arbeit", berichtet Mayer. "Eine vergleichbare Stelle in Deutschland zu bekommen, die auch noch ähnlich gut bezahlt wird, das ist undenkbar. Außerdem kann ich hier viele interessante Projekte betreuen und Neues aufbauen." In Luxemburg selbst kann man nicht Architektur studieren, der Nachwuchs geht nach Deutschland oder Frankreich - und kehrt danach gut ausgebildet in das Großherzogtum zurück.

          Auf dem deutschen Arbeitsmarkt mag es zu wenige Ingenieure geben, Architekten gibt es zu viele. Die Bevölkerung schrumpft, es werden weniger Häuser gebaut. Zudem hat die ostdeutsche Bausubstanz inzwischen einen hohen Standard erreicht, auch dort wird nicht mehr viel investiert. Die Zahl der Architekturstudenten aber ist deutlich schwächer gesunken als etwa bei den Bauingenieuren. Jetzt fordern die Architektenkammern, die Zahl der Studienplätze drastisch zu reduzieren.

          Bauboom nicht zu erwarten

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