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Pensionierte Professoren : Ruhelos am Lehrerpult

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z./Tresckow

Viele Professoren wollen länger arbeiten als bis zum 65. Geburtstag. Sie halten auch im Alter noch Vorlesungen und Seminare. Für junge Wissenschaftler und Studenten kann das ein Segen sein - oder ein Fluch.

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          Mit einer in Jahrzehnten erworbenen Routine bereitet Kersten Krüger sein Hauptseminar vor. Rund 40 Studenten der Universität Rostock sitzen dem 71 Jahre alten Historiker gegenüber. Neben dem graumelierten Hochschullehrer liegen diverse Kabel, er stöpselt Laptop, Beamer und Lautsprecher zusammen, anschließend zieht er seine Präsentation vom USB-Stick. Schon seit sechs Jahren könnte Krüger seinen Ruhestand genießen, aber von der Lehre will er nicht lassen – und wie ihm geht es vielen Wissenschaftlern: In einer Umfrage des Deutschen Hochschulverbands unter pensionierten Professoren sagten mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie sich eine Verlängerung ihrer Dienstzeit gewünscht hätten. Neun von zehn sind demnach noch mindestens 20 Stunden in der Woche wissenschaftlich tätig, und jeder Dritte bietet weiterhin Lehrveranstaltungen.

          Bleiben die Quoten gleich, wird sich die Zahl der Hochschullehrer im Unruhestand in den nächsten Jahren deutlich vergrößern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ermittelt, dass zwischen 2008 und 2014 ein Drittel aller Professoren an den deutschen Hochschulen das Ruhestandsalter erreicht. Ob es zulasten zeitgemäßer Unterrichtsmethoden und aktueller Forschungsthemen geht, wenn sie weiterhin im Hörsaal stehen? Krüger schüttelt den Kopf. „Die Qualität der Lehre hängt von der Person ab, nicht am Alter“, sagt er. Ihn persönlich motiviere nicht zuletzt die große Zahl der Studenten in seinen Seminaren zum Weitermachen. Zwei Veranstaltungen im Semester umfasst sein Arbeitspensum, sie gehören zu den beliebtesten am Institut. Außerdem bereitet Krüger die 600-Jahr-Feier der Rostocker Universität 2019 vor, er betreut dafür zwei Datenbanken, in denen alle Professoren und Studenten der Hochschule seit 1419 aufgeführt werden sollen.

          „Beachtliche Medienkompetenz“

          Bei den Rostocker Studenten von heute punktet Krüger mit seiner lockeren Art und seiner Flexibilität: Weder an einer Teilnehmerbegrenzung noch an Referatsvorgaben halte er starr fest, lobt beispielsweise Henning Rohrmann. Der 24 Jahre alte Lehramtsstudent besucht nun schon seit mehreren Semestern in Folge Veranstaltungen des fast ein halbes Jahrhundert älteren Emeritus. „Seine Medienkompetenz ist für sein Alter beachtlich“, lobt er. Der Einsatz internetbasierter Lernplattformen und die klar strukturierten Folien seien den Textwüsten einiger anderer, auch junger Kollegen, überlegen.

          Skeptisch steht dagegen Arvin Peschel von der Freien Universität Berlin der Weiterbeschäftigung pensionierter Professoren gegenüber. „Die Altersgrenze mit 65 Jahren ist richtig“, erklärt der Hochschulreferent des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Laufen Professuren aus, sollten diese auch neu besetzt werden, damit die Qualität der Lehre nicht sinke. Andernfalls würden Pensionäre oder junge Akademiker nur als billiger Ersatz für Vollprofessuren missbraucht, das schade den Arbeitsbedingungen aller.

          Kombination aus Jung und Alt

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