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Studenten-Spezial : Wo bitte geht’s zum Studium?

Abi in der Tasche, Studium im Visier - und jetzt? Bild: ddp

Wer zum ersten Mal an eine Uni kommt, fühlt sich schnell überfordert: So viele Fächer, so viele Kurse, kurz: so viele Möglichkeiten. Ein Wegweiser und der Start unserer Mini-Serie für Studenten und solche, die es werden wollen.

          4 Min.

          Am liebsten wäre Katharina an diesem Morgen im Bett geblieben. Der Abend war lang, die Nacht kurz, und Lust auf diesen Probe-Uni-Tag hat sie eigentlich auch nicht. Aber dann ist sie doch aufgestanden und hat sich zum Bahnhof gequält. Wenn sie es schon heute nicht schafft, wo soll das dann erst in ein paar Monaten enden, hat sie sich gefragt.Wenigstens ist Fiona dabei, Katharinas bester Kumpel. Aber ihre Freundschaft wird heute auf eine harte Probe gestellt: Fiona will sich eine BWL-Vorlesung anschauen. „Da bekommen mich keine zehn Pferde rein“, sagt Katharina und schüttelt energisch den Kopf. Sie will es mal mit Jura probieren.



          Lohnt sich die Büffelei?
          Wer soll das
          bezahlen?
          Hab' ich
          genug Geld?
          Welche Uni?
          Welches Studium?
          Wo studieren?
          Ohne Abi
          studieren?


          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Als sich die beiden Abiturientinnen vor ein paar Wochen überlegt hatten, auf eigene Faust einen Tag an die Goethe-Universität nach Frankfurt zu fahren, um einen Eindruck vom Studium zu bekommen, schien das alles noch wie ein großer Spaß. Als dann Fiona davon erzählte, dass sie sich ernsthaft für ein Wirtschaftsstudium interessiert, war Katharina überrascht bis geschockt. Sie hatten doch beide Deutsch-Leistungskurs und fanden Mathe eigentlich nervig.

          Katharina hatte das Gefühl, eine ganz neue Seite an ihrer Freundin kennenzulernen. Aber sie merkte, auch bei ihr selbst änderte sich gerade eine ganze Menge. Eigentlich ist sie gut organisiert. Sie hat nie verschlafen, hat vor Klassenarbeiten immer früh genug mit dem Lernen begonnen, und auch durch die schriftlichen Abi-Prüfungen ist sie dem Gefühl nach ganz gut durchgekommen. Immer war da nur ein Ziel: endlich Abi. Dann käme ein langer freier Sommer und dann im Herbst irgendein Studium, dachte sie.

          „O Gott, ich glaube, ich werde gerade total spießig“

          Nun hat sie ihr Abi fast in der Tasche, der lange freie Sommer steht vor der Tür, und Katharina hat keine Ahnung, was danach kommen soll. Studieren, o. k., nur was? So geht es vielen der Tausenden von Abiturienten, die dieses Jahr ihre Hochschulreife machen. 432.700 Schüler waren es im vergangenen Jahr, etwa die Hälfte von ihnen ging direkt an eine Universität oder Fachhochschule. Als Fiona zum ersten Mal ein Vorlesungsverzeichnis mitbrachte, war Katharina erst begeistert, dann wurde ihr übel. So viele Möglichkeiten.

          Die Freundin holte sie auf den Teppich zurück. Früher war sie eher nachlässig, jetzt schien sie schon einen Plan von ihrer Zukunft zu haben. Vieles sei doch total uninteressant für sie, sagte sie zu Katharina. So blieben doch gar nicht mehr so viele Studiengänge übrig, zwischen denen sie wählen müsste. Aber war das überhaupt der richtige Ansatz, ein Studienfach nur nach persönlichen Interessen wählen? Ihre Eltern ließen Katharina jede Wahl - was die Sache auch nicht einfacher machte.

          Sie hatte während der Schulzeit mal ein Praktikum bei einem Architekten gemacht, aber für das Studium wird eine Mappe mit Zeichnungen verlangt. Zu aufwendig. Dann vielleicht was mit Marketing? „Und dann immer wie eine Tussi im Hosenanzug herumstakeln? Nee.“ Da lag Jura noch am nächsten. Damit kann man in vielen Feldern arbeiten, hat aber auch eine recht sichere Berufsaussicht. Das ist Katharina ebenfalls wichtig. Ihr Vater ist Lehrer und Beamter. „Das ist auch nicht schlecht, so mit sicherem Arbeitsplatz und Pension.“ Dann schüttelt sie wieder den Kopf. „O Gott, ich glaube, ich werde gerade total spießig.“

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