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Frauenförderung : Ökonominnen sollen mehr Anerkennung bekommen

  • -Aktualisiert am

CEPR-Präsidentin Beatrice Weder di Mauro (Bild aus 2013) Bild: Frank Röth

Die Wirtschaftswissenschaften sind nach wie vor eine Männerdomäne. Doch eine neue Initiative will jetzt gegen die Benachteiligung von Frauen ankämpfen. In Deutschland ist die Lage besonders schlecht.

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          Wer auf der wichtigsten Jahrestagung der Volkswirtschaftslehre im Januar in Atlanta durch das Plenum blickte, sah dort sehr wenige Frauen. Die Wirtschaftswissenschaften sind auch nach Jahrzehnten des langsamen Fortschritts noch eine Männerdomäne. Die Ökonomen sprechen von einer „undichten Pipeline“, die dazu führt, dass zwar zwischen 30 und 35 Prozent der Bachelor-Studierenden, aber nur 13 Prozent der Professoren an amerikanischen Wirtschaftsfakultäten weiblich sind – und die Zahlen stagnieren seit Jahren.

          Das Forschungsnetzwerk Centre for Economic and Policy Research (CEPR) will das ändern und stellt nun in einer neuen Initiative „Women in Economics“ zusammen mit der Schweizer Bank UBS die Leistungen weiblicher Ökonominnen in den Vordergrund. Ein Komitee soll in den nächsten drei Jahren 30 herausragende Ökonominnen auswählen, deren Arbeit in Videos auf dem vom CEPR betriebenen Webportal „VoxEU“ vorgestellt werden soll.

          Den Anfang macht die belgische Arbeitsmarktökonomin Marianne Bertrand von der Universität Chicago. Sie forscht unter anderem zu Rassendiskriminierung, Anreizen in der Managervergütung und Arbeitsmarktregulierung und wurde dafür vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Im Mai wird ihr die MIT-Professorin Esther Duflo folgen, die aufgrund ihrer bahnbrechenden experimentellen Forschung in der Entwicklungsökonomik immer wieder als Anwärterin auf den Wirtschaftsnobelpreis gehandelt wird. Bisher hat ihn in 50 Jahren erst einmal eine Frau gewonnen – Elinor Ostrom.

          Benachteiligung von Frauen rückt in den Blick

          CEPR-Präsidentin Beatrice Weder di Mauro sagte dazu der F.A.Z.: „Unser Ziel ist es, sowohl der breiteren Öffentlichkeit als auch den jüngeren Frauen in der Fachrichtung zu zeigen: Es gibt solche Erfolgsgeschichten. Es gibt hervorragende Wissenschaftlerinnen in der Volkswirtschaftslehre. Gerade in unserem Fach konzentriert sich die Aufmerksamkeit oft auf ein paar wenige. Das wollen wir ändern.“ Das Projekt füge sich gut in das Ziel des CEPR ein, aktuelle Forschung mit politischer Relevanz zu fördern und ihr mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

          Entscheidend sei aber die Forschungsexzellenz. Die Serie werde ein breites Spektrum von der Entwicklungs- über die Medienökonomie bis hin zur theoretischen Geldpolitik abdecken. Weder di Mauro war von 2004 bis 2012 als erste Frau Mitglied des deutschen Sachverständigenrates der „Wirtschaftsweisen“. Neben ihr und Vizepräsidentin Hélène Rey gehört dem Auswahlkomitee der Nobelpreisträger Jean Tirole an.

          Die Benachteiligung von Frauen ist in der Volkswirtschaftslehre zuletzt stärker in den Blick gerückt. Die American Economic Association (AEA), eine der größten Vereinigungen von Ökonomen, veröffentlichte im März Ergebnisse einer Mitgliederumfrage, mit der sie auf prominente Fälle sexueller Belästigung reagierte.

          Kaum Frauen auf akademischen Positionen

          Etwa die Hälfte der befragten Frauen gab an, schon einmal aufgrund ihres Geschlechts ungerecht behandelt worden zu sein. Unter den Männern sagten dies nur drei Prozent. Hunderte Frauen berichteten außerdem von unangemessenem und sexuell übergriffigem Verhalten ihrer männlichen Kollegen, auch direkter Vorgesetzter. Der AEA-Vorsitzende Ben Bernanke nannte die Ergebnisse „sehr verstörend“. Es sei nun sein Ziel, „den grundlegenden Anstand“ wiederherzustellen.

          Eine wachsende Zahl von Studien belegt inzwischen die Benachteiligung der Ökonominnen. Die Berkeley-Studentin Alice Wu hat ermittelt, dass in einem unter Ökonomen bekannten Internetforum über weibliche Wissenschaftlerinnen signifikant öfter in sexualisierter Sprache gesprochen wird als über männliche Kollegen.

          Und ein Forschungsprojekt des Frankfurter Professors Gerhard Friebel zeigt, dass gerade in Deutschland die Situation der Ökonominnen besonders schlecht ist: Hier sind nur 21 Prozent der akademischen Positionen für Volkswirte mit Frauen besetzt. Möglicherweise habe das auch mit der weitverbreiteten „Macho-Kultur“ des Fachgebiets zu tun, sagt Friebel.

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