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Lob für deutsche Bildung : Viele Studenten – die OECD freut’s

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Lieber Hörsaal oder Werkbank? Die OECD lobt mittlerweile das „sowohl als auch“. Bild: dpa

Muss bald jede Krankenschwester studieren? Macht bald keiner mehr eine Lehre? Die Kontroverse ist in Deutschland groß. Dass es oft Schelte von der OECD wegen niedriger Studierendenquoten gab, befeuerte das noch. Doch dieses Jahr verteilt die Industrieländer-Organisation Lob.

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          Die beruflichen Chancen junger Menschen sind in Deutschland mit seinem dualen Bildungssystem deutlich besser als in den anderen großen Industrienationen. Das geht aus dem Bericht „Bildung auf einen Blick 2015“ hervor, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Laut Vergleichsdaten für 2014 lag die Quote der 20- bis 24-Jährigen, die nach ihrer Schulzeit weder eine Arbeit hatten noch in Aus- oder Weiterbildung waren, hierzulande bei 10,1 Prozent - im Durchschnitt der OECD-Staaten dagegen bei 17,9 Prozent.

          Dem Bericht zufolge geht es vor allem bei der höheren Bildung in Deutschland aufwärts: Rund 53 Prozent eines Jahrgangs beginnen mittlerweile ein Studium oder einen anderen sogenannten tertiären Bildungsgang wie Meister oder Techniker. Allerdings liegt der OECD-Schnitt mit 60 Prozent noch ein gutes Stück darüber.

          In der Vergangenheit war Deutschland von der OECD immer wieder für seine relativ geringe Studierendenquote gerügt worden. Dieses Jahr hat die Organisation ihren Tonfall geändert und die zunehmende Akademisierung, jedoch auch die berufliche Bildung hierzulande gelobt. Während in Deutschland oft Kritik an studierten Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Physiotherapeuten geübt wird, scheint die Entwicklung international gut anzukommen.

          Die OECD vergleicht in ihrem Bericht die Bildungssysteme in verschiedenen Industrieländern. Der OECD gehören derzeit 34 Länder an. Mitglieder sind neben Deutschland und anderen europäischen Staaten unter anderem die Vereinigten Staaten, Japan und Mexiko.

          Gute Integration ins Erwerbsleben

          In Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Spanien und Italien war die Quote der jungen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren ohne Integration ins Erwerbsleben deutlich schlechter als in Deutschland. Bessere Werte verzeichneten nur Luxemburg , Island  und Norwegen, etwas schwächer schnitten die Niederlande, Österreich, Tschechien, Dänemark, Schweden und die Schweiz ab.

          Besonders häufig entscheiden sich deutsche Schulabgänger für ein Studium oder eine Ausbildung im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Während im OECD-Durchschnitt nur 26 Prozent der jungen Leute diese Fachrichtungen wählten, sind es in Deutschland mittlerweile schon 40 Prozent. Was Bundesbildungsministerin Johanna Wanka heute als „zukunftsweisend“ für unser „Technologieland“ lobte, war jüngst in der Wissenschaft kontrovers diskutiert worden: Forscher des Berliner DIW warnten vor steigenden Arbeitslosenzahlen im MINT-Bereich aufgrund eines drohenden „Schweinezyklus“. Die Argumentation: Weil so viel für MINT-Ausbildungs- und Studiengänge geworben werde, gebe es mittelfristig ein Überangebot an Absolventen, das der Markt nicht mehr aufnehmen könne. Andere Institute, wie etwa das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, hatten diese Darstellung jedoch zurückgewiesen.

          Gute Voraussetzungen für Migranten und Flüchtlinge

          Laut OECD-Jahresbericht trugen „die gute Konjunktur, aber auch die leistungsfähige berufliche Bildung“ dazu bei, jungen Menschen in der Bundesrepublik den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Mit dem dualen System – der Kombination von betrieblicher Lehre und Berufsschule – habe Deutschland „gute Voraussetzungen“, auch die Arbeitsmarktintegration von Migranten zu stemmen, sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär Stefan Kapferer.

          Die Beschäftigungsquoten in Deutschland waren bei allen Bildungsabschluss-Niveaus über dem OECD-Durchschnitt, hieß es weiter. Der Anteil der Erwerbstätigen unter den Hochqualifizierten – etwa mit Studienabschluss – liege bei herausragenden 88 Prozent. Ein höherer Bildungsabschluss versetze demnach eher in die Lage, sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen, so das OECD-Fazit.

          Kapferer verband mit den neuen Zahlen die Empfehlung, den Weg zu mehr hoher Bildung weiterzugehen: „Demografiebedingt wird in den kommenden Jahren in Deutschland eine vergleichsweise große Zahl an Hochqualifizierten aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die entstehende Fachkräftelücke kann nur geschlossen werden, wenn sich der Anteil gut ausgebildeter Jugendlicher an den zahlenmäßig schwächeren, nachrückenden Jahrgängen weiter erhöht.“

          Der OECD-Bericht nimmt auch die in Deutschland lange vernachlässigte frühkindliche Bildung etwa in Kitas oder bei Tagesmüttern in den Blick und registriert „gute Fortschritte auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit“. Knapp zwei von drei Zweijährigen (2013: 59 Prozent) nehmen solche Angebote wahr – mehr als im OECD-Durchschnitt (39 Prozent). Die allermeisten Dreijährigen (92 Prozent) genießen jetzt eine Vorschulbildung – 2005 waren es nur 80 Prozent. „Gerade Kinder mit Migrationshintergrund oder die neu ankommenden Flüchtlingskinder“ könnten in Kitas ihr Deutsch verbessern, betonten Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brunhild Kurth (beide CDU). „Dieser erste Schritt in unser Bildungssystem ist für einen erfolgreichen Bildungsweg besonders wichtig.“

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