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Numerus clausus in Medizin : Eins Komma null

  • -Aktualisiert am

Ärzte sind gefragt in Deutschland. Mediziner werden kann trotzdem bei weitem nicht jeder. Bild: ddp

Der Numerus clausus für Medizin ist zum Symbol geworden: Er steht für ein extrem begehrtes, oft aber unerreichbares Fach. Für geplatzte Träume und die Suche nach anderen Wegen ans Ziel. Davon gibt es zwar einige - aber sie sind auch riskant.

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          So unterschiedlich die Bundesländer in Bildungsfragen auch sein mögen - was das Medizinstudium betrifft, ergibt sich ein erstaunlich einheitliches Bild. Betroffene würden es eher erschreckend nennen. Vielleicht auch niederschmetternd. Beim Numerus clausus (NC) jedenfalls, neben der Wartezeit und Auswahltests das zentrale Kriterium für Zu- oder Absage, müsste Interessierte Panik überkommen. Die Auswahlgrenze für das Wintersemester 2015/2016 lag laut der Zulassungsstelle hochschulstart.de für Abiturienten aus Bayern bei einem NC von 1,0. Baden-Württemberg: 1,0. Berlin: 1,0. Hessen: 1,0. Nordrhein-Westfalen: 1,0. Sachsen: 1,0. Mecklenburg-Vorpommern: 1.0. Und so weiter, und so weiter. Anders sieht es nur in Schleswig-Holstein und Niedersachsen aus. Hier lag die Grenze jeweils bei 1,1. Spitzenwerte von Süd bis Nord, von West bis Ost. Willkommen also im Land der sehr begrenzten Möglichkeiten.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wem Zynismus nicht fremd ist, könnte sagen, dass der dornige Weg zum Traumstudium selbst verschuldet ist. Schließlich ist der Ansturm auf die medizinischen Fakultäten und ihre insgesamt 10.000 Studienplätze so gewaltig, dass es ohne Beschränkungen nicht geht - und das in Zeiten des Ärztemangels mit Tausenden unbesetzten Stellen allein in Krankenhäusern. Immerhin, nur 20 Prozent der verfügbaren Plätze gehen derzeit an die Abiturbesten, 20 Prozent werden über ihre Wartezeit zugelassen, 60 Prozent über die Auswahlverfahren der Hochschulen - in denen die Abiturnote allerdings auch eine bedeutende Rolle spielt.

          Deshalb kursieren auch immer wieder Geschichten, dass Abiturienten mit Bestnoten nur deshalb Medizin studieren, weil sie einen Schnitt von 1,0 haben - und nicht etwa, weil sie sich ernsthaft für Medizin interessieren. So wie zum Beispiel jene Bewerber, die zwar keine Spitzennote mitbringen, dafür aber jede Menge Wartezeit. Wie ausdauernd viele auf den ersehnten Studienplatz warten müssen, zeigt schon die Wartezeitquote im Wintersemester 2015/16. Sie lag bei sieben Jahren. In der Zeit haben andere schon längst ihre Lehre oder ihr Studium abgeschlossen und reichlich Berufserfahrungen gesammelt.

          „Volkswirtschaftlicher Wahnsinn“

          Kein Wunder also, dass es an kerniger Kritik am Zulassungsverfahren nicht fehlt. „Es ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn, dass wir einerseits Mediziner aus anderen Ländern zu uns holen, andererseits Tausenden in Deutschland den Zugang zu einem Medizinstudium verwehren“, sagt zum Beispiel Dirk Naumann zu Grünberg. Der Jurist ist Spezialist für Hochschulrecht und Mitinitiator der Online-Plattform Medistart, die Studienplätze für Medizin im Ausland vermittelt. Damit steht er für zwei alternative Wege an Krankenbett und Operationstisch: die Klage auf einen Studienplatz in Deutschland und das Studium jenseits der Grenzen, zum Beispiel in Budapest, Vilnius, Riga, Lodz, Nikosia oder Bratislava. Um nur einige zu nennen.

          An einem Informationstag im Februar im vornehmen Frankfurter Stadtteil Westend wartet die klassische Klientel auf zu Grünberg, um zur Beratung vorgelassen zu werden: ein Arzt mit Tochter, etwas angespannt, aber erwartungsfroh. Einmal im Monat lädt Medistart in vier deutsche Großstädte ein, um über ein Medizinstudium im Ausland zu informieren, jeweils 60 bis 100 junge Leute kämen da zusammen. Die meisten von ihnen seien Kinder von Ärzten und Hochschullehrern, das sei die Hauptklientel. „Es sind aber grundsätzlich alle Bevölkerungschichten vertreten“, sagt zu Grünberg. Die Aussichten klingen verlockend: ein Studienplatz ohne NC und Wartezeit, dazu keine Probleme mit der Anerkennung hierzulande. Das Ganze bei intensiver Vorbereitung und mit Betreuung vor Ort. Der Abschluss in Lodz zum Beispiel werde sogar in den Vereinigten Staaten anerkannt.

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