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Mobilität von Studenten : Fallstricke vor dem Auslandssemester

Bild: F.A.Z./Tresckow

Die Hochschulreform sollte die Mobilität der Studenten stärken. Das Gegenteil ist der Fall: Im Bachelor-Studium muss ein Auslandssemester minutiös geplant werden. Deshalb fordern Experten jetzt eine Verlängerung der Regelstudienzeit.

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          Wenn ein Unternehmen 20 Prozent weniger Umsatz macht, spricht man von einer Krise. Das International Center der Universität Kiel hat im vergangenen Jahr noch 340 Studenten ein Auslandssemester vermittelt, für das laufende Jahr plant es nur noch mit 270, ein Rückgang um 20 Prozent also. Aber Martina Schmode, die Leiterin des Auslandsamts, ist davon nicht negativ, sondern positiv überrascht. „Ich hatte einen viel größeren Einbruch befürchtet“, sagt sie.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Bologna“ hieß der Grund für Schmodes Pessimismus, und eigentlich ist das paradox: Denn die nach der italienischen Universitätsstadt benannte Hochschulreform, auf die sich die Bildungsminister aus 26 europäischen Staaten geeinigt haben, sollte die Mobilität von Studenten und Dozenten stärken. Zu diesem Zweck wurden vergleichbare Studiengänge und übertragbare Leistungspunkte eingeführt. Elf Jahre nach dem Ministertreffen sind sich die meisten Betroffenen und Beobachter einig, dass genau das Gegenteil geschehen ist.

          Jutta Allmendinger, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, hat dies nun auch der Bundesregierung aufgeschrieben. Im Gutachten der Expertenkommission für Forschung und Innovation stellt die Soziologin fest, dass die Reform ihr Ziel nicht erreicht hat. Dasselbe Resultat legt die Statistik des Unternehmens Hochschul-Informations-System (HIS) nahe, die für die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge eine deutlich geringeren Anteil von Studenten mit Auslandsaufenthalt ermittelt hat als für die in den auslaufenden Studiengängen eingeschriebenen. Nur zum Teil erklärt diesen Unterschied der Umstand, dass Bachelor-Studenten im Durchschnitt jünger sind als Magister- und Diplomstudenten und ein Auslandsaufenthalt immer schon eine Sache für fortgeschrittene Semester war.

          Bild: F.A.Z./Tresckow

          Bürokratische Fallstricke

          Die Studienreform hat über den Weg ins Ausland bürokratische Fallstricke gespannt, die sich aus der Modularisierung der Studiengänge ergeben. Wer die Regelstudienzeit einhalten will, muss im Ausland im Prinzip dieselben Kurse finden, die der Studienplan in der Heimat vorsieht. „Dadurch hat sich der Anspruch an die Beratung verändert“, berichtet Alexandra Michel vom Unternehmen College Contact in Münster, das Studenten an Hochschulen im englisch- und spanischsprachigen Ausland vermittelt; nicht die Studenten, sondern die Hochschulen bezahlen dafür. „Niemand fährt mehr einfach so los, stattdessen wird das Auslandssemester minutiös geplant.“

          Da sich die Semesterzeiten, die Bezeichnung von Lehrveranstaltungen und auch der an den Leistungspunkten ablesbare Zuschnitt der Kurse aber von Land zu Land unterscheiden und die von den Hochschulen bereitgestellten Informationen nicht immer leicht zu finden sind, haben die Berater von College Contact gut zu tun. „Wir sind jedenfalls kein Verlierer der Bologna-Reform“, räumt Alexandra Michel ein. Über weniger Arbeit klagt denn auch Martina Schmode vom Kieler International Center trotz der sinkenden Zahl der Austauschstudenten nicht. „Jede einzelne Auslandsberatung ist jetzt fast schon eine komplette Studien- und Karriereberatung“, berichtet sie.

          Planung schon im ersten Semester

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