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Mobilität im Studium : Ingenieure bleiben lieber zu Hause

  • -Aktualisiert am

Kein Zugang: Angehende Ingenieure erweisen sich als Auslandsmuffel Bild: © fotolia.com

23 Prozent aller deutschen Studenten gehen ins Ausland. 35 Prozent zieht es hingegen gar nicht in die Ferne. Die größten Stubenhocker sind für ein ingenieurwissenschaftliches Fach eingeschrieben.

          2 Min.

          Ein paar Monate im Ausland erweitern den Horizont. Das bekommen schon die Erstsemester wieder und wieder zu hören. Trotzdem hält sich die Reiselust deutscher Hochschüler in Grenzen. Nur 23 Prozent aller Studenten haben schon einen studienbegleitenden Aufenthalt in einem anderen Land hinter sich - also ein Fachsemester, ein Praktikum, eine Exkursion, Projektarbeit oder ähnliches. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) im Studienjahr 2006 / 2007.

          Mediziner schauen mal kurz über die Grenze

          Im Bundesbildungsministerium wünscht man sich, dass mindestens die Hälfte aller Hochschüler zeitweise ins Ausland gehen. Mindestens 20 Prozent sollen sich für ein Fachsemester an einer fremden Uni immatrikulieren. Der Exportweltmeister Deutschland brauche die internationalen Erfahrungen der Nachwuchsakademiker, sagte ein Vertreter des Ministeriums bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Doch die HIS-Umfrage zeigt, dass die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, während des Studiums noch sinkt. Geben im ersten Semester nur 20 Prozent der Studenten an, dass es sie gar nicht in die Ferne zieht, steigt die Zahl während des Studiums auf 35 Prozent. Das hängt nach den Erkenntnissen des HIS vor allem mit fehlendem Geld zusammen. Außerdem wird über mangelhafte Unterstützung von Seiten der heimatlichen Hochschule geklagt. Manche Studenten wollen sich nicht für mehrere Monate von ihrem Partner trennen. Angehende Ärzte, Sprach- und Kulturwissenschaftler sind am ehesten bereit, ihre Koffer zu packen. „Die Mediziner fahren vor allem zu kurzfristigen Praktika ins Ausland“, sagt Ulrich Heublein vom HIS. Die größten Stubenhocker sind die angehenden Ingenieure. Gerade einmal 16 Prozent entscheiden sich fürs Ausland. Über die Gründe können die Mitarbeiter des HIS nur spekulieren. Möglicherweise sorgt der gute Ruf der deutschen Ingenieursausbildung dafür, dass sich die Studenten mit dem begnügen, was hiesige Hochschulen zu bieten haben.

          Universitätsstudenten sind deutlich mobiler als ihre Kommilitonen an Fachhochschulen. Die beliebtesten Zielländer sind Großbritannien und Frankreich mit je 15 Prozent der Studenten. Es folgen die Vereinigten Staaten mit elf Prozent, Spanien mit acht und Italien mit sieben Prozent. Die meisten Hochschüler wollen nach Westeuropa, das sie von zurückliegenden Urlaubsreisen wohl schon kennen. Ins benachbarte Polen oder in andere osteuropäische Staaten zieht es hingegen nur wenige, was an den sprachlichen Barrieren liegen mag. Die meisten Studenten sind mit dem Auslandsaufenthalt zufrieden. Jeweils mehr als 80 Prozent geben an, dass sie „mit der Mentalität der Einheimischen zurecht“ gekommen sind und „viel von einer anderen Arbeits- und Lebenskultur erfahren“ haben. „Der kulturelle, soziale und sprachliche Ertrag ist oft höher als der Zugewinn an Fachkenntnissen“, sagt Ulrich Heublein vom HIS.

          Bildungsmesse soll Fernweh wecken

          Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl derer, die während des Studiums ins Ausland gehen, in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 1994 waren es 38.464 Hochschüler, im Jahr 2004 schon 68.292. Skeptiker befüchten allerdings, dass diese Zahl mit der Einführung des Bachelors stagnieren oder sogar zurückgehen könnte. „Wir erleben, dass sich wenige Hochschüler als früher für das Ausland entscheiden aus Angst, dass ihre Studienleistungen zu Hause nicht anerkannt werden“, sagt etwa Reinhold Wulff, Skandinavistikdozent an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die stark verschulten Strukturen der Bachelorstudiengänge führen dazu, dass die Rückkehrer in manchen Fächern bisweilen ein ganzes Jahr auf einen bestimmten Pflichtkurs warten müssen. Die Befürchtung, dadurch Zeit zu verlieren und das Examen erst wesentlich später zu machen, spielt auch nach den Erkenntnissen der HIS-Studie eine gewichtige Rolle.
          Mit einer Berliner Bildungsmesse soll nun trotzdem das Fernweh der Studenten geweckt werden. Auf der „Study World 2007“ informieren bis zum Sonnabend Vertreter in- und ausländischer Hochschulen und verschiedener Organisationen über die Möglichkeiten, sich für ein Fachsemester, ein Praktikum, eine Summer School usw. ins Ausland zu begeben. Informationen stehen auch auf der Internetseite www.go-out.de des DAAD und des Bildungsministeriums.

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