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Mensch und Maschine : Wie künstliche Intelligenz die Welt erobert

  • -Aktualisiert am

Der Mensch liegt, der Rechner lenkt: Ist das die automobile Zukunft? Bild: Rispeed AG

Können Maschinen das Gleiche lernen wie Menschen? Können sie etwa Sprache erlernen, wie ein Baby sie lernt? Ein Frankfurter Forschungs- und Kunstprojekt untersucht die spannende Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

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          Fitnessarmbänder berechnen die Biodaten ihrer Nutzer, Algorithmen entscheiden über den Erfolg großer Unternehmen, und Autos lernen, autonom zu fahren. Wird der Alltag des Menschen bald vollständig von intelligenten Maschinen bestimmt? Dieser Frage widmet sich das neue Forschungsvorhaben „Emerging Mind Project“ des Instituts für Neue Medien in Frankfurt. Initiator ist Gerd Döben-Henisch vom Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences, der das Projekt jüngst vorstellte. Mit dabei sind unter anderen der Soziologe Manfred Faßler und der Informatiker Alexander Mehler von der Universität Frankfurt.

          „Wir sprechen von smarter oder intelligenter Technologie, dabei verstehen wir bislang weder, was künstliche Intelligenz ist, noch, wer wir eigentlich sind“, sagt Döben-Henisch. Seit 2005 forscht der Theologe, Philosoph und Kognitionswissenschaftler als Professor an der Frankfurter Hochschule zu den Themen „Lernende Systeme“ und „Mensch-Maschine-Interaktion“. Er untersucht, wie Maschinen die Rolle der Menschen in der Gesellschaft verändern. „Immer mehr Arbeiten werden durch Maschinen ersetzt. Einige Algorithmen entziehen sich längst unserer Kontrolle und führen ein globales Eigenleben“, meint Döben-Henisch. Das Forschungsprojekt solle Themen der Philosophie und der Technik zusammenbringen und damit die Grenzen zwischen den Disziplinen überwinden.

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          Das „Emerging Mind Project“ ist als offenes Wissenschaftsprojekt angelegt, das nicht nur Hochschulen, sondern auch Schulen und Unternehmen ansprechen soll. Dafür wurden ein Youtube-Kanal und eine virtuelle 3D-Plattform geschaffen, auf die Nutzer weltweit zugreifen können. Döben-Henisch sagt: „Im Prinzip kann jeder hier mitmachen, entweder nur als Zuschauer oder als aktiver Mitspieler.“ Hinzu kommen eine auch von Blinden nutzbare Internetseite und mehrere Blogs, auf denen die beteiligten Forscher ihre Ergebnisse dokumentieren.

          Auch über die Lernprozesse des Menschen mehr erfahren

          Die Wissenschaftler wollen Software programmieren, mit der sie künstliche Intelligenz schaffen können. Auf diese Art wollen sie untersuchen, ob Maschinen das Gleiche lernen können wie Menschen. Döben-Henisch nennt als Beispiel den Erwerb von Sprache: In der entsprechenden Umgebung lernen Kinder, Objekte wie einen Tisch oder einen Baum zu benennen. Solche Lernumgebungen wollen die Projektmitarbeiter auf künstliche Maschinen übertragen und deren Lernprozesse verfolgen, wie Döben-Henisch erläutert: „So lernen wir nicht nur mehr über die Intelligenz der Maschinen, sondern auch mehr über die Lernprozesse von uns Menschen.“

          Zum Projekt gehört auch die Veranstaltungsreihe „Philosophy in Concert“. In ihr sollen Klänge und Texte genutzt werden, um philosophische Überlegungen künstlerisch darzustellen. „Alle reden von Innovation, aber das ist kein Automatismus. Zukunft kann nur gelingen, wenn Phantasie und Kreativität zugelassen werden“, sagt Döben-Henisch.

          Das Forschungsprojekt soll in bestehende und neue Lehrveranstaltungen integriert werden. Von April an wird zum Beispiel an der Goethe-Universität ein öffentliches Seminar angeboten, in dem Faßler und Döben-Henisch Literatur thematisieren, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Ansonsten habe das Projekt noch keinen konkreten Zeitplan. Finanziert werde es zunächst aus schon vorhandenen „Bordmitteln“, sagt Döben-Henisch und fügt hinzu: „Wir prüfen derzeit noch, wo wir öffentliche Gelder beantragen können.“

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