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MBA : Harvard schwört der Gier ab

Bild: F.A.Z./Tresckow-Alaro

Neuerdings schwören nicht nur angehende Ärzte einen Eid. Auch MBA-Absolventen geloben, der Gesellschaft Gutes tun zu wollen. Harvard hat den Anfang gemacht. Folgen bald auch deutsche Managerschulen?

          5 Min.

          Als Anfang Juni der neueste Absolventenschwung der Harvard Business School verabschiedet wurde, war das ohnehin schon feierliche Prozedere noch um einen feierlichen Programmpunkt reicher: Mehr als die Hälfte der insgesamt 900 Absolventen schworen einen Eid, den sie zuvor selbst verfasst hatten. „Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen“, versprachen sie da beispielsweise und weiter: „Ich werde stets mit der größtmöglichen Integrität handeln und meiner Arbeit in einer ethischen Weise nachgehen.“

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Eine Art hippokratischer Eid für Jungmanager? „Dieses Projekt hat klein angefangen, wir dachten eigentlich nur an unsere Abschlussklasse“, sagt Max Anderson, einer der Initiatoren des Eides. „Dass das solche Wellen schlägt, hätten wir nie gedacht.“ Was von vielen Professoren und Mit-Studenten anfangs als Idee einiger Spinner belächelt wurde, hat sich zu einer größeren Bewegung entwickelt. Zusammen mit früheren Harvard-Absolventen und Abgängern anderer Managerschmieden auf der Welt ist die Liste der Unterzeichner mittlerweile schon auf mehr als 1400 Namen gewachsen. Sie alle sind bemüht, das durch die Finanzkrise angekratzte Image des „Master of Business Administration“, kurz MBA, aufzupolieren.

          Nur weil in den Investmentbanken der Wall Street viele MBAler jene Finanzprodukte entwickelt haben, die als Auslöser der Krise gelten, ist nicht jeder automatisch ein potentieller Verbrecher - so die Botschaft des Ethikschwurs. Kritik an den MBA-Absolventen kommt nicht nur aus der breiten Bevölkerung, die auf Investmentbanker gerade schlecht zu sprechen ist, sondern auch von Arbeitgebern. So war beispielsweise kürzlich von der Boston Consulting Group (BCG) zu hören, dass die Bedeutung der Business Schools in der Rekrutierung abnehme. Und Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger kritisierte die angelsächsische MBA-Ausbildung als „ziemlich seelenlos“. Immer wieder von Kritikern angeführt wird, dass ausgerechnet Harvard den inzwischen bankrotten Energiehandelskonzern Enron und die weitgehend verstaatlichte Royal Bank of Scotland einst in Fallstudien als vorbildlich gemanagte Unternehmen dargestellt habe.

          Gegenwind ist etwas Neues

          So viel Gegenwind ist etwas Neues für die Business Schools. Lange Zeit galt die General-Management-Ausbildung an einer der Eliteschulen wie Harvard oder Insead als Königsweg in die Chefetagen der Wirtschaft. Doch die Lehrmethode - Fallstudien, Fallstudien, Fallstudien - wird heute als zu einseitig angesehen. Das große Ganze, die grundsätzlichen Fragen der Wirtschaftsordnung, bleibe dabei auf der Strecke. Rund 700 der sogenannten case studies habe er im Verlauf seiner zweijährigen Ausbildung durchgearbeitet, schätzt Harvard-Abgänger Anderson. Nun gibt es nicht nur an seiner Hochschule Diskussionen darüber, ob das nicht zu viele und vor allem zu sehr auf kurzfristige Gewinn- und Renditeziele ausgerichtete Fälle sind.

          Noch befinden sich die Überlegungen im Diskussionsstadium. Grundlegende Änderungen an den Lehrplänen gibt es bislang kaum, von ein paar zusätzlichen Ethikkursen einmal abgesehen. Dazu ist die Finanzkrise noch zu frisch. Außerdem sind Änderungen am Curriculum wegen der verschiedenen Akkreditierungsstandards ein mühsames Unterfangen.

          Im Eifer des Ethikgefechts laufen Business Schools nun Gefahr, über das Ziel hinausschießen, Dinge zu betonen, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten. So scheute sich die Goethe Business School kürzlich nicht, eine Pressemitteilung mit der Nachricht herumzuschicken: „Die Goethe Business School reagiert auf die Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie ergänzt ihr Lehrangebot um die Bereiche Führung und Strategie. Damit werden die entsprechenden Kompetenzen der Führungskräfte gestärkt und gefördert.“ In einem Kurs namens „Managing People“ sollen die Teilnehmer beispielsweise lernen, ihren Führungsstil zu reflektieren. Da fragt sich mancher Leser, was die Studenten denn in der Vergangenheit an der Frankfurter Hochschule gelernt haben.

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