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Jugendforscher im Interview : „Politisches Engagement geht zurück“

  • Aktualisiert am

Damals wurde ausnahmsweise über ein „echtes“ Uni-Thema gestritten: Asta-Demonstration gegen Studiengebühren im Jahr 2007 in Münster. Bild: ddp

Lieber ein Abschluss in Regelstudienzeit als politisches Engagement? Werden Deutschlands Studenten zunehmend unpolitisch? Mathias Albert, Mitautor der Shell-Jugendstudie hat sich mit dieser Frage beschäftigt.

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          In der Shell-Studie von 2015, für die mehr als 2500 Teilnehmer befragt wurden, heißt es, dass Jugendliche und junge Erwachsene sich wieder stärker politisch interessieren. Wie passt das zusammen mit dem Desinteresse bei Wahlen zu Studentenparlamenten?

          Die Wahlbeteiligung war an den Hochschulen historisch gesehen noch nie hoch. Da galten 20 Prozent schon als traumhaft. Außerdem mündet größeres politisches Interesse bei Jugendlichen nicht unbedingt in größeres politisches Engagement. Im Gegenteil, das freiwillige Engagement geht sogar leicht zurück, insbesondere bei Schülern aus Gymnasien.

          Warum ist das so?

          Mathias Albert, Politikwissenschaftler an der Universität Bielefeld, ist Mitautor der Shell-Jugendstudie 2015.

          Da spielt Zeitverknappung ein Rolle, also eine Art G8-Effekt. Auf die Universitäten übertragen, heißt das: Das Studienverhalten hat sich verändert, es ist orientiert an Ergebnissen und daran, sein Studium möglichst in der Regelstudienzeit zu schaffen. Da bleibt wenig Zeit für andere Sachen - das gilt auch für aktives politisches Engagement. Auch wenn es ja nicht allzu zeitraubend ist, irgendwo sein Kreuz zu machen.

          Das war’s: Keine Zeit, also kein politisches Engagement?

          Nicht nur. Das politische Interesse richtet sich auch auf andere Dinge als die Hochschulen und wird unter anderem durch Ängste befeuert. Vor Terror oder Krieg in Europa zum Beispiel. Wir wissen aber, dass die Angst um die eigene Existenz, also auch um die berufliche Existenz, zurückgegangen ist.

          Was spricht also überhaupt noch für stärkere Beteiligung?

          Jugendliche engagieren sich dort, wo sie etwas bewegen können. Wenn man so will, ist das ein sehr pragmatisches Verständnis von Engagement. Und offenbar erkennen sie in Studentenparlamenten nichts, was für sie etwas bewegen könnte. Und natürlich haben sie damit auch recht.

          Wie meinen Sie das?

          Die Umstände eines Studiums werden durch diese Parlamente nicht tangiert. Sie bestimmen allenfalls, wer in welchen Gremien sitzt - zum Beispiel im Senat einer Hochschule. Wobei viele gar nicht wissen, was ein Senat genau tut, wer da überhaupt sitzt und was das Studentenparlament damit zu tun hat. Viele Initiativen in Studentenparlamenten setzen sich auch eher mit dem Wohl und Wehe in der Welt auseinander. Aber was sie zur Lage im Nahen Osten oder anderen Fragen zu sagen haben, ist für viele Studenten nicht relevant.

          Sind Studentenparlamente Auslaufmodelle?

          Obwohl in ihnen Beteiligung oft nur inszeniert wird, sind die Parlamente an sich keine Auslaufmodelle. Sie bündeln die Interessen der Studierenden, zum Beispiel indem sie Kandidaten für die Gremien wählen, und haben damit eine wichtige Funktion. Die Frage ist nur, wie sie ihr gerecht werden.

          Könnte eine Online-Wahl Teil der Lösung sein, oder spielt es keine Rolle, wie gewählt wird?

          Ich kann mir schon vorstellen, dass das eine große Rolle spielt. Die Zeiten haben sich nun mal geändert - auch wenn heute immer noch irgendwelche Papierlisten oder Anschläge in Fluren über Wahlen informieren. Oder das offizielle Mitteilungsblatt der Universität, in das ohnehin kein Student schaut. Die gesamte Interaktion zwischen Universität und Studenten läuft elektronisch, wenn das bei Wahlen anders ist, ist das nicht zu verstehen. In diesem Punkt haben viele Universitäten massiv Luft nach oben.

          Allgemeine Politikverdrossenheit sehen Sie also nicht?

          Die Wahlbeteiligung allein sagt nichts über das allgemeine politische Interesse aus. Sie sagt aber sehr wohl etwas darüber aus, welche Stellung die Institution hat, um die es geht.

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