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Massenuni : Gut studieren trotz mieser Betreuung

Da muss man sich erst einmal zurechtfinden: Erstsemster-Veranstaltung an der Goethe-Universität in Frankfurt. Bild: Jonas Wresch

Von Jahr zu Jahr gibt es an deutschen Unis je Student einen Professor weniger - so geht das schon seit einiger Zeit. Manche Fächer und Universitäten sind besonders stark betroffen. Wie können Studenten trotzdem an der Massenuni bestehen?

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          An den deutschen Hochschulen wird das Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden zunehmend schlechter. „Massenveranstaltungen werden immer häufiger“, beklagt Ben Seel, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses der Studierendenschaften (FZS). „Gerade an den großen Unis sind manche Seminare so voll, dass sie eher Vorlesungscharakter haben. Vernünftige Diskussionen können kaum stattfinden, wenn hundert oder mehr Leute in einem Seminar sitzen.“ Dieses Gefühl vieler Studenten bestätigen nun Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Hatte ein Professor im Jahr 2004 noch durchschnittlich rund 59 Studenten zu betreuen, waren es zehn Jahre später schon 66. Zwar ist die Zahl der Professorenstellen gewachsen, doch die Studentenzahl wuchs noch stärker.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          „Während meines Politikstudiums an der Frankfurter Goethe-Universität waren manchmal die Räume so eng und voll, dass wir von draußen durchs geöffnete Fenster zugehört haben“, berichtet Studentenvertreter Seel. Das schlechte Betreuungsverhältnis verändere auch den Charakter des Studiums. „Der Trend geht zum kurzfristigen Lernen statt zu langfristigen, tiefen Diskursen. Es wird schwieriger, Betreuer für Abschlussarbeiten zu finden, und für die Lehrenden wächst der Berg an Korrekturen.“ Es sei kein Wunder, dass am Ende Hilfskräfte immer stärker für Korrekturen herangezogen würden und daher der Anteil an standardisierten Multiple-Choice-Prüfungen wachse.

          Die Uni Köln ist die größte Präsenzuniversität

          Besonders oft mit Massenveranstaltungen konfrontiert sind Studenten an den größten deutschen Hochschulen. Die Fernuni Hagen ausgeklammert, ist nach Daten des Statistischen Bundesamtes die Universität zu Köln Deutschlands Hochschule mit den meisten Studierenden. Im Sommersemester 2015 kamen dort fast 82 Studenten auf einen Professor. Allerdings sage dies nur bedingt etwas über das Betreuungsverhältnis aus, da auch die Zahl anderer Lehrender, etwa der Hilfskräfte, mitberücksichtigt werden müsse und manche Studenten in mehreren Fächern gleichzeitig eingeschrieben seien, sagt eine Unisprecherin.

          Dennoch: In manchen Vorlesungen der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften säßen 1000 oder mehr Studenten einem Professor gegenüber, berichtet Christa Mock-Mailahn, die stellvertretende Leiterin der dortigen Zentralen Studienberatung. Was sie betroffenen Studenten rät? „Man sollte nie versuchen, alleine durchs Studium zu gehen. Zu den großen Vorlesungen gibt es meist Übungen, Tutorien oder Arbeitsgemeinschaften. Dort treffen sich kleinere Studentengruppen.“ Das seien auch gute Orte, um sich zu individuellen Lerngruppen zu verabreden. In mehr als 30 Jahren Tätigkeit als Studienberaterin hat sie aber auch die Erfahrung gemacht, dass nicht jeder gleichermaßen fürs Studieren an der Massenuni geeignet ist. Wer sich schlecht motivieren und organisieren könne, sei an einer kleineren Privathochschule sicher besser aufgehoben.

          Und wie macht es sich im Lebenslauf, wenn sich Studenten an einer Massenuni durchgebissen haben? „Gut“, glaubt Mock-Mailahn. „Personaler wissen, was es für eine Leistung ist, sich in Regelstudienzeit und mit guten Noten etwa in BWL in Köln behauptet zu haben.“ „Schlecht“, fürchtet Ben Seel vom FZS. Studenten könnten nur schwer damit punkten, dass sie sich selbst gut organisieren können. Das Prestige der jeweiligen Uni spiele für die Arbeitgeber eine viel wichtigere Rolle.

          nab.

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