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Männer an Grundschulen : Herr Lehrerin

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Treschkow

Nur wenige junge Männer wollen Grundschullehrer werden. Nun versuchen die Universitäten mehr Männer für das Fach zu gewinnen. Doch das Klischee von den Basteltanten ist hartnäckig.

          5 Min.

          Martin Preisigke war sich sicher. Sein Berufswunsch, ein Grundschullehrer zu werden, stand schon nach der Schulzeit fest. Jetzt ist er Referendar an einer niedersächsischen Grundschule in der Nähe von Wolfenbüttel. Es liegt ihm im Blut. Seine Mutter ist Grundschullehrerin, sein Onkel ebenfalls Lehrer. Preisigke wusste also, was ihn erwartet. Viele wissen dagegen nicht, wie der Alltag eines Lehrers in der Primarstufe aussieht. Die Vorstellung von der bastelnden und malenden Lehrerin, die Kindern das Abc beibringt, hält sich hartnäckig. Und das ist auch der Grund, weshalb besonders junge Männer keinen Anreiz sehen, Grundschullehramt zu studieren.

          Dabei ist es nach Ansicht vieler, die ihn ausüben, ein anspruchsvoller, verantwortungsvoller und abwechslungsreicher Beruf. „Der Lehrerberuf hat sich stark verändert in den letzten Jahren“, findet Preisigke. Er studierte an der Universität Hildesheim Grundschullehramt mit den Fächern Englisch und Sachunterricht. Der Englischunterricht in der Grundschule findet ausschließlich einsprachig statt - auf Englisch versteht sich. Das erlebt mancher nicht einmal in der Oberstufe. Sein zweites Fach bezeichnet er als Universalfach. An den weiterführenden Schulen werde es später unterteilt in Fächer wie Biologie, Physik und Geographie. Aber in der Grundschule gibt es diese Differenzierung noch nicht, und deshalb ist im allumfassenden Sachunterricht noch viel Spielraum. „Wir machen kleine Experimente, und die Kinder müssen auch Referate vor der Klasse halten“, berichtet er. Kinder im Grundschulalter gehen noch mit viel größerer Neugier an ihnen unbekannte Themen heran als pubertierende Jugendliche. Sie sind wissbegierig und wollen lernen. „Das Grundschullehramt ist ein anspruchsvoller und wichtiger Beruf. Schließlich legen wir den Grundstein für die weitere Entwicklung der Kinder.“ Grundsätzlich sei jeder Lehrer, gleichgültig, in welcher Schulform, auch Moderator und Berater in der Klasse. Und natürlich müsse auch mal ein Kind getröstet werden. Das gehöre dazu.

          In Preisigkes Kollegium in Wolfenbüttel sind neun Frauen und noch ein weiterer Mann. So ist die Lage an vielen Grundschulen in Deutschland. Im Schuljahr 2010/11 lag der Anteil männlicher Grundschullehrer bei 13 Prozent. Im Gymnasiallehramt ist mit 43 Prozent der höchste Männeranteil in allen Schulformen vertreten. Im Schnitt aller Schulformen sind sieben von zehn Lehrkräften weiblich. Und auch unter den Studenten sieht es ähnlich aus. Der Anteil der männlichen Absolventen im Grundschullehramt lag 2010 im Bundesdurchschnitt bei knapp 12 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind deutlich. Sind in Niedersachsen und Hessen 15 Prozent der Lehramtsstudenten im Primarbereich männlich, ist Bayern mit gerade mal 5 Prozent bundesweit Schlusslicht.

          Eindeutige Rollenbilder

          Doch woran liegt es, dass sich junge Männer nicht für das Grundschullehramt interessieren? Laut Untersuchungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind die Rollenbilder auch unter Jugendlichen noch eindeutig: Männer sollten einen Beruf haben, in dem sie viel Geld verdienten, um die Familie ernähren zu können, in dem sie Karriere machten und der ihnen viel gesellschaftliches Ansehen einbringe. So weit die Vorstellungen der Jugendlichen. Und in dieses Schema passt das Grundschullehramt eher schlecht. Von allen Lehrerberufen gehört der in der Grundschule in die niedrigste Besoldungsgruppe - was freilich immer noch viel mehr Geld netto bringt als für viele andere Berufseinsteiger in anderen Akademikerberufen -, Aufstiegschancen bestehen praktisch keine, und das Basteltanten-Klischee tut sein Übriges. Allerdings haben Jugendliche wohl kaum eine Vorstellung von Besoldungsgruppen. 3000 Euro brutto Einstiegsgehalt für Beamte ist kein schlechtes Gehalt. Die Vorurteile sind das größere Hindernis, meint auch Preisigke, der seine Masterarbeit über Männer im Grundschullehramt schrieb.

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