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Liebeserklärung : Der Lateinlehrer darf nicht sterben

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Warum heute noch Latein lernen? Selbst an den meisten Universitäten braucht man diese Sprache nicht mehr. Bild: dapd

Es gibt den Klassiker an der Schule noch. Doch die tote Sprache scheint für nichts mehr nützlich zu sein. Umso wichtiger, dass es den Lateinlehrer weiterhin gibt.

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          Unter allen unzeitgemäßen Personen ist der Lateinlehrer am unzeitgemäßesten. Das Wissen, das er weitergibt, ist kaum einen Euro mehr wert. Die Schüler können ihn nicht leiden und fragen: Was soll das alles? Auch den modernen Lehrern, denen mit der Gruppenarbeit und der Kompetenzorientierung, ist er meist höchst suspekt. Bei ihm müssen die Schüler immer noch überwiegend Vokabeln und Grammatik lernen, das Wort Kommunikationskompetenz kennt er nicht. Man lernt dann so etwas: Gallien ist in seiner Gesamtheit in drei Teile unterteilt. Oder etwa: „A, ab, abs / e, ex, de / cum und sine / pro und prae / stehen mit Ablativ.“ Das bleibt ein Leben lang im Kopf.

          Dieser Text ist trotzdem eine Liebeserklärung an den Lateinlehrer, die Lateinlehrerin und an alle anderen Lateinlehrenden. Fast alle meine Lateinlehrer waren zwar außergewöhnlich schreckliche Persönlichkeiten. Manche sadistisch, andere stark näselnd, von Kopf bis Fuß in Beige gekleidet, das inkarnierte Klischee. Man musste jeweils zu Beginn der Unterrichtsstunde aufstehen und mit „Salve, Magister“ grüßen. Und die Klausuren waren meist gespickt mit Gemeinheiten.

          Wegen einer Fülle an schlechten Erfahrungen mit ihnen, die viele Menschen ein Leben lang nicht vergessen können, hat auch das Internet in seiner Gesamtheit kein Herz für den Lateinlehrer: In den einschlägigen Foren wird der Lateinlehrer mit Adjektiven belegt wie verstockt und humorlos, manchmal heißt es sogar, er „schielt“ oder sei „Alkoholiker“. Von den Satirikern Katz und Goldt kann man im Netz T-Shirts mit dem Spruch bestellen: „Lateinlehrer - ein guter Beruf!“ Er steht unter der Zeichnung eines Flaschenhalses, aus dem Sekt perlt.

          Einer, der mit dem Rotstift in Kinderherzen sticht

          Es gibt eine Menge solcher Gemeinheiten, die den Lateinlehrern in der neuen Welt entgegensprudeln. Zum Beispiel auch in dem Buch „Lehrerkind“ vom Lehrerkind Bastian Bielendorfer. Hier heißt es: „Der Lateinlehrer lebt ständig in der Grauzone zwischen selbst empfundener Wichtigkeit der lateinischen Sprache (,allein schon für die humanistische Bildung‘) und dem aufkeimenden Bewusstsein, dass man ebenso Hirschpaarungslaute oder Klingonisch lehren könnte. Als Reaktion auf diese innere Dissonanz versucht sich der Lateinlehrer im Schulalltag durch das Tragen von Filzjacken-Cordhosen-Kombinationen in Taubenkot-Dunkelgrün zu tarnen und so die vierzigjährige Dienstzeit in der Lauerhaltung eines Kieselsteins einfach auszusitzen.“

          Sprachlich ungeschickter, aber inhaltlich deckungsgleich lästert ein Schüler im Internetforum über die Anhänger der lateinischen Sprache los: „Sie sind komische Einzelgängertypen, die meist weltfremd sind. Entweder egoistische Idioten oder realitätsferne Freaks, die nur am Schreibtisch hocken.“ Die Ansätze der beiden Kritiker sind gleich. Sie meinen, komisch (seltsam, „mirus“) sollte man besser nicht sein, der Einzelgänger („solitarius“) ist ihnen suspekt, das Fremdartige („externus“) wird quasi zum Mobbing freigegeben.

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