https://www.faz.net/-gyl-14m8f

Lehramt : Alltagshelden in die Klassenzimmer

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z./ Tresckow

Jeder sechste Lehramtsstudent, so hat der Potsdamer Psychologe Uwe Saarschmidt herausgefunden, sei für seinen angepeilten Beruf ungeeignet. Doch wie lassen sich gute Studenten für das Lehramt gewinnen? Die Hochschulen setzen auf neue Strukturen und Eignungstests.

          4 Min.

          Die Besten müssen Lehrer werden. So klipp und klar hat es der Verband der Jungen Philologen beschlossen, der die Interessen angehender Gymnasiallehrer vertritt. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Jeder sechste Lehramtsstudent, so hat der Potsdamer Psychologe Uwe Saarschmidt seine jahrelangen Untersuchungen der Berufsgruppe zusammengefasst, sei für seinen angepeilten Beruf ungeeignet; jeder vierte klage schon im Studium über Erschöpfung. Ganz ohne die Forschungsergebnisse von Eignungsdiagnostikern wissen auch die meisten Laien, was sie von den Lehrern halten: Ihr Ansehen in der deutschen Bevölkerung sinkt seit den sechziger Jahren beständig - auch deshalb, weil das Lehramt für viele Studienanfänger nur Plan B oder C nach dem Scheitern an höheren Hürden für andere Fächer ist.

          Strengere Aufnahmeverfahren, Eignungstests und Zulassungsbeschränkungen könnten das ändern. Doch um sie verpflichtend und rechtlich bindend zu machen, müssten sie nach Ansicht von Birgit Weyand, die am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Trier an einer Promotion zu diesem Thema arbeitet, bundesweit einheitlich sein - davor aber stehe die Bildungshoheit der einzelnen Bundesländer. Außerdem lässt der seit einigen Jahren grassierende Lehrermangel Auswahlprozesse wenig praktikabel erscheinen. Von bis zu 30.000 unbesetzten Stellen vor allem in den Naturwissenschaften sprechen die Lehrerverbände. Viele Schulen greifen auf Aushilfen zurück, mancherorts werden in der Not auch Referendare angestellt, die im Staatsexamen nicht die vorgeschriebene Mindestnote erreicht haben. Das wiederum verstärkt wie in einem Kreislauf das negative Image der Pädagogen.

          Anderswo mag ihr Beruf Strahlkraft haben - in Finnland etwa, wo zehn Bewerber auf einen Studienplatz kommen. In Deutschland werden die besten Abiturienten und Studenten alles Mögliche, aber trotz guter Bezahlung - ein dank Beamtenstatus nicht sozialversicherungspflichtiger Studienrat verdient in der Besoldungsgruppe A 13 je nach Dienstalter zwischen 3000 und 4000 Euro im Monat - und sicherer Perspektiven nur selten Lehrer. Diese befinden sich stattdessen im Mittelmaß, legt man ihre Abinoten zugrunde: 2,4 war der Durchschnitt der weiblichen Erstsemester im Lehramtsstudium, die Birgit Weyand unter die Lupe genommen hat, unter den Männern lag er bei 2,6. Besser als mit 2,1 hatte keiner der Männer in der 900 Personen zählenden Stichprobe bestanden.

          Teufelskreis aus Image- und Qualitätsdefiziten

          Wie sich der Teufelskreis aus Image- und Qualitätsdefiziten durchbrechen lässt? Mit Worten hat es zuletzt Bundespräsident Horst Köhler versucht, als er Lehrer als „Helden des Alltags“ bezeichnete - ein steiler Aufstieg, verglichen mit den berüchtigten „faulen Säcken“, die der frühere Bundeskanzler und damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder in den neunziger Jahren in den Pädagogen sah. Tatsächlich steht Lehrerbildung auch an den Hochschulen plötzlich hoch im Kurs: Gleich 17 neue Professuren dafür hat im November etwa die Lüneburger Universität ausgeschrieben. Und die in der Exzellenzinitiative mehrfach ausgezeichnete Technische Universität München (TUM) hat satte 16 Millionen Euro von privaten Stiftern für ihr jüngstes Aushängeschild eingeworben, die im Oktober gegründete „TUM School of Education“. Die eigenständige Fakultät für Lehrerbildung ist in Deutschland ein Unikat, ihr Ziel ist ehrgeizig: Sie soll den angehenden Lehrern eine akademische Heimat sein und ihnen die Identifikation mit ihrem Beruf erleichtern.

          Weitere Themen

          Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Studie : Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Die Gehälter der Chefs der 30 größten Konzerne in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 2 Prozent gesunken. Das betrifft allerdings nur die gewährten und nicht die ausgezahlten Gehälter.

          Topmeldungen

          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.