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Fach mit Zukunft : Die hohe Kunst, Kunst zu studieren

  • -Aktualisiert am

Mehr Kunst wagen: An der Städelschule in Frankfurt zeigen Studenten regelmäßig ihre Werke. Bild: Wonge Bergmann

Brotlose Kunst? Wer seinen Eltern eröffnet, Kunst studieren zu wollen, erntet auch heute noch oft ein flehentliches: „Bitte alles, bloß das nicht!“ Aber wie gerechtfertigt sind die Sorgen überhaupt noch?

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          Alles, aber bloß kein Kunststudium! So flehen wohl auch im Jahr 2016 noch einige Väter, Mütter und Großeltern den Nachwuchs an, wenn dieser ihnen eröffnet, wie die Zukunftspläne aussehen. Aber was heißt „Kunst studieren“ heute überhaupt? Die Zeiten, in denen man darunter vor allem ein praktisches Studium der bildenden Künste oder ein theoretisches Studium der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften verstand, sind passé, seitdem Fächer aus den Bereichen neuer Medien hinzukamen. Seit geraumer Zeit haben sich zu diesen theoretischen und praktischen Fächern allerdings Studiengänge gesellt, die sich darauf konzentrieren, den Nachwuchs interdisziplinär auszubilden. Er wird in jenen Teilen von Museen, Galerien und Kunstvereinen tätig sein, die für den Besucher unsichtbar bleiben: als Kuratoren, Sammler, Ausstellungsdesigner. Es sind Studiengänge für die Akteure des Kunstbetriebes von morgen.

          In eigens konzipierten Studiengängen, wie etwa dem berufsbegleitenden Master-Studiengang „Kulturen des Kuratorischen“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig (HGB), sollen Methodik und Durchführung kuratorischer Projekte und die Analyse von Ausstellungskonzepten vermittelt werden. Der Diplomstudiengang der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe (HfG) heißt „Ausstellungsdesign“. Und auch in Frankfurt am Main lässt sich das Kuratieren studieren: „Kuratieren und Kritik“, auch Curatorial Studies genannt, ist dort seit sechs Jahren Bestandteil der angebotenen Masterstudiengänge der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste.

          Hohe Ansprüche an Absolventen

          Alle Studiengänge arbeiten interdisziplinär und versuchen, einen großen Teil des Studiums in die Praxis oder zumindest in praxisnahe Formate zu verlagern. „Von Kuratoren wird erwartet, künstlerisch und kulturell relevante Themen zu erkennen, zu analysieren und diese dann in unterschiedliche Formate umzusetzen, so dass ein Publikum am Diskurs teilhaben kann“, beschreibt Franziska Nori, die seit 2014 Direktorin des Frankfurter Kunstvereins ist, die Anforderungen des Kunstbetriebes an die Absolventen. Studiengänge wie Curatorial Studies hält sie für eine sinnvolle Reaktion auf ein stetig wachsendes internationales Angebot ähnlicher Fächer.

          Die renommierte Goldsmiths Universität in London zum Beispiel bildet Künstler und Kuratoren bewusst in gemeinsamen Klassen aus und gilt als Kaderschmiede für angehende Kuratoren und Galeristen. Die Herausforderung dieser vorbereitenden Studiengänge sieht Franziska Nori dabei vor allem darin, sowohl akademische Methodik und interdisziplinäre Forschungsansätze zu schulen, als auch die Vernetzung in den nationalen und internationalen Kulturbetrieb zu ermöglichen. Außerdem sei es wichtig, Persönlichkeiten auszubilden, die aus der Theorie emotional erfahrbare Angebote für Besucher entwickeln können.

          Stefanie Heraeus ist die Initiatorin des Master-Studienganges Curatorial Studies, der gemeinsam von der Goethe-Universität Frankfurt und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) unter ihrer wissenschaftlichen Leitung seit dem Jahr 2010 in Frankfurt angeboten wird. Als sie sich 2008 und 2009 in Cambridge aufhielt, wurde sie darauf aufmerksam, dass Studiengänge wie Curatorial Studies in den Vereinigten Staaten bereits in die Lehrpläne der Colleges und einiger Museen integriert waren. In Deutschland dagegen war das Angebot von ähnlichen Studiengängen vor sieben Jahren noch relativ gering.

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