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Kompetenzen von Pädagogen : Wer ist ein guter Lehrer?

Wer gute Schüler will, muss bei guten Lehrern ansetzen. Bild: dpa

Im größten Bundesland NRW ist heute Zeugnistag. Darüber, wie erfolgreich die Schüler sind, entscheidet letztlich aber auch die Ausbildung der Lehrer. Zeit für ein bisschen Reflexion: Was macht gute Pädagogen aus?

          6 Min.

          Niemand kann dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) absprechen, sich Meriten ganz unterschiedlicher Art erworben zu haben. Die Verdienste um den deutschen Arbeitsmarkt gehören ebenso dazu wie jene um russisches Gas und seine steinreichen Förderer. Definitiv aber hat Schröder auch sprachlich bleibende Eindrücke hinterlassen. Unvergessen sind beispielsweise seine Charakterisierungen der Familienpolitik („das ganze Gedöns“), des russischen Präsidenten Wladimir Putin („ein lupenreiner Demokrat“) und der deutschen Lehrer („Ihr wisst doch ganz genau, was das für faule Säcke sind“).

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Eine Generation später hat sich der Wind gedreht. Schröder ist längst abgewählt und wird regelmäßig dafür geschmäht, dass er sich für russische Interessen einsetzt. Und diejenigen, die er einst als Faulpelze kritisierte, sind einer aktuellen Studie zufolge in Wahrheit genau jene Staatsdiener, auf die es ankommt, wenn es um den schulischen Erfolg der Kinder geht.

          „Gute Lehrer bringen gute Schüler hervor“ lautet das zentrale Ergebnis der Studie „Über den Wert von cleveren Lehrern“ , die demnächst im „Journal of Human Resources“ veröffentlicht wird. Die Autoren der Studie haben einem umfangreichen Datensatz über die Fähigkeiten von Erwachsenen (PIAAC, Programme for the International Assessment of Adult Competencies, einer Art Pisa-Test für Volljährige) entnommen, wie gut die Lehrer in den 31 Industriestaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Durchschnitt lesen und rechnen können. Anschließend haben sie die Leistungen der Lehrer mit denen der Schüler in Verbindung gebracht. Dabei zeigte sich ein systematischer und eindeutiger Zusammenhang: „Je höher die Kompetenzen der Lehrer, desto besser die Leistungen der Schüler“, erklärt der Volkswirt Marc Piopiunik vom Münchner Ifo-Institut, einer der drei Autoren der Studie.

          Die Schlauen gehen eher in die Privatwirtschaft

          Die deutschen Lehrer schneiden in der Studie gut ab: Beim Rechnen kommen sie unter den 31 Industrienationen auf den dritten Platz, beim Lesen immerhin auf den zehnten. Finnische und japanische Lehrer erreichen auf beiden Feldern die besten Werte, die Lehrer aus Chile und der Türkei jeweils die schlechtesten. Die fachlichen Unterschiede zwischen der Leistungsspitze und den Schlusslichtern sind gravierend. Chilenische und türkische Lehrer können im Durchschnitt deutlich schlechter lesen und rechnen als ein Kanadier, der nicht studiert, sondern nur eine Berufsausbildung gemacht hat. Japanische und finnische Lehrer hingegen übertreffen die durchschnittliche Leistung eines Kanadiers mit Studienabschluss.

          „Würde es allen Ländern gelingen, ihre Lehrer auf das Niveau der finnischen Kollegen zu bringen, würden sich die internationalen Unterschiede in den Schüler-Leistungen um etwa ein Viertel verringern“, sagt Ko-Autor Simon Wiederhold von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit Blick auf die Ergebnisse der berühmt-berüchtigten Schüler-Vergleichsstudien Pisa (Programme for International Student Assessment).

          In ihrer Untersuchung fanden die Forscher auch heraus, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Lehrer und ihren Kompetenzen gibt. Je höher das eine, desto höher das andere. Das gleiche gilt für den Frauenanteil im Kollegium: Je höher, desto besser. „Noch vor ein paar Jahrzehnten wurden viele höchstqualifizierte Frauen Lehrer, weil ihnen keine anderen Branchen offenstanden“, erklärt Wissenschaftler Piopiunik. Das hat sich grundlegend geändert. Aus der Sicht eines Bildungspolitikers handelt es sich um einen negativen Effekt der Gleichberechtigung: Je mehr Jobs hochqualifizierten Frauen in anderen Branchen zur Verfügung stehen, desto mehr Frauen nehmen diese Jobs auch an – und desto weniger hochkompetente Frauen werden Lehrer. Salopp ausgedrückt: Die ganz Schlauen sind dann oft nicht mehr im Klassenzimmer, sondern in der Privatwirtschaft.

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