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Zugang zur Uni : Karriere ohne Einser-Abi

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In anderen Bereichen punkteten hingegen die Dreier-Abiturienten: Flexibilität war zweieinhalbmal so oft wie bei den Einser-Kandidaten vertreten, Fairness, Enthusiasmus und Inklusivität jeweils gut doppelt so häufig. Auch zeigten die Personen mit eher schlechtem Abitur deutlich mehr Empathie. Für die Beraterin ist das Ergebnis deshalb so fatal, weil in der Schule viele Stärken von notenmäßig schwachen Schülern auf der Strecke bleiben. Das kratze am Selbstwertgefühl.

Wenn Schule demotivierend wirkt

„Wenn ein Schüler denkt, er habe keine Stärken, schlicht, weil er in seiner Klasse zu den Schwächeren gehört und es kein Schulfach gibt, das seine außergewöhnliche Empathie oder Inklusivität sichtbar anerkennt, und er aufgrund seiner Abschlussnote nicht Psychologie studieren kann, obwohl das Fach ideal zu seiner Persönlichkeit passt, dann ist das meiner Meinung nach kritisch zu hinterfragen“, sagt Struss. Jede Stärke sei gleichermaßen wertvoll und erfolgversprechend, sofern man sich im richtigen Umfeld befindet, um sie gezielt einzusetzen.

Besonders flexible Menschen verortet Struss etwa im Journalismus, in der Eventbranche oder Unfallchirurgie – also in Berufen, „wo schnelles Handeln und Improvisation gefragt sind“. Fest strukturierte Umgebungen wie in der Schule könnten hingegen „demotivierend“ auf sie wirken. „Enthusiastische Menschen können andere mit ihrer Begeisterung anstecken und dazu anregen, produktiver und optimistischer zu sein. Sie gehen in Rollen auf, in denen sie das Beste aus jemandem herausholen können: etwa als Coach, Personalmanager, Kunden- oder Unternehmensberater.“

Ein Empathie-Talent sei hingegen in fast jedem Beruf gefragt. Es qualifiziere aber besonders für Tätigkeiten für und mit Menschen: etwa in den Bereichen Psychologie und Pädagogik, als Kundenbeziehungsmanager oder Trainer. Die Ergebnisse der Hamburger Analyse werfen die nicht ganz neue Frage auf, ob Hochschulen sich bei der Auswahl von Studenten nicht stärker auf andere Kriterien verlassen sollten als nur auf Noten.

Alternative: Eignungstest

Schaut man sich an, wie dies in anderen Ländern abläuft, dann fällt auf, dass die Abschlussnote der höheren Sekundarstufe (analog dem deutschen Abitur) zwar überall eine generelle Zulassungsvoraussetzung fürs Studium ist. Man setzt aber auf weitere Eignungskriterien.

So muss man in Japan hochschuleigene Leistungstests bestehen, Begründungsschreiben liefern und Interviews führen. Amerikanische Hochschulen verlangen den allgemeinen Studierfähigkeitstest SAT sowie ein Dossier mit Begründungsschreiben, Referenzschreiben der Schule und angepeilten Hauptfachwünschen.

Im nächsten Schritt muss man dann eventuell noch ein Interview durchlaufen. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die Hochschulen ihr Auswahlsystem selbst festlegen können, ist das britische System zentralistisch organisiert. Bei der zentralen Koordinierungsstelle UCAS müssen unter anderem ein Begründungsschreiben zur Studienfach- und Hochschulwahl, ein Essay mit außerschulischen Interessen und Aktivitäten sowie ein Empfehlungsschreiben eingereicht werden.

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