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Karl Kuckuck, Medizinstudent in Aachen : „Sie strahlt solchen Lebensmut aus“

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Karl Kuckuck Bild: privat

„Der Patient als Lehrer“ heißt ein Projekt der Uniklinik Aachen: Ein Medizinstudent begleitet einen Palliativpatienten mehrere Wochen lang - manchmal, bis dieser stirbt. Der 23 Jahre alte Karl Kuckuck gibt einen Einblick.

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          Sie kommen gerade von einem Besuch bei Ihrer Patientin. Wie haben Sie die Zeit mit ihr heute verbracht?

          Meine Patientin ist im Moment zu Hause und nicht in der Klinik. Deshalb habe ich sie dort besucht. Für die Zeit, die wir mit den Patienten verbringen, gibt es keine Regeln oder feste Aufgaben. Trotzdem sollte jede Aktivität den Möglichkeiten des jeweiligen Gegenübers angepasst sein. Da übermäßig viel Bewegung meine Patientin mitunter anstrengt, sitzen wir gerne bei einer Tasse Kaffee zusammen.

          Wie verarbeiten Sie die Eindrücke und Erfahrungen, wenn Sie nach einem solchen Treffen nach Hause kommen?

          Ich habe das große Glück, dass ich eine sehr reflektierte Patientin habe. So kann ich mit ihr Dinge, die sie, aber auch mich beschäftigen, mit einer gewissen Distanz besprechen, ohne den persönlichen Bezug zu verlieren. Ansonsten sind die regelmäßigen Supervisionen an der Uni natürlich eine große Unterstützung. Am Ende des Projektes müssen wir eine schriftliche Arbeit abgeben. Oft setze ich mich direkt nach den Treffen hin und schreibe meine Eindrücke auf. Dieses Schreiben hilft mir, mich mit dem Erlebten noch einmal auseinanderzusetzen.

          Als zeitlicher Rahmen sind 15 Zeitstunden mit dem Patienten für das Projekt vorgegeben. Die sind bei Ihnen fast vorbei. Haben Sie sich schon Gedanken über den Abschied gemacht?

          Den Abschluss würde ich gerne ein wenig außergewöhnlich gestalten. Da meine Patientin eine begeisterte Flötenspielerin ist, hatte ich über einen Konzertbesuch nachgedacht. Das Projekt gibt zwar einen offiziellen Anfang und ein offizielles Ende vor; das ist auch wichtig. Aber es ist uns nicht verboten, auch danach mit den Patienten im Kontakt zu bleiben und zu verfolgen, wie es ihnen ergeht.

          Haben Sie Angst, dass Ihre Patientin in der restlichen Zeit Ihres Projektes stirbt?

          Ich weiß nicht, wie ich die Frage am Beginn des Projektes beantwortet hätte, aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre ich sicherlich sehr betroffen. Es würde mir für meine Patientin und ihr Umfeld unheimlich leid tun. Sie strahlt trotz ihrer Krankheit einen solchen Lebensmut und -willen aus, dass es tragisch wäre, würde dieser gebrochen. Aber Angst davor habe ich keine, denn ich glaube, dass dies eines der Ziele des Praktikums ist: uns vielleicht selbst ein wenig die Angst vor dem Sterben zu nehmen, aber vor allem den Umgang mit dem Tod eines Patienten zu erlernen, und sei es wie in dieser exklusiven Situation, in der wir sogar den Patienten richtig kennenlernen dürfen.

          Was nehmen Sie für Ihre spätere Tätigkeit als Arzt mit aus dem Projekt?

          Es ist wichtig zu verstehen, dass die Aufgabe eines Arztes nicht mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit aufhört. Egal in welche Fachrichtung ich mich orientiere, möchte ich den Patienten auch in einer palliativen Situation ein verlässlicher Partner sein. Von meiner Patientin weiß ich, dass eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung nicht selbstverständlich, aber eine große Stütze für die schwerkranken Menschen ist.

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