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Jetzt auch mit Erasmus : Raus in die ganze weite Welt

  • -Aktualisiert am

Erasmusstudenten wie hier an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) gibt es viele, doch das Programm „Erasmus Mundus“ ist kaum bekannt. Bild: dpa

Ein Semester im europäischen Ausland gehört für viele zum guten Ton. Doch nur wenige wissen, dass die EU auch ein Studium im fernen Ausland fördert - allerdings nur für eine kleine Elite.

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          Ohne Reisepass durch Europa zu fahren, kein Geld an der Grenze wechseln zu müssen - für Reena James ist das selbstverständlich. Umso prägender fand sie es, während ihres Masterstudiums mitzuerleben, wie ihre Kommilitonen, die aus aller Welt zum Studium nach Europa kamen, zum ersten Mal von den Vorzügen der Europäischen Union profitierten. „In einem anderen Master hätte ich die Möglichkeit dieses Erfahrungsaustausches mit sowohl europäischen als auch nichteuropäischen Studierenden nicht gehabt“, sagt James heute.

          Sie absolvierte vor wenigen Jahren ein Programm namens Euroculture, ein sogenannter „Erasmus Mundus Master“. Programme mit diesem Namen sind Teil der Bildungsförderung der Europäischen Union. Sie sollen als Leuchtturmprojekte ein hochklassiges Studium in Europa ermöglichen und den Eliteuniversitäten in Amerika Konkurrenz machen. Bereits seit dem Jahr 2004 lobt die EU-Generaldirektion für Bildung und Kultur die Programme aus.

          Die Auswahlkriterien sind streng, rund 20 Prozent der Projekte, die einen Antrag auf Förderung einreichen, können damit rechnen, ausgewählt zu werden. Nur Hochschulkooperationen dürfen sich bewerben. Europäische Universitäten müssen Partnerschaften mit Unis aus mindestens drei verschiedenen Ländern der Welt gründen, einzigartige Programme entwickeln, den Studenten die Möglichkeit bieten, in diesen Ländern zu studieren - und zwar nicht nur innerhalb der EU, auch Kooperationen mit Unis in Übersee sind möglich.

          Auslese an der Tagesordnung

          „Es sind weltweit einmalige Programme“, sagt Beate Körner, die beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) das Mundus-Programm betreut. In keinem anderen Programm hätten Studenten die Möglichkeit, in einem Master an bis zu drei verschiedenen Universitäten weltweit zu studieren. So sieht es auch Mundus-Absolventin James. Sie hätte, sagt sie, keine bessere Wahl für ihren Master treffen können. Sie wollte mehr über Europa lernen, in anderen Ländern leben, erfahren, wie Menschen aus anderen Kulturen über die EU denken.

          Doch was dieser Namenszusatz „Erasmus Mundus“ bedeuten sollte, war James zu Beginn ihres Studiums nicht klar. „Ich kannte nur das Austauschprogramm Erasmus.“ Dass James sich auf ein Eliteprogramm der EU beworben hatte, wusste sie zunächst gar nicht. Das änderte sich schnell. Zunächst studierte sie im niederländischen Groningen. Im zweiten Semester setzte sie ihr Studium an der Universität Göttingen fort.

          Im dritten Semester hätte sie an einer Universität im außereuropäischen Ausland studieren können, sie entschied sich dagegen und für ein Praktikum beim niederländischen Generalkonsulat in Düsseldorf. Auch das Praktikum gehörte zu ihrem Studium, viele Mundus-Master bauen neben dem akademischen Programm einen Praxisteil ein. Während ihres Masters teilte James ihre Kurse mit nur einem guten Dutzend Kommilitonen. Denn Mundus-Programme sind verpflichtet, die Teilnehmerzahl stark zu beschränken, auch die Anzahl der Studenten aus einem Herkunftsland ist oftmals begrenzt, damit Menschen aus allen Teilen der Welt teilnehmen können.

          Stark auf Nordamerika fokussiert. Zu stark?

          Viele der Mundus-Studenten profitieren von Stipendien. Denn einmal ausgewählt, erhalten die Universitäts-Kooperationspartner vier Millionen Euro von der EU. Einen erheblichen Teil davon müssen die Universitäten als Stipendium ausschütten. Zurzeit belaufen sich die Stipendien auf 1000 Euro pro Monat. Die Förderung sei ein großer Vorteil der Programme, wirbt Wolfang Kunz, Koordinator des Mundus-Programms „Embedded Computing Systems“, der von der TU Kaiserslautern in Kooperation mit der norwegischen TU Trondheim und der britischen University of Southampton durchgeführt wird.

          Besonders Studenten, die nicht aus Europa kommen, seien bei der Master-Wahl in den Ingenieurswissenschaften sehr auf nordamerikanische Universitäten fokussiert, sagt Kunz. „Dank der EU-Förderung können wir auch hier in Europa ein attraktives Programm machen.“ Problematisch am Mundus-Programm: Die EU-Förderung ist nur als Anschubfinanzierung gedacht. Zwar können sich die Programmpartner bei der EU auf eine neue Förderrunde bewerben, doch wegen des starken Wettbewerbs ist eine Neuauswahl nicht sehr wahrscheinlich. „Es ist eine Herausforderung, das Programm über den Förderzeitraum hinaus am Laufen zu halten“, sagt Kunz.

          Für die Zukunft wünscht sich der Programmkoordinator deshalb, dass mehr europäische Studenten auf Erasmus Mundus aufmerksam werden. Denn in Europa seien sie nicht sonderlich bekannt. „Schon seit Jahren sehen wir ein großes Ungleichgewicht zwischen den Bewerbungen aus der EU und denen aus dem außereuropäischen Ausland“, sagt Kunz. So kämen auf über 900 Bewerbungen von Studenten ohne europäische Staatsbürgerschaft nur 40 bis 50 von Europäern. Kunz sieht hier ein ähnliches Problem wie auch Mundus-Absolventin James: „Die Europäer glauben: Erasmus Mundus sei wie Erasmus.“ Kein Eliteprogramm, sondern ein verlängerter Auslandsaufenthalt.

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