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Hochschulen : Ist es an den Unis zu voll?

Bild: dpa

Die Hörsäle an den Hochschulen sind dank G8-Abitur und dem Ende der Wehrpflicht gefüllt wie nie. Ein Besuch in Hannover und in München zeigt, wie die Universitäten mit dem Ansturm umgehen.

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          Stark steigende Studienanfängerzahlen sollten in diesem Jahr die Hochschulen erschüttern und die Lernbedingungen dramatisch verschlechtern - vor allem in Bayern und in Niedersachsen, wo gleich zwei Abiturjahrgänge die Gymnasien verlassen haben. Doch brechen die Universitäten unter der Last der vielen neuen Studenten wirklich zusammen? „Ich habe große Schwierigkeiten erwartet. Bisher hat es aber wirklich gut funktioniert“, sagt Philipp Sibbertsen, Studiendekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Leibniz Universität in Hannover. Falls es an den Hochschulen bebt: Sibbertsen müsste es wissen. An seiner ohnehin gut gefüllten Fakultät ist die Zahl der Erstsemester um fast 90 Prozent gestiegen. An der gesamten Uni haben sich zum Wintersemester 43Prozent mehr Erstsemester eingeschrieben - das ist der höchste Zuwachs an einer niedersächsischen Hochschule.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Zu Beginn des Semesters hätten in manchen Vorlesungen Studenten auf den Treppen gesessen. Das sei aber vorbei. Jede Erstsemestervorlesung werde zweimal in der Woche angeboten, erklärt der Studiendekan. „So hat im Durchschnitt jeder Student in jeder Veranstaltung einen Sitzplatz.“ Zu Beginn habe es deshalb kein Kapazitäts-, sondern nur ein Verteilungsproblem gegeben: Die eine Veranstaltung sei überfüllt gewesen, während in der anderen Plätze frei geblieben seien. „Die Studenten mussten sich erst ordnen.“

          Dieser Herausforderung müssen sich auch die Studenten in München stellen. Während zum Winter 2010 noch 7935 Erstsemester begannen, haben sich in diesem Jahr 9530 neue Studenten an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) immatrikuliert. Die Wirtschaftswissenschaften sind auch hier begehrt. „Als Student muss man lernen, sich gut zu organisieren. Angeblich macht die Selbstorganisation doch 50 Prozent des Studiums aus“, sagt Manuel Essers. Das klingt fast ein bisschen abgeklärt, aber realistisch. Dass die Veranstaltungen voll und mitunter übervoll sind, das sei ja zu erwarten gewesen, erklärt der Student der Betriebswirtschaft. Ein Streber-Gen hat der 21-Jährige offenkundig nicht, aber eine klare Vorstellung davon, dass derjenige einen Sitzplatz ergattert, „der eine Viertelstunde vor Vorlesungsbeginn kommt, und dass ohne Disziplin nichts läuft“. Seine Kommilitonin Anastasia Ilin, zuvor Hotelfachfrau im Hamburger „Atlantic“ - „das macht einen stressresistent“ -, hat in der ersten Woche mehrmals auf der Hörsaaltreppe gesessen, aber das haben frühere Semester auch, hat sie sich bestätigen lassen. Sie setzt ebenso auf Zeitmanagement und hat erkannt, dass Veranstaltungen am Montag und Freitag weit weniger frequentiert sind als Grundlagenvorlesungen in der Wochenmitte. Denn rund ums Wochenende scheint es Münchener Studenten nicht nur Richtung Berge und Seen zu ziehen, „viele arbeiten dann auch“, erklärt Essers.

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