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Unberechtigte Kritik? : Prügelknabe Bachelor

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Deutsche Studenten sind mal wieder Gegenstand einer politischen Debatte. Bild: dpa

Zu jung, zu unerfahren, zu schlecht ausgebildet und ungeeignet für Unternehmen? Die harsche Kritik am akademischen Nachwuchs mobilisiert die Verteidiger - nicht nur unter den Studenten.

          6 Min.

          Die Reihen der Verteidiger sind erstaunlich geschlossen - aber das hängt mit der Intensität der Angriffe zusammen. Es war ja auch keine Allerweltsoffensive, die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag gestartet worden war. Diese gewichtige Interessenvertretung deutscher Unternehmen hatte sich mittels ihres Präsidenten Eric Schweitzer den deutschen Bachelor-Studenten im Allgemeinen vorgeknöpft. Und der bekam in einem Interview eine wahre Breitseite ab. Zu jung, zu unerfahren, zu schlecht auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, alles in allem zu oft eine Enttäuschung für deutsche Unternehmen und als Mitarbeiter nur bedingt tauglich - dieses Bild zeichnete Schweitzer. Abbrecher gebe es auch zu viele. Studenten sowieso. Das Wort „Überakademisierung“ fiel.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grundlage war eine Befragung der eigenen Klientel, die alle vier Jahre stattfindet und diesmal ein besonders düsteres Bild zutage brachte. Überspitzt formuliert: Mit vielen Studenten, die einen Bachelor-Abschluss mitbringen, sei kein Staat zu machen. Die Unternehmen müssten eine verfehlte Bildungspolitik ausbaden. Die Studentenzahlen seien ohnehin zu hoch, das sei nur mit strengeren Zulassungsbeschränkungen zu reparieren. Kurzum, Schweitzer legte sich im Namen der Dachorganisation aller deutschen Industrie- und Handelskammern so richtig ins Zeug.

          Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, bleibt, gemessen daran, ziemlich entspannt. Das liegt womöglich daran, dass er schon seit mehr als zehn Jahren im Amt ist und derartige Scharmützel nicht zum ersten Mal erlebt. Meyer auf der Heyde sagt sehr ruhig, dass deutsche Unternehmen, mithin auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, ein „objektives Problem“ hätten. Nämlich Mitarbeiter, vor allem Auszubildende mit Hochschulreife zu gewinnen. Und weil das so ist, werde jetzt pauschal der Stab gebrochen. „Eine durchsichtige Kritik“, findet er. „Sie trifft die Falschen.“ Zumal: In der Politik hätten einst doch alle den Bachelor-Abschluss gefordert. Es sei ein Gemeinschaftsprojekt gewesen. Wenn es etwas zu kritisieren gebe, dann allenfalls an den Bedingungen beim Studium, nicht aber an den generellen Fähigkeiten der Studenten. Das klingt alles nach einer Sündenbock-Debatte.

          Große Hoffnungen zerplatzen wie Seifenblasen

          Es waren einst große Hoffnungen mit den Neuerungen an den Universitäten im Zuge der Bologna-Reform verbunden. Der Bachelor sollte, so die Idee der EU-Mitgliedstaaten, für so vieles gut sein: Er sollte kürzer studieren, durch intensiveren Austausch mobiler und somit internationaler werden, die Abschlüsse sollten besser vergleichbar sein. Einer mit einem größeren Empörungspotential als Meyer auf der Heyde sagt: „Wer von Überakademisierung spricht, möchte nur Panik machen. Ein Studium ist keine Berufsausbildung, sondern immer auch Vorbereitung auf eine wissenschaftliche Tätigkeit. Das Studium kann keine eierlegende Wollmilchsau sein.“ Daniel Gaittet ist Vorstandsmitglied beim „Freien Zusammenschluss von studentInnenschaften“ aus Berlin, kurz FZS. Speziell beim Punkt neuer Zulassungsbeschränkungen zur Drosselung der Studentenzahlen, einer Kernforderung Schweitzers, reagiert er empört. Isabelle Albert, ebenfalls im FZS-Vorstand vertreten, assistiert - was allerdings nicht wie Widerspruch zur Qualitätsfrage klingt, sondern einen Einblick ins Studentenleben gibt: „Viele Veranstaltungen sind zu reinen Massenevents verkommen und haben an Qualität verloren. Seit Jahren kritisieren Studierende, dass ein Studium vom Fließband für niemanden einen Mehrwert bietet.“

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