https://www.faz.net/-gyl-9hnmp

Computerpanne trifft Schüler : Wie ein abgesagtes Abitur

  • -Aktualisiert am

Wer durch dieses Tor will, braucht den ACT oder einen vergleichbaren Test: Yale University in New Haven Bild: Reuters

Wer in Amerika studieren will, muss einen Hochschulzugangstest machen. Der aber wurde kürzlich für deutsche Schüler Knall auf Fall abgesagt. Die Betroffenen haben umsonst gelernt; manche verpassen Uni-Anmeldefristen.

          2 Min.

          In Amerika zu studieren ist der Traum manches Schulabgängers hierzulande. Einige Kandidaten aus Deutschland fürchten allerdings, dass sich dieses Ziel deutlich nach hinten verschoben haben könnte – wegen einer Computerpanne: 25 Schüler wollten in Berlin vergangene Woche den „American College Test“ (ACT) ablegen: Ein standardisierter Leistungstest mit Fragen aus den Bereichen Englisch, Mathe und Naturwissenschaften, der Schülern die Hochschulreife bescheinigt.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ein gutes Testergebnis ist vergleichbar mit einem guten Abitur: Es ist ein Teil der Eintrittskarte zu Harvard, Stanford, Yale und Co. Der ACT wird von einem Unternehmen mehrmals im Jahr in Test-Centern auf der ganzen Welt angeboten, so auch vergangene Woche an der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin. Doch einen Tag vor dem Examensdatum erhielten die Teilnehmer eine E-Mail: Ihr Test finde doch nicht statt – aus technischen Gründen. „Stellen Sie sich vor, Sie wollen Ihr Abitur machen – und das Abitur wird einfach kurzfristig wegen Computerproblemen abgesagt“, sagt David Bonello, 17 Jahre alt und einer der 25 Betroffenen.

          Bonello wünscht sich von Herzen, zum Studium an eine amerikanische Uni zu gehen, am liebsten nach Stanford. Viele amerikanische Anmeldefristen enden allerdings am 1. und 2. Januar; der nächste ACT wird erst am 9. Februar angeboten. „De facto habe ich keine Chance mehr, dieses Jahr in Amerika zu studieren, und verliere ein ganzes Jahr“, sagt er. „Das ist höchst dramatisch für mich.“

          Absage ist kein Einzelfall

          ACT Inc. teilte auf Anfrage der F.A.Z. mit, dass das Unternehmen seinen internationalen Test im September von einer Papier- auf eine elektronische Version umgestellt hat und dass die Test-Center über keine Papier-Backups verfügen. Der Test in Berlin „wurde wegen technischer Probleme, die das Test-Center betrafen, abgesagt“, heißt es in einer Erklärung. Kein Einzelfall: Zwar habe die große Mehrheit der internationalen Test-Center, die Umstellung problemlos überstanden. Es habe aber seit September auch andernorts technische Probleme gegeben, „die uns dazu zwangen, die Auslieferung vor dem Testdatum abzusagen oder die einige Schüler davon abhielten, ihre Tests am Testtag zu beenden.“ Wie viele Schüler insgesamt betroffen waren, möchte das Unternehmen nicht mitteilen. Glaubt man Aussagen in Sozialen Medien, sind es aber weit mehr als die 25 Schüler in Berlin. Das Unternehmen „Supertutor“, das Video-Lernhilfen für angehende Prüflinge anbietet, will Absagen oder Abbrüche in 39 Test-Centern in 31 Ländern gezählt haben.

          „Wir bedauern die Situation und die Unannehmlichkeiten, die betroffenen Schülern entstehen könnten“, ließ ACT wissen. Falls eine Verlegung für Schüler nicht zufriedenstellend funktioniere, werde ACT die Registrierungs-Gebühren – in der Regel 150 Dollar – zurückzahlen. Burckhardt Bonello, Vater des betroffenen Schülers, kann darüber nur lachen: „Was helfen meinem Sohn zurückgezahlte Testgebühren? Er ist Jahrgangsbester an seiner Schule, hat mehrere Physik-Preise gewonnen und verliert nun ein Jahr seines Lebens, weil die Anmeldefristen für ein Studium verstreichen.“ Ganz zu schweigen vom Lernaufwand: Amerikanische Highschool-Lehrpläne unterscheiden sich zum Teil deutlich von denen deutscher Gymnasien. David Bonello musste daher so einiges nachholen. „Ich habe zuletzt an einem normalen Schultag 6 bis 7 Stunden, vielleicht auch mehr, dafür genutzt“, sagt er. Vorerst umsonst.

          Weitere Themen

          Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Studie : Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Die Gehälter der Chefs der 30 größten Konzerne in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 2 Prozent gesunken. Das betrifft allerdings nur die gewährten und nicht die ausgezahlten Gehälter.

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.