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Integration an der Hochschule : Akademiker-Tandems für Flüchtlinge

  • Aktualisiert am

Merle Becker (links) und Melusine Reimers Bild: dpa

Unter Flüchtlingen, die aus Krisengebieten nach Deutschland kommen, sind auch oft Akademiker. So mancher findet sich in der deutschen Uni- und Arbeitswelt schlecht zurecht. Wie zwei Studentinnen das mit einer Austauschplattform ändern wollen.

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          „In Afrika gibt's Uni?!“ Auch solche Fragen begegnen den Studentinnen Merle Becker und Melusine Reimers aus Frankfurt hin und wieder, wenn sie ihre Organisation Academic Experience Worldwide (AEW) vorstellen. Studenten in Deutschland mit Akademikern aus aller Welt zusammenbringen: Mit dieser Idee gründeten die Studienfreundinnen Becker und Reimers vor eineinhalb Jahren das Projekt AEW. Das Besondere: Die Akademiker aus aller Welt sind geflüchtete Menschen.

          „Wir sind kein Hilfsprojekt“, betont Becker. Stattdessen verstehen sie Academic Experience Worldwide als Plattform mit Austausch auf Augenhöhe. Akademiker, die Asyl suchen oder schon haben, könnten so Anschluss an den Wissenschaftsbetrieb in Deutschland bekommen und auf lange Sicht eine Arbeit finden, die ihrer Qualifikation entspricht.

          Von dem Konzept profitieren Menschen wie Tim Schwarz und Rênas Ottmann. Schwarz studiert im zweiten Semester Wirtschaftswissenschaften, Ottman hat seinen Bachelor schon in der Tasche. Mit seinen 19 Jahren sucht Schwarz noch nach Orientierung für Karriere und Wissenschaft, mit Ende 20 hat Ottmann schon mehrere Jahre Berufserfahrung als Buchhalter gesammelt. Er hat in Aleppo und Damaskus in seiner Heimat Syrien Betriebswirtschaftslehre studiert.

          Eigentlich wollte Ottmann seinen Master machen. „Dann kam der Krieg“, erzählt er. Seit zwei Jahren lebt er in Deutschland. Über AEW fand er sich mit Schwarz zu einem Tandem zusammen. Jetzt treffen sie sich regelmäßig, um sich fachlich auszutauschen oder einfach etwas zu unternehmen. „Mir gefällt, dass es keine einseitige Hilfestellung ist“, erzählt der Frankfurter Schwarz.

          Deutschkurse und Coaching für Traumatisierte

          Ottmann erklärt, für ihn biete das Projekte mit AEW Möglichkeiten, Gesellschaft und Freunde zu finden. Dass er darüber hinaus auch noch Kontakt zur Uni bekomme, mache die Sache umso besser. Der Syrer hofft, den Master zu machen und wieder arbeiten zu können.

          20 solcher Tandems seien bereits entstanden, berichten die Gründerinnen Becker und Reimers. Auch andere Universitäten zeigten schon Interesse an dem Konzept. AEW vermittelt zudem Deutschkurse und setzt sich für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ein. Eine ehrenamtliche Therapeutin bietet Coaching für Traumatisierte an.

          Eine weitere wichtige Säule ist das Seminar, bei dem Studenten und internationale Akademiker diskutieren und Vorträge halten. So könnten die Geflüchteten - unter ihnen Doktoren und Master - Wertschätzung erfahren. Außerdem wollen die Initiatoren dem Klischee vom „armen, ungebildeten Flüchtling“ entgegenwirken. Sie veranstalten Workshops und halten Vorträge an Schulen und bei Vereinen.

          Die Uni selbst zeigt sich offen, was die Integration von Geflüchteten betrifft. Man prüfe gerade, ob für sie eine Art Gaststatus eingerichtet werden könnte, sagte die neue Präsidentin Brigitta Wolff kürzlich der „Frankfurter Rundschau“. Allerdings geht es dabei um ein, zwei Semester. Und nicht zwangsläufig um Akademiker, die fertig studiert haben.

          Kritik innerhalb der Flüchtlingshilfe

          Der Ansatz von AEW ist nicht unumstritten, das wissen auch die Gründerinnen. Innerhalb der Flüchtlingshilfe haben die jungen Frauen einen schweren Stand. Sie beschäftigten sich mit einem Luxusproblem, lautet der Vorwurf. Dabei fehle es an so vielen Stellen an dem Notwendigsten für Geflüchtete. Wenn mancherorts ein ordentliches Dach über dem Kopf fehle, relativierten sich andere Probleme schnell.

          Aber genau hier würde sich wieder ein unterschwelliger Rassismus zeigen, meint Reimers: „Bildungsansprüche, die man in Deutschland hat, gelten plötzlich nicht mehr für Geflüchtete.“ Deshalb bestärke die Kritik die Ehrenamtlichen von AEW nur. „Außerdem ist das Feedback, das wir von den Teilnehmern bekommen, absolut positiv“, sagt Becker.

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