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Innovationen : Ein Düsentrieb aus Oberkrämer

  • -Aktualisiert am

Null und Eins: das Prinzip des Computers von Bauingenieur Konrad Zuse Bild: Archiv

Ohne Innovationen geht es nicht. Täglich tüfteln in den Großunternehmen Tausende an lukrativen Neuheiten. Doch auch kleinen Handwerksbetrieben aus der Provinz kann der große Wurf gelingen.

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          Diplom-Ingenieur Daniel Düsentrieb hat das richtige Arbeitsmotto. „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!“, mit dieser Losung tüftelt Entenhausens Cheferfinder unermüdlich an Neuheiten, mal im Auftrag der Ducks, mal aus eigenem Antrieb. Intelligenzstrahlen, die Tieren das Denken und Sprechen beibringen, Lasso-Fingerringe, Gespenster-Sauger – nichts ist ihm zu bizarr. Die Disney-Enzyklopädie „Duckipedia“ weiß: „Daniel Düsentrieb arbeitet nicht fürs Geldverdienen (er lässt sich sogar teilweise von seinen Kunden finanziell ausnutzen), sondern vielmehr, um den großen Durchbruch zu erlangen und sich einen Namen zu machen.“

          In den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen im wirklichen Leben geht es häufig ganz anders zu als in Walt Disneys Zeichentrickwelt. Wer international nicht den Anschluss verlieren will, steht unter enormem Innovationsdruck. Denn Innovationen sind die zentralen Treiber der Wertsteigerung eines Unternehmens – zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine neue Studie der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, für die deutsche Unternehmer befragt wurden. Aber wie gelingen einträgliche Erfindungen?

          Baden-Württemberg - Land der Tüftler

          60.992 Patente wurden im vergangenen Jahr beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet, 0,7 Prozent mehr als 2006. Die Liste der aktivsten Patentanmelder führen große Unternehmen an: Bosch belegt mit mehr als 2500 Anmeldungen in Deutschland den ersten Platz, gefolgt von Siemens und Daimler. Der Einfallsreichtum hat seinen Preis: 3,4 Milliarden Euro investierte allein Siemens 2007 in Forschung und Entwicklung.

          Einer von denen, die sich für den Großkonzern schon allerhand Neues haben einfallen lassen, ist Martin Teichmann. Seine Ideen trugen dem 41 Jahre alten Grazer 2007 den Titel „Erfinder des Jahres“ ein, mit dem Siemens „besonders herausragende Erfinder des Unternehmens“ ehrt – die Auswahl ist groß, denn Siemens beschäftigt insgesamt mehr als 32.000 Forscher und Entwickler. Teichmanns jüngste Erfindung: eine neue Art von Triebfahrwerken für Züge, die Energie und Platz spart und deutlich weniger wiegt als bisher üblich. So können in einer U-Bahn mit vier Wagen nun bei gleichem Energieaufwand 200 Personen mehr mitfahren.

          „Am Beginn jeder Erfindung muss ein gewisser Leidensdruck stehen“, sagt der Mobilitätsforscher. Er muss es wissen, an mehr als hundert Patenten ist Teichmann beteiligt. Oft beschreitet er unkonventionelle Wege, schon sein Maschinenbaustudium brach er ab, um in der Wirtschaft einzusteigen. „Die Industrie hatte von Anfang an eine Sogwirkung auf mich“, sagt er. Den gewissen Druck aber habe er unter Zugbetreibern schon lange gespürt und sich dann mit einem Kollegen ans Entwickeln gemacht. Ein exzellentes Team, das ihm die richtigen Fragen stellt, Vorgesetzte, die sich auf seine Ideen einlassen, aber auch der Zeit- und Kostendruck, den er als konstruktiv empfindet – das sind für Teichmann die Voraussetzungen für seine Arbeit. Ja, der Freiraum, den er habe, sei auch wichtig, sagt er, um gleich hinzuzufügen: „Ein blindes Huhn, das wild rumpickt, hat auch Freiraum. Aber dass es so viel findet, bezweifle ich. Die Idee muss schon da sein.“ Ohne Düsentrieb’schen Erfindergeist geht es also nicht, ohne sportlichen Ehrgeiz auch nicht. „Eigeninitiative ist unerlässlich. Man muss Spaß daran haben, die Latte so hoch wie möglich zu legen“, sagt er. „Denn Erfinden ist Knochenarbeit.“

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