https://www.faz.net/-gyl-wz87

Hochschulen im Netz : Der Kampf der Systeme

  • -Aktualisiert am

Uni online? Oft ein hartes Stück Brot Bild: Fotolia

Im Idealfall machen Online-Systeme an den Hochschulen die Verwaltung schlanker und ersparen Studenten viele Wege. Im Normalfall aber machen sie zuerst einmal viel Ärger.

          5 Min.

          Ob Hongkong, New York oder Santiago de Chile – wo sich Studenten in ihren Semesterferien aufhalten, ist für ihre Anmeldung zu Seminaren fast überall bedeutungslos geworden. Statt nachts vor dem Seminar zu kampieren, um einen Platz ergattern, wie es noch vor wenigen Jahren mancherorts üblich war, melden sie sich heute über das Internet an. An der Universität Bonn können sie sich zum Beispiel über die Plattform „Basis“ das Vorlesungsverzeichnis anschauen, sich für Prüfungen und Kurse anmelden und die Ergebnisse aus dem vergangenen Semester in Augenschein nehmen, ein persönlicher Stundenplan wird gleich mitgeliefert. Onlinesysteme machen das Studium deutlich einfacher, das jedenfalls ist die Botschaft ihrer Hersteller.

          Bei vielen Studenten der Universität Köln kam im vergangenen Wintersemester aber eine ganz andere Botschaft an. Zur Anmeldung für Pädagogik-Veranstaltungen wurde dort ein neues System eingeführt, Klips genannt. Die Folge war, dass viele Studenten keinen Platz in ihrer Wunschveranstaltung bekamen. Sie machten in der Lokalpresse ihrem Ärger Luft. Klips hatte ihnen angezeigt, dass die gewählte Veranstaltung überbelegt war. „Das Problem war ein Verteilungsproblem, kein Systemproblem“, sagt Christiane Büchter, die Projektkoordinatorin für IT in der Lehre, im Rückblick. Knapp 10 000 Studenten belegen an der Universität Köln Pädagogik-Veranstaltungen, zwei Seminare im Semester stehen ihnen zu. Die beliebten Veranstaltungen waren schnell ausgebucht. „Aber viele Studenten sagten trotzdem, das System habe sie rausgeworfen“, berichtet Büchter. Dabei habe nicht Klips an sich zu dem Streit geführt, sondern die mangelnde Information über das Prozedere.

          Falsche Noten, überlastete Server

          Köln ist kein Einzelfall. Denn der Hauptgrund für die Investitionen ins Netz ist die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master. An manchen Hochschulen hat sich dadurch die Zahl der Prüfungen verzehnfacht. Ohne Onlineverwaltung wäre vielerorts vermutlich schon der Studienbetrieb zusammengebrochen. Hinzu kommt, dass die Fakultäten nun ihr Lehrangebot aufeinander abstimmen müssen. Anders als beim Magister, bei dem es egal war, in welcher Reihenfolge ein Student Veranstaltungen besuchte, muss die Hochschule beim Bachelor sicherstellen, dass er all jene Veranstaltungen besuchen kann, die er für ein bestimmtes Modul und die damit verbundene Prüfung braucht. Das bedeutet, dass die verschiedenen Fakultäten ihre Studienordnungen und die Vorlesungsverzeichnisse abgleichen müssen – viel Aufwand für die oft schwerfällige Alma Mater, aber eine der Voraussetzungen für eine funktionierende Online-Anmeldung. Die Universität Hamburg hat deshalb eigens die Stelle eines Studiengangsmanagers geschaffen. Er stellt fest, ob die angebotenen Studiengänge tatsächlich studierbar sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Hotel in Wuhan dient auch als Quarantänestation.

          Helfer in Wuhan : Lieber im Hotel als zu Hause schlafen

          Hotelmanagerin Xiao Yaxing leitet vier Hotels in Wuhan. Die Häuser sind derzeit ausgebucht, aber nicht mit Gästen: Yaxing lässt medizinisches Personal dort übernachten. Solch ein Engagement ist in China nicht selbstverständlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.