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Historiker : Raus aus dem Archiv, rein in den Job

Während der Berufswunsch "Unternehmer" für Historiker wohl weiterhin die Ausnahme bleiben wird, ist Christian Deicks Arbeitsplatz auf dem Mainzer Lerchenberg der Traumjob unzähliger Geschichtsstudenten. Gemeinsam mit Guido Knopp leitet der 42 Jahre alte Historiker die ZDF-Sendereihe "History". Dabei gehörte er keineswegs zu der zielstrebigen Studentenfraktion, die immer schon "was mit Medien machen wollte". Im Gegenteil: "Medien waren eigentlich gar nicht so auf meinem Schirm." Sein Geschichtsstudium sei ein reines Neigungsstudium gewesen, erzählt er. Welche Berufsperspektiven sich damit eröffnen, habe ihn zunächst nicht interessiert. Das sollte auch eine Zeitlang so bleiben. Deick schrieb sich nach seinem elfsemestrigen Studium in Mainz und Frankfurt erst mal für eine Doktorarbeit über die Lebensmittelversorgung im Ersten Weltkrieg ein. "Parkpromotion" nennt er das. Nach einem Jahr räumte er seinen universitären "Parkplatz", das Werk blieb Fragment. Stattdessen schrieb Deick nun vermehrt für Zeitungen. Kontakte dorthin hatte er schon während des Studiums geknüpft. Über diesen Umweg kam er schließlich zum Fernsehen.

Mit seinem Studium hatte die Arbeit dort anfangs nichts zu tun; sein erster Beitrag handelte von Nerzfarmen und Tierschutzorganisationen. Das änderte sich erst, als Deick 1994 in die Redaktion "Zeitgeschichte" wechselte. Hier traf er auf seinesgleichen: Drei Viertel der rund 30 festen und freien Mitarbeiter der Redaktion, schätzt er, seien Historiker. Mit ihnen wirkte Deick unter anderem an der Reihe "Hitlers Helfer" mit. Er stöberte in Archiven, wälzte Literatur und interviewte Zeitzeugen. Kurzum: Er war nicht nur der Ausbildung nach Historiker, sondern verdiente auch sein Geld als ein solcher. Der Vorstellung, man könne sein universitäres Forscherdasein, publikumswirksam um ein paar bewegte Bilder angereichert, dort fortsetzen, erteilt Deick jedoch eine klare Absage. "Unser Job ist in erster Linie Handwerk, wir müssen Fernsehen machen", betont er.

Barbara Hillen und Christian Deick haben sich mit den Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt durchgesetzt, die Hein Hoebink, Inhaber der Jean-Monnet-Professur für europäische Einigung an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, als typisch für seine Zunft ansieht: "Historiker lernen zu recherchieren, darzustellen und zu formulieren." Bei einem wachsenden Markt für gründlich recherchierte Informationen seien diese Schlüsselqualifikationen von entscheidendem Vorteil bei der Arbeitsplatzsuche. Hoebink beobachtet bei seinen Studenten schon seit geraumer Zeit einen Trend zu studienfernen Arbeitsplätzen in Unternehmen, Verbänden, Stiftungen und Verwaltungen und attestiert ihnen mit Blick auf ihre Karriereplanung "ein in vielen Fällen erstaunliches Realitätsbewusstsein".

Fleißige Praktikanten

Auch Marion Lang von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit sieht gute Chancen für Historiker. Vor allem der seit einem Jahr anhaltende "Medienboom" sorge für eine erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Dass gerade Historiker von der gestiegenen Nachfrage nach Geisteswissenschaftlern profitieren, führt Lang darauf zurück, dass ihr Studium als vergleichsweise handfest gelte. Ein Arbeitgeber könne unter Umständen mit einem Historiker mehr anfangen als mit einem Philosophen, mutmaßt Lang, weil jeder zu wissen glaube, was ein Historiker mache. Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, ist ihrer Ansicht nach jedoch ungewiss.

Eine weitere mögliche Erklärung dafür, dass Historiker schneller als andere Geisteswissenschaftler einen Job finden, liefert eine Absolventenbefragung des Hochschulinformationssystems aus dem Jahr 2004. Sie ergab, dass 76 Prozent der Geschichtsstudenten schon vor ihrem Examen Berufserfahrung in Gestalt von Praktika, Nebenjobs, Werkverträgen oder Festanstellungen gesammelt haben. Für die übrigen Geisteswissenschaftler war das nur bei 43 Prozent der Fall. Fazit: Wer Geschichte studiert, braucht nicht - wie einst Friedrich Nietzsche - an der Welt zu verzweifeln. Und ganz bestimmt auch nicht am Arbeitsmarkt.

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