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Historiker : Karrierestart im Museum

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Tresckow

Museumsführer, Texter und Comic-Zeichner: Die Konstantin-Schau in Trier eröffnet auch berufspraktische Felder für Studierende. Vor allem für solche, die ihre Freude an der Geschichte gerne an andere weitergeben.

          4 Min.

          Bronzekopf und Heereszeichen, Kreuze und Münzen, Reliefs: 1400 Exponate zeigt die Ausstellung "Konstantin der Große", verteilt über drei Trierer Museen. Dinge, die vom Leben des Römerkaisers und seiner Zeit erzählen. Was die Stücke alles verraten, erkennen viele Besucher nicht auf den ersten Blick. Vor allem die Jüngeren rätseln, was an manchem Exponat so spannend sein soll. 37 Museumsführer erklären es ihnen. Sie wurden geschult, Gruppen vom Vorschulalter bis zur Oberstufe die kaiserlichen Geheimnisse zu offenbaren.

          Verena Knoop ist eine der Führerinnen. Die Geschichtsstudentin freut sich darauf, Schülern die Spätantike nahezubringen. "Nicht wie eine strenge Lehrerin. Mehr wie die große Schwester, die man fragt, wie das denn damals war in Trier", betont die 22jährige. Mit dem Kaiser, den Soldaten, den Gladiatoren und den Wagenlenkern. Im Frage-Antwort-Spiel möchte sie erst mal die Kinder reden lassen über das, was sie schon wissen. Danach folgen Erklärungen wie: "Gladiatoren kann man mit unseren Fußballern heute vergleichen." Am Ende wird gebastelt, etwa ein Gladiatorenhelm aus Pappe.

          Unblutige Gladiatorenlehre

          Vor allem an schwierigen Stellen hofft auch ihr Kollege Eric Wychlacz auf die Fragen seiner jungen Zuhörer, etwa beim Sarkophag im Dommuseum und dem Thema Tod. Immerhin hat der Student einen Leitfaden, was er dort an Wesentlichem vermitteln soll. Anna Kurtze, Museumspädagogin im Rheinischen Landesmuseum, hat die Konzepte entwickelt, von der unblutigen Gladiatorenlehre für Jüngere bis zur Schatzsuche für Ältere: "Sie führen zu den wichtigsten Exponaten in einem Themenfeld. Wie ein roter Faden, der inhaltlich mit den Wissenschaftlern im Haus abgestimmt ist." Sie ist froh, dass sie neben erprobten Gästeführern auch Studenten im Team hat: "Es macht Kinder aufmerksam, wenn sie auf Leute stoßen, die anders und jünger sind als ihre Lehrer." Auf Kurtzes Aushang an der Uni haben sich Hochschüler der Archäologie, Kunstgeschichte und der klassischen Philologie gemeldet. Und viele Geschichtsstudenten: Rund ein Drittel ihrer Kinder- und Jugendführer studieren das Fach.

          Mareen Fischer setzt ihr historisches Wissen indes schon länger für die Schau ein: In ihren beiden letzten Studienjahren hat sie als wissenschaftliche Hilfskraft für den Teil im Simeonstift gearbeitet, der sich mit dem Mythos Konstantins in späteren Zeiten befasst. Mittelalter-Professor Lukas Clemens hat sie dafür ausgewählt. Clemens war früher Kustos am Rheinischen Landesmuseum, ist jetzt für die Schau im Stift mitverantwortlich und fand in einer Uni-Übung drei Leute für sein Team. Seine Studenten haben zum Beispiel Hörtexte für Audioguides verfasst. "Die Frage war immer, was hat der Besucher vor Augen, was lässt sich daran anknüpfend an Hintergrund sagen", sagt Mareen Fischer und schwärmt: "Das ist etwas Handfestes." Nun schreibt sie Bewerbungen und hofft auf ein Volontariat in einem Museum. Trotz aller Erfahrung wird das nicht einfach.

          Methodenwissen erhöht die Chancen

          "Das Arbeitsfeld Museumspädagogik ist klein, und nur die wenigsten schaffen es da hinein", sagt Anne Kurtze, die zunächst als Restauratorin gearbeitet und mit viel freier Mitarbeit neben ihrem Studium der Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften den Einstieg gepackt hat. "Aber je mehr Ansätze und Methoden man kennt, desto höher sind die Chancen." Allerdings ohne Garantie auf Erfolg. Der Blick auf die Zahlen ernüchtert: 2752 offene Stellen für Geisteswissenschaftler wurden im Jahr 2006 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, lediglich 96 davon waren in Museen. Wer eine der raren Stellen im Kulturbetrieb ergattern möchte, braucht neben wissenschaftlichen Kenntnissen vor allem Praxis. Deshalb soll ein Praktikum in den Trierer Bachelor-Studiengängen für Geschichte verpflichtend werden.

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