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Gute Verdienstchancen : Ausländische Professoren entdecken Deutschland

  • -Aktualisiert am

Zuwanderin ins Hochschulsystem: Gökce Yurdakul, Humboldt-Universität Berlin Bild: Klaus Heimann

Nicht nur unter Studenten aus dem Ausland ist Deutschland so beliebt wie lange nicht. Auch Professoren zieht es an unsere Hochschulen. Unter anderem, weil sie hier gut verdienen.

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          Ich bin Kosmopolitin“, sagt Gökçe Yurdakul. „Meine Heimat ist nicht Deutschland, nicht die Türkei, Kanada oder Irland. Meine Heimat ist globale Ebene.“

          Die Bildungskarriere von Yurdakul bestätigt ihre Aussage: In der Türkei geboren und aufgewachsen, Studium der Soziologie an der Bogaziçi-Universität in Istanbul. Studienaufenthalt und Promotion an der Universität Toronto. Enge Kontakte in die Vereinigten Staaten. „Wir waren sehr oft dort, um Forschungsprojekte voranzutreiben oder um uns in Workshops zu treffen.“ Danach ging sie als Juniorprofessorin nach Dublin, an das renommierte Trinity College. Dann kam sie nach Deutschland, als Postdoktorandin an die Freie Universität Berlin. Seit nun fünf Jahren hat Gökçe Yurdakul eine Professur für vergleichende Studien zur Vielfalt und zu sozialen Konflikten an der Philosophischen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität (HU).

          Gökçe Yurdakul ist eine von rund 60 Professoren aus dem Ausland, die an der HU lehren und forschen. Hinzu kommen noch mehr als 350 Dozenten und Projektmitarbeiter aus dem Ausland, die in jedem Jahr für kurze Zeit in Berlin sind. Für Jan-Hendrik Olbertz, den Präsidenten der HU, sind diese „internationalen“ Wissenschaftler fester Bestandteil seiner Uni-Welt. Die Gewinnung solcher Spitzenwissenschaftler sei „eines der Hauptziele unserer Internationalisierungsstrategie“. Olbertz will sie langfristig an die Universität binden, so wie es ihm etwa bei Yurdakul gelungen ist.

          Auch viele von Gökçe Yurdakuls Studenten kommen aus dem Ausland. Im Sommer erscheint ihr neues Buch, das sie mit einer kanadischen Kollegin geschrieben hat. Es arbeitet die emotional geführten Debatten über Kopftücher der muslimischen Frauen auf. Ihr Terminkalender ist voll. Im April ist sie in New York, da geht es um die Proteste in der türkischen und arabischen Welt. Im Juni ist sie in Paris, wo sie an einer Konferenz zu Fragen der Migration teilnimmt. Studenten aus Frankreich, England und Amerika organisieren sie. Und an der Universität Toronto ist im Sommer eine weitere Gesprächsrunde gebucht, wo ein Migrationsprojekt zwischen Kanada, Korea und Deutschland begründet werden soll. Für Yurdakul sind ihre weltweiten Netzwerke Eckpfeiler ihrer Forschungsarbeit: „Netzwerke müssen immer gepflegt werden: Ich muss entweder ins Ausland reisen oder meine Ansprechpartner zur Humboldt-Uni einladen.“

          Noch immer wandern mehr Professoren ab

          So profitiert auch die Universität. Und der Bildungsstandort. Die deutsche Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vertritt die Ansicht, dass die internationalen Professoren „ideal positioniert sind, um die Netzwerkbildung ihrer deutschen Hochschule mit ausländischen Hochschul- und Forschungsinstitutionen weiterzuentwickeln“. Bund und Länder unterstützen deshalb Hochschulen bei ihren Anstrengungen, „exzellente Nachwuchswissenschaftler und Wissenschaftler aus dem Ausland für eine zeitweise oder dauerhafte Tätigkeit an deutschen Hochschulen zu gewinnen“, wie Wanka sagt.

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