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Geisteswissenschaften : „Jobwunder für Historiker“

  • -Aktualisiert am

Wo Historiker gefordert sind: Dreharbeiten zum Fernsehfilm „Dresden” Bild: AP

Die Zahl der arbeitslosen Historiker ist im vergangenen Jahr um ein Drittel gesunken. Jobs gibts beim Fernsehen und in den Archiven von Unternehmen - für den, der rechtzeitig die richtigen Kontakte knüpft.

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          Alexander Schug stand schon mit beiden Beinen im Berufsleben, als er das Examenszeugnis der Humboldt-Universität in Empfang nahm. Seine Magisterarbeit behandelte die Geschichte der Werbeagentur Dorland, die ihm für die Recherche ein Honorar zahlte. Der Transcript Verlag veröffentlichte ein Buch über die Wurzeln von Dorland - mit Schug als Koautor. Heute strotzt der 33 Jahre alte Historiker geradezu vor Selbstbewusstsein.

          Die „Vergangenheitsagentur“, die er im Jahr 2000 mit einem Kompagnon in Berlin gründete, zählt unter anderem den Lebensmittelkonzern Kraft Foods und den Süßwarenhersteller Sawade zu seinen Kunden. Alexander Schug erforscht ihre Geschichte und stellt diese medienwirksam dar. Er schreibt Texte zu Firmenjubiläen und konzipiert Ausstellungen. Von dem, was die „Vergangenheitsagentur“ abwirft, habe er von Anfang an leben können, berichtet Schug: „Ich kann was, und das kostet auch Geld.“ Es sei nicht einzusehen, dass ein Historiker weniger verdiene als beispielsweise ein Ingenieur.

          Auf die Selbstvermarktung achten

          Landläufigen Vorurteilen zufolge sind Geisteswissenschaftler die Stiefkinder des Arbeitsmarktes. Wer nicht mindestens im Nebenfach Betriebswirtschaft studiert, habe bei den Unternehmen kaum eine Chance, heißt es. Dann wieder werden Historiker, Germanisten und Co. für ihre ganzheitliche Sicht und kritische Herangehensweise gelobt. Das Beispiel Alexander Schug zeigt: Wer beizeiten die richtigen Kontakte knüpft und sich schlau vermarktet, kann von seinem Handwerk leben. So mancher Absolvent durchleidet allerdings eine schwierige Anlaufphase mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Als Volontär, Referendar oder freier Mitarbeiter verdient er im Durchschnitt weniger als ein junger Betriebswirtschaftler oder Informatiker. Nach Ansicht der Karriereberaterin Sabine Breitbart helfen frühzeitig gesammelte praktische Erfahrungen dem Absolventen dabei, sich rasch „von eher einfacheren Einstiegstätigkeiten in verantwortungsvollere Positionen zu verbessern“. Außerdem hält Breitbart „Medien- und EDV-Kompetenz“ für unerlässlich, ebenso wie die schon so häufig geforderten betriebswirtschaftlichen Kenntnisse.

          Geschichte, medienwirksam dargestellt: „Die Luftbruecke”
          Geschichte, medienwirksam dargestellt: „Die Luftbruecke” : Bild: ddp

          Der Absolvent darf sich freuen: Dank des Konjunkturaufschwungs gab es im Jahr 2006 deutlich mehr Stellen für die Geisteswissenschaftler. Nach Informationen der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) hat sich die Zahl der beschäftigungslosen Historiker um ein Drittel verringert. Marion Rang von der ZAV hofft auf weitere Jobs. „Dass 2007 zum Jahr der Geisteswissenschaften erklärt wurde, hat einen positiven Effekt auf die Arbeitgeber“, glaubt sie.

          Angemessen bezahlte Tätigkeiten

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