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Kritik am Jurastudium : Herr Professor, wo bleibt die Selbstkritik?

  • -Aktualisiert am

Wer heute Jura studiert weiß, dass ihm nach dem Abschluss nicht zwangsläufig eine Stelle als Richter oder Anwalt winkt. Umso verbissener wird gelernt, was examensrelevant ist. Bild: Picture-Alliance

In dem Beitrag „Das freie Denken kommt zu kurz“ kritisierte Juraprofessor Peter Oestmann den Aufbau des Studiums, aber vor allem dessen Studenten. Drei widersprechen und wünschen sich einen ungetrübten Blick aus dem Elfenbeinturm.

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          Am Ende bricht sich der ganze Frust ungehemmt Bahn. Mit einer Litanei von als Fragen getarnten Vorwürfen beendet Professor Oestmann in seinem Beitrag „Das freie Denken kommt zu kurz“ seinen Rundumschlag gegen das aktuelle System des juristischen Studiums sowie seiner Studenten. Nach der Lektüre bleibt der Eindruck: der Großteil der Studentenschar ist ein unmündiger, unselbstständiger und angepasster Haufen geld- und karrieregeiler Einfaltspinsel. Ohne „echte“ Bildung verlassen diese Schmalspurjuristen die Universität mit bloß technischem, auf die schnöde Anwendung in der Praxis gerichtetem Fachwissen.

          Ohne je Kontakt mit der Wissenschaft gehabt, einen Blick nach „links und rechts“ geworfen und sich kulturell weitergebildet oder außeruniversitär engagiert zu haben, sind sie Zeichen für den Niedergang der Universität von der Bildungs- zur Ausbildungsstätte und vom Ort der Freiheit zum Ort der Autorität und der Regeln. Konsequenz dieser Analyse soll, so Professor Oestmann, die Teilung der juristischen Ausbildung in zwei Gruppen sein: die Masse an die Fachhochschule, die wenigen wirklich Interessierten sollen an der Uni bleiben dürfen. Da könne dann wieder die „universitas“, eine ganzheitliche Ausbildung in Gemeinschaft von Professor und Student erreicht werden.

          Kritik an den heranwachsenden Generationen ist kein neues Phänomen. Schon der alte Cato, konservativer und rechtskundiger Staatsmann zur Zeit der Römischen Republik, wusste genau: die Sitten der Jugend verfallen, nur der mos maiorum bietet Rettung, sonst droht der Niedergang der Gesellschaft. Als direkt angesprochene und vom System unmittelbar betroffene Münsteraner Jurastudenten wollen wir diesen düsteren Thesen einen lauten Widerspruch entgegensetzen. Dabei wird sich zeigen: Der Bildungshunger des gemeinen Jurastudenten ist heute nicht per se kleiner als früher. Einzig richtiger Adressat der Kritik wären die Professoren selbst gewesen. Nun wollen wir einen eigenen Vorschlag zur Reform des Jurastudiums unterbreiten.

          I. Begeisterung für Bildung? Aber sicher!

          Kein Erstsemester beginnt das Studium in voller Vorfreude auf Engstirnigkeit und „Papageienwissen“. Dass viele bereits zu Studienbeginn hoch motiviert sind und gute Noten anstreben, ist ihnen jedoch nicht vorzuwerfen, sondern angesichts der heutigen Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt eine Selbstverständlichkeit. Bildung hin oder her: ein erfolgreicher Abschluss bietet die Grundlage für einen Berufseinstieg. Das bedeutet jedoch nicht, dass Studium und Examen allein in der Aufnahme von rein technischem Handwerkswissen bestehen. Denn „das Recht“ durchdringt nahezu alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens. Wer ein Jurastudium durchläuft, erfährt schnell: juristisches Fachwissen allein reicht nicht.

          Lebenserfahrung und – da wo sie fehlt – die Offenheit, sich in unbekannte Themenfelder hineinzudenken, sind conditio sine qua non für ein gelungenes Studium. Dass diese Erkenntnis weit verbreitet ist, lässt sich unserer Meinung nach an zahlreichen Beispielen belegen. Der Erfolg von Veranstaltungsreihen wie dem „JuraForum“ in Münster, der studentischen Ausbildungszeitschrift „Ad Legendum“, Diskussionsrunden der Fachschaften, von Moot Courts, der studentischen Rechtsberatungen und vieler weiterer Initiativen zeigt, dass es sich bei der These vom rein examensfixierten Studenten nur um einen subjektiven Eindruck aus den Höhen des Elfenbeinturms handeln kann.

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