https://www.faz.net/-gyl-wgni

Gebalzt wird, was das Zeug hält : Wo die Besten studieren, ziehen die Besten nach

  • -Aktualisiert am

Wer darf wann wo was studieren? Bild: ddp

Jeden nimmt sie nicht, die deutsche Hochschule. Könnte ja noch ein besserer Bewerber kommen. Sechzig Prozent ihrer Studenten wählen die staatlichen Universitäten schon selbst aus: Wie sich Hochschulen und Abiturienten umwerben.

          4 Min.

          Es ist das alte Spiel. Er will nur sie, die Attraktivste von allen. Die Mauerblümchen interessieren ihn nicht. Aber die Begehrte weiß um ihre Reize - schließlich macht man ihr täglich unzählige Anträge. Jeden nimmt sie nicht: Könnte ja noch ein Besserer kommen. "So läuft das eben in der Partnerwahl", stellt Heinz Schuler lakonisch fest. Sie, das ist die Spitzenuniversität, er der ambitionierte Bewerber. Und der Hohenheimer Psychologieprofessor Schuler weiß, nach welchen Regeln Hochschulen und Abiturienten sich umwerben.

          Gebalzt wird, was das Zeug hält. Denn genau so selten, wie heute noch Nachbarsjunge und -mädchen einander heiraten, wählen die Abiturienten die erste Hochschule, die ihnen in den Sinn kommt. Weit weg von zu Hause zu studieren schreckt die Ehrgeizigen nicht ab, sie wollen wissen: Wo wird mir in meinem Fach das meiste geboten, und welche Hochschule hat den besten Ruf? 60 Prozent ihrer Studenten können sich die öffentlichen Hochschulen inzwischen aussuchen, die privaten ohnehin jeden einzelnen. Schuler, der zu Auswahlverfahren an Hochschulen forscht, stellt fest, dass davon eifrig Gebrauch gemacht wird: "Der Markt professionalisiert sich." Neben dem Wunsch, der wachsenden Bewerberzahl bei immer weniger Professorenstellen Herr zu werden, ist es die Suche nach den Topstudenten, die zu den Beschränkungen führt. Schließlich sollen die Absolventen Karriere machen. Und die Universitäten erhalten Prämien für Studenten, die in der Regelstudienzeit ihren Abschluss schaffen, anstatt zu bummeln. Die Folge: Jeder zweite der rund 9000 Studiengänge an deutschen Hochschulen ist inzwischen zulassungsbeschränkt.

          Für die Masse ist der Numerus clausus die Hürde

          Bei den Massenstudiengängen ist immer noch der Numerus clausus die Hürde. So ist für den, der Psychologie studieren möchte, oft auch an Durchschnittsuniversitäten ein Notendurchschnitt von 1,0 die einzige Chance, ohne Wartesemester loslegen zu können. In Baden-Württemberg treten die, die Medizin studieren wollen, zu schriftlichen Intelligenztests an - und zahlen dafür 50 Euro Teilnahmegebühr. "Die Unis sind ganz wild darauf, sich ihre Leute selbst auszusuchen", meint Schuler. Dabei überschätzten sich die Hochschulen aber oft. Selbst konstruierte Tests brächten oft nicht das gewünschte Ergebnis. Häufig werde auch die Aussagekraft von Interviews überschätzt. Am Ende habe man dann doch nicht die Studenten, die man wollte.

          Die Qual der freien Auswahl haben die öffentlichen Spitzenhochschulen wie etwa die Technische Universität München. Sie gehört als einer der "Leuchttürme der Wissenschaft" zu den Gewinnern der Exzellenzinitiative: Ihr Zukunftskonzept, zwei Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule erschienen der Kommission förderungswürdig. Seitdem, erzählt TU-Präsident Wolfgang Herrmann, seien die ohnehin seit Jahren wachsenden Bewerberzahlen sprunghaft angestiegen. Und das, obwohl die Gelder aus dem Wettbewerb komplett in die Forschung, nicht in die Lehre fließen. Viele spekulieren aber auf die gute Adresse im Lebenslauf. "Wir sind mit Stanford auf Augenhöhe", sagt Herrmann. "Und wir wollen nicht jeden. Wir wollen die Topleute aus der ganzen Welt." Kein Wunder, dass München im Talentindex, den Roland Berger für die F.A.S. erstellt hat, an erster Stelle steht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine App für mehr Freiheiten? So könnte der grenzüberschreitende Corona-Impfausweis künftig aussehen.

          Vier Fragen zur Immunität : Was steht drin im Corona-Impfpass?

          Immun gegen Corona, geht das überhaupt? Der europäische Impfpass ist von der Politik inzwischen fest avisiert, aber es sind einige Fragen offen. Was könnte in einem Immunitätszertifikat stehen, das digital überall abrufbar ist? Vier Fragen, vier Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.