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Frauen-Studiengänge : Frauen und Technik

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Sie arbeitet inzwischen gerne mit den „Jungs“ zusammen - vor allem, wenn die ihre Technikbegeisterung teilen. „Der BWL-Teil des Studiums liegt mir nicht so sehr, habe ich festgestellt. Im Nachhinein wäre Maschinenbau sicher doch das Richtige für mich gewesen“, sagt Marika. Bereut hat sie die Entscheidung für das Frauenstudium trotzdem nicht, für das sie vom Bodensee nach Wilhelmshaven gezogen ist. In den ersten Semestern unter Frauen habe sie von der intensiven Betreuung profitiert und mehr Selbstbewusstsein gewonnen. „Aber später im Job will ich ja schließlich auch mit Männern zusammenarbeiten. Also will ich im Studium auch lernen, mich durchzuboxen“, sagt Marika. Am liebsten wäre es ihr ohnehin, wenn im Studium und später im Berufsleben einfach nur Noten und Leistung zählen und sie als Frau keine Exotin wäre.

Wenn sie sich nach dem Bachelor-Abschluss für ihren ersten Job bewirbt, will sie daher auch nicht darauf hinweisen, dass sie in einem Frauenstudiengang studiert hat. „Man weiß ja nie, ob Personaler das positiv oder negativ bewerten.“ Für den Studiengang in Wilhelmshaven hat sie sich auch deshalb entschieden, weil die Hochschule stets betont, dass das Frauenstudium inhaltlich vollkommen gleichwertig zum herkömmlichen Studiengang ist. Auf dem Abschlusszeugnis ist nicht erkennbar, dass die Absolventinnen die ersten Semester in reinen Frauenkursen verbracht haben. „Die Studentinnen sollen selbst entscheiden, ob sie das zum Thema machen oder nicht“, sagt Studiengangsleiterin Schleier. „Denn natürlich gibt es durchaus Vorurteile, mit denen Absolventinnen eines Frauenstudiengangs konfrontiert werden. Oft heißt es etwa, die Studentinnen hätten nicht gelernt, sich gegen Männer durchzusetzen, und kämen deshalb im Berufsleben nicht klar.“ Die Lösung, nach den ersten Semestern wieder zur Koedukation überzugehen und Männer und Frauen zu einem gemeinsamen Abschluss zu führen, hält Schleier daher für sinnvoller als ein reines Frauenstudium.

Auf dem Arbeitsmark knapp und sehr begehrt

Einige Hochschulen sehen das anders und bieten „frauentypische“ Inhalte an. Die Fachhochschule Stralsund etwa wirbt mit einem Schwerpunkt auf Kommunikations- und anderen Softskills-Kursen im Wirtschaftsingenieurstudium. Das soll die „eher multidisziplinären Interessenlagen“ von Frauen ansprechen. Der Frauen-Informatikstudiengang in Berlin wirbt mit besonders familienfreundlichen Studienzeiten, die auch Frauen mit Kindern das Studium ermöglichen sollen. Und im Informatikstudium an der Hochschule Bremen bleiben Studentinnen bis zum Bachelor in allen Pflichtveranstaltungen unter sich, der Studiengang setzt auch inhaltlich eigene Schwerpunkte.

Vorurteile bei Arbeitgebern müssen Absolventinnen von Frauenstudiengängen kaum fürchten, beruhigt Christian Richter von der Personalberatung Select-if in Düsseldorf: „Technische Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt knapp und sehr begehrt. Viele Unternehmen arbeiten daher ohnehin daran, mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern.“ Unternehmen könnten Frauenstudiengänge daher sogar spannend finden. „Das sind ja keine Mädcheninternate, bei denen die Studentinnen jahrelang nichts mit Männern zu tun haben.“ Wer sich im Bewerbungsgespräch selbstbewusst präsentiere und fachlich gut sei, werde keine Probleme haben.

Eine Alternative zu Frauenstudiengängen bieten spezielle Förderangebote von Hochschulen und Unternehmen. In Hamburg bietet etwa das Programm „Pro Technicale“ ein Orientierungsjahr für Abiturientinnen mit den Schwerpunkten Luft- und Raumfahrt und Erneuerbare Energien. Hier absolvieren Schulabgängerinnen elf Monate technische Einführungskurse, tüfteln in Ausbildungswerkstätten und sprechen mit erfolgreichen Ingenieurinnen über deren Erfahrungen. .Johanna Hoppe hat das Trainingsjahr im August 2013 begonnen und lebt jetzt gemeinsam mit 13 weiteren Programmteilnehmerinnen auf einem „Wohncampus“. Das WG-Leben gefällt ihr: „Es ist toll, so viele Frauen kennenzulernen, die sich auch für Technik begeistern“, sagt die 18-Jährige. Mittlerweile sei sie sich ziemlich sicher, was sie studieren will: Maschinenbau soll es sein.

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