https://www.faz.net/-gyl-99jxs

Forststudiengänge : Wald-Master

  • -Aktualisiert am

Gute Perspektiven: Forstwirtschaft und Forstwissenschaften sind vielversprechende Studiengänge Bild: dpa

Wer Bäume und Natur liebt, hat jede Menge Studienmöglichkeiten – und kann viel mehr als Förster werden. Die Studiengänge sind so beliebt, dass es fast überall einen NC gibt.

          5 Min.

          Philipp Gerhardts Arbeitsplatz ist der Wald. Der 25 Jahre alte Student ist angehender Förster. Auf seiner To-do-Liste stehen Punkte wie „Altbäume kartieren“ oder „Bäume auszeichnen“. Bäume, die bald gefällt werden müssen, markiert er mit pinker Farbe. Anders sieht es bei Marlen Schneider aus: Bei der Key-Account-Managerin dreht sich den ganzen Tag lang alles um Dämmstoffe und Bauelemente. Die 29-Jährige arbeitet bei einem Unternehmen für Bauprodukte. Maya Ehmig wie-derum will zwar im Wald arbeiten, aber mit Baumfällen nichts zu tun haben – ihr Ding ist es, sich um Naturschutz und Waldpädagogik zu kümmern. So verschieden die Berufsfelder von Philipp Gerhardt, Marlen Schneider und Maya Ehmig auch sind – eines verbindet sie: Alle drei haben ein grünes Studium absolviert, nämlich Forstwirtschaft oder Forstwissenschaften.

          Längst verschlägt es Absolventen der Forstwirtschaft oder -wissenschaften nicht mehr nur in den Wald oder in die Forstverwaltung, sondern auch ins Großstadtbüro oder auf internationale Kongresse. Statt grüner Lodenjacke und Filzhut tragen sie auch mal blauen Anzug und Krawatte oder ein Kostüm zu hohen Schuhen. Kurzum: Wer ein grünes Studium in der Tasche hat, gilt als Generalist. Denn neben dem naturwissenschaftlichen Wissen stehen auch Module mit be-triebswirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Inhalten auf dem Stundenplan. „Forstleute sind sehr breit ausgebildet und in der Lage, langfristig und nachhaltig zu denken“, sagt Jens Düring vom Bund Deutscher Forstleute. Diese Kompetenzen sind auch außerhalb des Forstamts gefragt: Entwicklungsarbeit im Ausland, Naturschutzverbände, Holzindustrie, Politik oder Forschung sind nur einige Bereiche, in denen Forst-Absolventen gesucht werden.

          Und das Interesse nimmt zu: Der Bund Deutscher Forstleute schätzt, dass in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten mindestens ein Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Forstdienst in Rente gehen wird. Von dieser Pensionierungswelle seien auch viele Privatunternehmen betroffen. Aktuell arbeiten in Deutschland 1,1 Millionen Menschen im Cluster Forst und Holz. „Je flexibler die Absolventen sind, desto vielfältiger sind ihre Berufsaussichten“, resümiert Wolf Ebeling, Geschäftsführer des Deutschen Forstwirtschaftsrats.

          „Ich will nicht im Großraumbüro versauern“, sagt Philipp Gerhardt, Bachelorabsolvent in Forstwirtschaft
          „Ich will nicht im Großraumbüro versauern“, sagt Philipp Gerhardt, Bachelorabsolvent in Forstwirtschaft : Bild: Privat

          Die forstlichen Studiengänge in Deutschland machen es möglich, dass Studierende sich breit aufstellen. Neben dem klassischen Grundstudium der Forstwirtschaft oder -wissenschaften gibt es auch Fächer mit spezialisiertem Fokus. In Rottenburg können sich Studierende zum Beispiel für „Erneuerbare Energien“, „Nachhaltiges Regionalmanagement“ oder „Ressourceneffizientes Bauen“ einschreiben. „Die moderne Forstbewirtschaftung umfasst mehr Aspekte als die Holzproduktion“, sagt Ebeling. „Die Spezialisierung der Forst-Studenten ist wichtig, um weltweit ein ökologisch korrektes Management der Wälder und der angegliederten Branchen zu gewährleisten.“

          Forstwirtschaft ist praxisnäher

          Fast alle forstlichen Studiengänge sind durch einen Numerus clausus zulassungsbeschränkt. An der Hochschule Rottenburg haben sich für das vergangene Wintersemester 650 Interessierte auf den Bachelorstudiengang Forstwirtschaft beworben – 90 freie Plätze gab es. Neben der Hochschule Rottenburg, die als einzige in Deutschland einen klaren forstlichen Fokus hat, können sich Interessierte an mehreren weiteren Fachhochschulen und Universitäten einschreiben (siehe Kasten). Der Hauptunterschied zwischen Forstwirtschaft und Forstwissenschaften: Das Forstwirtschaftsstudium ist praxisnäher, ein forstwissenschaftliches Studium richtet sich mehr auf die Forschung. Während Forstwissenschaftler oft in die Forstverwaltungslaufbahn eintreten, haben Förster meistens Forstwirtschaft studiert. Durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge an beiden Hochschularten sei diese klare Trennung mittlerweile aber nicht mehr immer gegeben, sagt Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule Rottenburg.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone

          Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

          Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.