https://www.faz.net/-gyl-7bcto

Existenzgründung : Garage, Geld und Geistesblitz

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak

Mit einer guten Idee ist es noch nicht getan. Für die Gründung eines Unternehmens ist auch öde Buchhaltung gefragt. Dabei helfen die Gründerzentren an deutschen Universitäten. Ein Besuch vor Ort.

          5 Min.

          Gründer wie der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs schmissen ihr Studium und tauschten die Uni gegen die Garage. Inzwischen läuft das umgekehrt: Für die heutige Gründergeneration richten Hochschulen eigens Garagen ein, damit sie ihrem Erfindergeist freien Lauf lassen können: In der Prototypenwerkstatt des Unternehmertum GmbH, einem An-Institut der Technischen Universität München, kreischen schrille Schleifgeräusche durch die Halle, selbstgebaute Rennwagen und der Prototyp eines Hightech-Apothekerschranks stehen neben Fräsmaschinen, Werkzeugkästen und Sägen. An den Wänden strecken sich Regale voller Bauteile zur Decke empor. Es riecht nach Gummi und Öl. Hier können Gründer erste Ausführungen ihres Produkts bauen.

          Bald schon soll die Halle vergrößert werden. Eine Firma aus dem Silicon Valley will im nächsten Jahr eine noch größere Tüftler-Garage auf dem Campus plazieren. Ähnlich wie in dem berühmten Tal nahe der Universität von Stanford soll hier ein Eldorado für gründungsfreudige Studenten entstehen, frei nach dem kalifornischen Credo: „Wer erfolgreich sein will, braucht einen Geistesblitz und eine Garage.“ In solch einer Garage hat nicht nur Steve Jobs an Apple-Computern getüftelt, sondern auch Studienabbrecher Larry Page und Sergey Brin an der ersten Version der Suchmaschine Google. Beides machte die Gründer zu Milliardären und die Garagen zu gigantischen Konzernen. Doch anders als damals die Vereinigten Staaten surft die Bundesrepublik momentan nicht gerade auf einer Gründungswelle, statistisch gesehen zumindest. „Wir befinden uns in einer ungünstigen Situation für Gründer,“ sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zu gut stehe es um den Arbeitsmarkt und zu schlecht um die Konjunktur. Die Bankengruppe veröffentlichte erst im Mai ihren „Gründungsmonitor“ mit dem Ergebnis, dass sich 2012 nur 750.000 Deutsche selbständig machten. Das ist der niedrigste Stand seit der Jahrtausendwende.

          Bisher arbeiten sechs Teams in der Halle an ihren Prototypen. Frederik Brantner ist Geschäftsführer des Start-ups „Magazino“ und einer von ihnen. „Inspiriert hat mich mein Chaos zu Hause“, sagt der 27-jährige Betriebswirt lachend und holt ein Modell seines Schranksystems: ein weißer Turm mit Touchscreen. Im Inneren besteht er aus drehbaren, kreisrunden Scheiben, die übereinandergestapelt sind. Dazwischen sollen Produkte gelagert werden, so Brantner. Das Gerät lässt sich über einen Bildschirm bedienen, der an ein iPad erinnert und soll die gelagerten Produkte auf Knopfdruck ausspucken. „Das spart Platz und vereinfacht die Logistik“, erklärt Brantner. Erfolg erhofft sich der Betriebswirt zunächst bei den Apothekern, deren Lagersysteme oft viel Platz in Anspruch nähmen.

          Eine App zur Unterstützung

          Den Alltag vereinfachen soll auch die Innovation des Start-ups Navvis. „GPS-Systeme für draußen gibt es schon, nur in Gebäuden funktionieren sie noch nicht“, erklärt Georg Schroth. Sein Team hat eine Navigations-App entwickelt, die Studenten den Weg zum Hörsaal weisen und die Mitarbeiter großer Firmen durch unübersichtliche Gebäudekomplexe lotsen soll. Die Idee ist dem Doktoranden während eines Forschungsaufenthalts an der Universität Stanford gekommen, nur einen Steinwurf entfernt vom Silicon Valley.

          Weitere Themen

          Getsafe geht über den Kanal

          Digitale Start-ups : Getsafe geht über den Kanal

          Der Heidelberger Digitalversicherer expandiert nach Großbritannien. Dort gibt es noch keinen Anbieter, der für „Millenials“ alle Policen auf eine App bringt. Aber das Publikum ist Technik-affiner als hierzulande.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.