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European Business School : Wie man eine Privatuniversität rettet

Fast bankrott und nun wieder solide: Die EBS Bild: dpa

Der Ruf war ramponiert, die Zahlen desaströs: 2014 war die Privathochschule EBS fast bankrott. Nun steht sie wieder auf solider Basis. Wie konnte das so schnell gelingen?

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          Holger Follmann ist bester Laune; dabei hat er gerade Abschied genommen. Am Freitag hat der gelernte Bankkaufmann und Sparkassenfachwirt seinen Posten als Geschäftsführer der EBS Universität für Wirtschaft und Recht niedergelegt. Follmann ist auf eigenen Wunsch gegangen. Wahnsinnig nervenaufreibend und körperlich belastend seien die vergangenen zwei Jahre gewesen, sagt der 45 Jahre alte Vater von vier Kindern. Täglich habe er 18 Stunden gearbeitet, sechs Tage die Woche, seine Familie kaum gesehen. „2015 war das härteste Arbeitsjahr, das ich je hatte“, sagt er, der auch vorher nicht im Verdacht gestanden hatte, Däumchen zu drehen. Follmann ist ein Hansdampf in allen Gassen, der Ideen in die unternehmerische Tat umsetzt und stetig an seinem beeindruckenden Netzwerk bastelt.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Follmann ist aber auch sehr zufrieden mit seinem bisherigen Wirken für die EBS; er bleibt ihr als Berater verbunden und wird eine „Werteakademie“ aufbauen, die an die EBS angedockt sein wird. Die Hochschule, die zu Beginn seiner Tätigkeit im Mai 2014 am Rande des Abgrunds stand, hat er wieder auf eine solide finanzielle Basis gestellt. Das war die Voraussetzung dafür, dass die EBS vor zwei Monaten an das Bildungs- und Gesundheitsunternehmen SRH aus Heidelberg verkauft werden konnte. Minus 10 Millionen Euro betrug das Eigenkapital Ende 2014, Ende 2015 waren es plus 440.000 Euro, inzwischen sind es - nach dem Verkauf - 10 Millionen Euro. Der operative Gewinn habe im vergangenen Jahr 1,98 Millionen Euro betragen. „Das ist das operativ beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte“, sagt Follmann.

          Auch die Zahl der Neueinschreibungen sei mit 586 auf Rekordstand, 2015 seien es nur 440 gewesen. Insgesamt zählt die Universität gut 2300 Studenten. Wichtig sei, dass die Zahl der Bewerber wieder deutlich über der Zahl der Studienplätze liege; rund 15 Prozent habe man ablehnen müssen. Das sei dringend nötig gewesen, denn mit der Qualität der Studenten steige auch die Qualität des Studiums.

          Ramponierter Ruf

          Follmanns Aufgabe war beträchtlich. Der Ruf der 1971 gegründeten ältesten deutschen Privatuniversität für BWL mit Standorten in Wiesbaden und Oestrich-Winkel war nach Skandalen über falsch verwendetes Steuergeld und Untreuevorwürfen gegen den 2011 zurückgetretenen Präsidenten Christopher Jahns ramponiert. Vom Land Hessen erhaltenes Geld musste zurückgezahlt werden. Abiturienten konnten nicht mehr auf den Fortbestand der Hochschule vertrauen, die für die auch in finanzieller Hinsicht guten Berufsaussichten ihrer Absolventen bekannt ist; die Zahl der Studenten sank.

          Spitz auf Knopf stand es, als Follmann zur Hilfe gerufen wurde. Zuvor hatte er sich schon als Sanierer bewährt. „Die Unternehmer Jürgen Heraeus und Reinhold Würth haben mir geholfen, so dass wir die Philharmonie der Nationen von Justus Frantz retten konnten“, erzählt er. Auch dem Fußballverein TSV 1860 München habe er aus der Finanzmisere geholfen. Die EBS brauchte im Mai 2014 ganz schnell 2 Millionen Euro, sonst wäre sie insolvent gewesen. Follmann schrieb seine Kontakte an, die er unter anderem durch eine eigene Stiftung, die „Stiftung Initiative Werte Stipendium“, hat - und bekam das Geld zusammen.

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