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Ethik für Betriebswirte : Anständig wirtschaften

Nicht nur nach Geld soll man streben. Bild: Fotolia

Geld verdienen und gleichzeitig menschlich anständig bleiben, das ist nichts für Sozialromantiker, sondern für einige Studiengänge Programm. Die Hochschulen in Koblenz-Vallendar und Eichstätt-Ingolstadt machen das vor.

          5 Min.

          Die Hochschule hat einen guten Namen, und das soll auch so bleiben. Sie wolle nicht nur die Leistungselite, sondern auch "die Verantwortungselite" ausbilden, sagt Lutz Kaufmann von der privaten WHU - Otto Beisheim School of Management. "Wir gewichten das Kriterium soziale und emotionale Intelligenz künftig stärker bei der Auswahl unserer Studenten", erklärt der Professor vom Herbert-Quandt-Stiftungslehrstuhl für Internationales Management, der in Vallendar bei Koblenz unterrichtet.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Was für die soziale Haltung der rund 500 WHU-Studenten spricht, zeigt zum Beispiel die 24-Stunden-Bibliothek, die sieben Tage die Woche mit Chipkarte zugänglich ist. Die Studenten leihen die Bücher, scannen sie selbst, "und es gibt keinen nennenswerten prozentualen Schwund", freut sich Kaufmann.

          Verantwortliches Handeln zahlt sich aus

          Einer, der den Bewerbungsmarathon bewältigt hat, ist Sven Christopher Wagner. Der 21jährige deutsch-peruanischer Abstammung studiert Wirtschaftswissenschaften in Vallendar und ist zur Zeit Praktikant einer deutschen Unternehmensberatung in Mumbai. Drei Monate verbringt er im indischen Finanzzentrum und ist überzeugt, "eine der besten Zeiten" seines Lebens zu erleben: Die Menschen seien warmherzig, die Aufbruchstimmung vieler internationaler Unternehmen sei beeindruckend, meldet er per Mail.

          Langweilen wird er sich auch zum neuen Wintersemester in Rheinland-Pfalz nicht. Denn wenn er und seine Kommilitonen, von denen die meisten derzeit über den Globus verteilt in Praktika weilen, zurückkehren, dann geht das straffe, nach dem Bachelor nur auf Englisch gehaltene Studienprogramm weiter und parallel dazu das soziale Engagement. Das sei zwar "sehr zeit- und stressintensiv", lohne sich aber. "Hier wird viel Wert darauf gelegt, dass man neben der fachlichen Komponente auch sozial herausgefordert und gefördert wird", sagt Wagner.

          Am ersten Studientag stellen sich die sozialen Initiativen der Hochschule vor, und jeder neue Jahrgang wird integriert. "Bei uns werden Personen nicht herausgestellt, sondern Initiativen. Sie können nie in einen Menschen hineingucken und sehen, ob jemand damit Lebenslaufdesign betreibt. Aber ich habe nicht den Eindruck", lobt Lutz Kaufmann. Wagner ist zum Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit von "WHU-Euromasters" zuständig, dem größten Sportereignis europäischer Business Schools, zu dem sich im November mehr als 1000 Studenten aus sieben Ländern treffen.

          Vom Blutspendetag bis zum Benefizkonzert

          Vor allem aber ist er im Vorstand von "WHU-Studenten helfen e.V.", ein Verein mit 90 jungen Leuten, der das Ziel hat, "etwas an die Gesellschaft zurückzugeben, national und international". Geholfen haben die Jungakademiker bisher einem Frauenkrankenhaus in Afghanistan, einem afrikanischen Waisendorf und einem Solarprojekt, aktuell werden ein Krankenhaus und Schulen in Peru mit Sachspenden unterstützt. Wieder wird eine Gruppe von Studenten - auf eigene Kosten - zu den Orten reisen und mit anpacken. Außerdem gibt es einen Blutspendetag und zweimal jährlich ein Benefizkonzert zu Gunsten eines karitativen Zwecks. Überdies helfen die Studenten Realschülern mit Migrationshintergrund bei den Hausaufgaben. Gefeiert wird aber auch, der Überschuss vom Grillfest und von der "Indian Night" und der "Scandinavian Party" erfreut eine Neurologische Klinik.

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