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Entwicklungszusammenarbeit : Exotische Ökonomen ohne Patentrezept

Praktika sind unerlässlich: Thilo Klein fuhr in die Slums von Hyderabad. Unser Bild zeigt zwei Kinder in einem solchen Slumgebiet während des Hindu-Festes Diwali Bild: AP

Wer Wirtschaftswissenschaften studiert und seine Zukunft in der Entwicklungshilfe sieht, hat die Qual der Wahl: Den Königsweg für die Karriere gibt es nicht. Dafür eine ganze Menge Möglichkeiten.

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          Ursprünglich hatte sich Thilo Klein für ein Studium in Wirtschaftspädagogik und Mathe eingeschrieben. Heute tourt er am liebsten durch indische Slums und versucht mit seiner Forschung Kleinstkreditbanken für arme Bevölkerungsschichten zu unterstützen. Er staunt über den Straßenverkehr in Hyderabad, wo sich Fußgänger, Kühe, Laster und Handkarren zu einem bunten Durcheinander mischen, und wartet wochenlang auf Daten, die er für seine Studienarbeit braucht. „Dort dauert alles etwas länger“, sagt er. „Eine bizarre Mischung aus Chaos und Relaxtheit.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Nach Indien gelangt ist Thilo Klein über Umwege. Erst im Lauf seines Studiums hat er Spaß an der Entwicklungsökonomik gefunden, sich entsprechende Praktika gesucht und das Thema für seine Diplomarbeit aus dem Dunstkreis der Mikrofinanzierung gewählt - ein entwicklungspolitisches Instrument, das Muhammad Yunus, einem Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch, 2006 den Friedensnobelpreis brachte. So weit ist Thilo Klein noch nicht. Er arbeitet an einem Management-Science-Master in Cambridge und ackert sich durch komplizierte statistische Modelle. Später will er Kleinstkreditbanken helfen, ihren Kunden besser zu helfen.

          „Ein Patentrezept gibt es leider nicht“

          Kein untypischer Weg für Studenten, die in die Entwicklungszusammenarbeit gehen möchten. „Es kommt gar nicht so sehr auf den genauen Studiengang an“, sagt Hartwig Euler vom Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee. Praktika in einem Entwicklungs- oder Schwellenland, einschlägige Abschlussarbeitsthemen, Studienschwerpunkte, die sich mit bestimmten Weltregionen befassen - all das seien gute Optionen.

          Anders gesagt: „Ein Patentrezept gibt es leider nicht“, wie Ausbildungsleiter Thomas Fues vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) die Situation beschreibt. Das Postgraduierten-Programm des DIE gilt in der Helferbranche als Sprungbrett für Ambitionierte. Nur etwa 20 Bewerber je Jahrgang werden angenommen. „Politik- und Sozialwissenschaftler sind genauso gefragt wie Wirtschaftswissenschaftler, wenn es um Entwicklungszusammenarbeit geht“, sagt Fues. „Wir haben aber auch Juristen, Geographen, Islamwissenschaftler und Ethnologen.“ Anfängern rät er, zu studieren, was ihren Interessen und Neigungen entspricht - und dann Themenschwerpunkte zu setzen.

          „Viele Perspektiven entwickeln sich erst nach und nach“

          Wer das nicht mit Praktika oder Freiwilligenarbeit tun möchte, findet vor allem einschlägige Master- und Doktorandenstudiengänge. Einen „Master of Development Finance“ kann man zum Beispiel an der Frankfurt School of Finance absolvieren. Vier Semester Ökonomie, Finanzwissenschaft und Management stehen auf dem Programm, außerdem die Mitarbeit in einem Development-Finance-Projekt. In Berlin bietet die Hochschule für Technik und Wirtschaft das drei Semester lange „Master's Programme in International and Development Economics“ (Mide) an. Auch die Ruhr-Universität in Bochum hat einen Master in Development Management im Programm. Ein Doktorandenprogramm gibt es außerdem am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn. Und für einzelne Studienarbeiten lassen sich durchaus Sponsoren finden. Auf diese Weise unterstützte zum Beispiel die Nichtregierungsorganisation „Planet Finance“ den Indien-Aufenthalt von Thilo Klein.

          Die Liste der Studiengänge und Möglichkeiten bleibt indes unübersichtlich. Wer in welchen Studiengängen entwicklungsökonomische Themen anbietet, ist sehr mühsam herauszufinden. Thilo Klein rät Studienanfängern, nicht zu verzweifeln: „Viele Perspektiven entwickeln sich erst nach und nach.“ Seinen eigenen Weg über ein klassisches Studienfach und eine anschließende Spezialisierung hält er durchaus für empfehlenswert. „Man sollte sich nicht zu sehr von exotischen Fachbeschreibungen leiten lassen“, findet er. „Ein Praktikum in einem Land wie Indien tut es auch - das Exotische kommt dort von alleine.“

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