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Englische Privatschulen : Ab ins Internat!

Zum Cricket-Turnier nach Sri Lanka

Jenseits des Ärmelkanals, im Mutterland der Eliteinternate, sind die Privatschulen seit jeher die Eintrittskarte für die Beletage der Klassengesellschaft. An den beiden renommiertesten Universitäten des Landes - Oxford und Cambridge - sind Privatschulabsolventen deutlich überrepräsentiert. Studien zeigen immer wieder, dass das Land von einem Club der Bildungsprivilegierten dominiert wird. So haben sieben von zehn Spitzenbeamten und sechs von zehn Wirtschaftsführern in Großbritannien Privatschulen besucht, obwohl diese nur rund 7 Prozent aller Schüler unterrichten.

Beziehungsnetzwerke, von denen Privatschüler ein Leben lang profitieren, werden schon auf dem Schulhof geknüpft. Die Mehrzahl der Schüler in Harrow sind der breiten Masse nicht nur dank des steil aufstrebenden Internatshügels topographisch enthoben, sondern auch materiell. Im Schulmagazin „Harrow Record“ wirbt ein Ferrari-Restaurator aus der Region für seine Dienste. Die Schule verfügt über einen eigenen Golfplatz und eine Sternwarte. Im Wirtschaftskunde-Unterricht reisen die Schüler zur Exkursion an die New Yorker Wall Street. Und das Cricket-Team der Schule fährt wie selbstverständlich zum Turnier nach Sri Lanka.

Kinder aus einfachen Verhältnissen sind in diesem pädagogischen Schlaraffenland eine Rarität. Zwar gibt es Stipendien für schlaue Jungen ohne reiche Eltern. Wer einen dieser Plätze ergattert, bekommt die regulären Schulgebühren großteils erlassen. Aber nur 9 Prozent der Schüler haben ein solches Stipendium. Das Internat ist deshalb auch eine soziale Kunstwelt, die weitgehend von Jungen aus gutsituierten, reichen und sehr reichen Familien bevölkert wird.

Ansturm auch aus China

Im wichtigsten Wachstumsmarkt der englischen Internate treiben Fragen der sozialpolitischen Inklusion jedoch nur die wenigsten um. „Chinesische Eltern schätzen die Führungsfähigkeiten und das Teamwork-Denken, die ihre Kinder an britischen Schulen eingeimpft bekommen“, sagt Ian Hunt, der Geschäftsführer des Londoner Beratungsinstituts Gabbitas. Viele chinesische „Elite-Eltern“ seien davon überzeugt, dass das Schulsystem im Reich der Mitte engstirnig sei und vor allem Fachidioten heranzüchte, statt eine exzellente Allgemeinbildung zu vermitteln. „Deshalb mögen die Chinesen britische Privatschulen“, sagt Hunt.

Das Unternehmen, das der Bildungsexperte leitet, ist selbst ein Spiegelbild der boomenden britischen Internatsbranche: Gabbitas wurde vor mehr als 140 Jahren gegründet und vermittelte lange Zeit vor allem Lehrer an britische Eliteschulen. Als die Globalisierung in den britischen Internaten ankam, begann Gabbitas auch ausländische Eltern bei der Wahl der richtigen Schule zu beraten. Rund 350 Tutoren arbeiten für Gabbitas. Ihre Aufgabe ist es, mit Nachhilfeunterricht dafür zu sorgen, dass etwa junge Chinesen und Russen die Aufnahmetests der britischen Internate schaffen. Allein dafür geben manche Eltern umgerechnet mehr als 15.000 Euro aus.

Doch das neueste Betätigungsfeld von Gabbitas ist der Export der britischen Schulen selbst: Wegen des Bewerberansturms eröffnen immer mehr Eliteinternate von der Insel Zweigstellen in Asien - und lassen sich dabei von Ian Hunt und seinem Team beraten. Harrow beispielsweise unterhält mittlerweile Filialen in Hongkong, Bangkok und Peking. Nächstes Jahr soll eine weitere in Schanghai dazukommen. Auch andere bekannte britische Internate wie das Wellington College und das Haileybury College haben Ableger im Ausland. „Wir exportieren den Ethos und die Philosophie unserer Schule“, sagt Rektor Hawkins im Musikzimmer von Harrow. Dazu gehören auch die zur Schuluniform gehörenden Strohhüte: Sie sind auch für Harrow-Zöglinge in China Vorschrift.

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