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Englische Privatschulen : Ab ins Internat!

Wie immer, wenn es um Luxusgüter geht, ist es auch in diesem Fall die Knappheit, die sie besonders begehrenswert macht. In Harrow gibt es dieses Jahr 872 Bewerber für die 180 verfügbaren Plätze für Neuzugänge. In Eton, der wohl berühmtesten Schule der Welt, die ihren Sitz in der Grafschaft Berkshire westlich von London hat, sind die Bewerberzahlen allein seit 2005 um zwei Drittel gestiegen. Seit 1990 haben sie sich mehr als verdreifacht. Aber das Angebot ist nicht entsprechend mitgewachsen.

Alle Schüler, die nach Harrow wollen, müssen zuvor einen Aufnahmetest bestehen. Doch nur rund ein Fünftel der Plätze ist für ausländische Kinder reserviert. Eine feste Quote gebe es zwar nicht, sagt Hawkins. „Aber die Balance muss schon stimmen“, betont er. Schließlich sei der Charakter der Schule „fundamentally British“. Im Klartext: Zu viele Ausländer könnten das empfindliche Bildungsbiotop auf dem Harrow Hill gefährden.

Von wertkonservativ bis international

Auch Juliane von Bülow ist Teil des britischen Privatschul-Wirtschaftswunders - obwohl sie ihre Geschäftsadresse gar nicht in England, sondern im Schwabenland hat. Die Stuttgarterin betreibt eine Agentur, die Eltern bei der Suche nach der richtigen Schule für ihre Sprösslinge berät. Schließlich gibt es in Großbritannien rund 200 private Internate. Da fällt die Wahl schwer. Außerdem reicht Geld allein nicht, um den eigenen Kindern britische Internatstüren zu öffnen: Die Aufnahmetests an Eliteschulen wie Harrow und Eton sind ziemlich anspruchsvoll. „Wir bringen alle Kinder an einer vernünftigen und passenden Schule unter“, versichert von Bülow dennoch.

Neuzugänge ausländischer Schüler an britischen Privatschulen.

Rund 200 Schüler vermittelt sie jedes Jahr nach England und nimmt dafür ein Beratungshonorar von 300 Euro von den Eltern sowie eine Vermittlungsprämie von den Internaten. Die Beraterin hat für alle Klientenwünsche etwas im Angebot. Da gibt es die „wertkonservativen Schulen“ wie Harrow, berichtet sie. Wer für seine Kinder dagegen ein modernes und internationales Bildungsumfeld sucht, wird zum Beispiel in Oakham fündig, einem laut von Bülow unter deutschen Managern sehr beliebten Internat. Ein Internat wie Rugby, mit einem hohen Anteil einheimischer Schüler, wiederum sei ideal, wenn der Sohn oder die Tochter vor allem eine „superbritische Erfahrung“ bekommen soll.

Aber warum wollen überhaupt so viele Eltern ihre Kinder ausgerechnet nach England schicken? „Großbritannien hat es geschafft, seine Schulbildung als eine Weltmarke zu etablieren“, sagt von Bülow. Das Internat haben die Briten sogar erfunden: Die vor mehr als 1400 Jahren gegründete King’s School in Canterbury gilt als die älteste bis heute betriebene Schule der Welt. Der Lernstoff, der an den britischen Privatinternaten durchgenommen werde, sei ganz ähnlich wie der in Deutschland, sagt von Bülow. Der entscheidende Unterschied sei die Art und Weise, wie Lehrer mit den Schülern umgingen.

Eine Gruppe für jugendliche Käseliebhaber

„In England arbeiten die Lehrer mit den Schülern und nicht gegen sie“, sagt die Internatsexpertin. Sie spricht von einer „konstanten positiven Feedbackschleife“, von der gute und schwächere Schüler gleichermaßen profitierten. Schüler, die im deutschen Unterricht Probleme hätten, dem Stoff zu folgen, würden in britischen Internaten besser gefördert als daheim. In Harrow sitzen in der Oberstufe selten mehr als zehn Jungen in einer Klasse. In deutschen Gymnasien kann die Klassenstärke mehr als dreißig Schüler erreichen.

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